Fußball-WM in Frankreich Warum die DFB-Frauen die Kanzlerin feiern

Sieg gegen den Akrikameister Nigeria – besser könnte die Stimmung nicht sein. Foto: Getty
Sieg gegen den Akrikameister Nigeria – besser könnte die Stimmung nicht sein. Foto: Getty

Die Mannschaft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg spielt bisher eine erfolgreiche Weltmeisterschaft. Die Stimmung im Team ist prächtig, der Traum vom Titel reift – und selbst Angela Merkel meldet sich.

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Grenoble - Um sich vom faszinierenden Panorama der französischen Alpen einen ersten Überblick zu verschaffen, bietet sich in Grenoble die Gondelfahrt auf die Bastille an. Auch die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat kürzlich diesen touristischen Abstecher unternommen, wobei ein schöner Schnappschuss von Martina Voss-Tecklenburg entstand: die Bundestrainerin mit ausgebreiteten Armen vor der Bergkulisse.

Ein passendes Motiv: Mit dem 3:0 (2:0) gegen Nigeria im Achtelfinale von Grenoble bieten sich auf einmal prächtige Perspektiven für ihre Fußballerinnen. Anders als die Männer in Russland leisten sich die Frauen in Frankreich kein WM-Versagen, sondern setzen ein Statement, dass die oft beschworenen deutschen Tugenden gerade wieder en vogue sind. Eine vorzügliche Torhüterin und aufmerksame Abwehr, starke Standards und enorme Willenskraft sind die Trümpfe dieser Mannschaft, die das vor jedem Spiel ausgerufene Motto „Allez maximal“ umsetzt.

Immer alles rausgeholt

„Wir haben in jedem Spiel das rausgeholt, um das Spiel zu gewinnen. Diese Mannschaft hat einen unheimlichen Charakter, auch wenn wir noch nicht so glanzvoll Fußball spielen. Aber ich habe immer gesagt: Wir sind in einem Prozess“, bilanzierte Voss-Tecklenburg. Erst für den Sonntagabend war die Weiterreise vom Flughafen Lyon nach Rennes angesetzt, wo die deutsche Delegation nun in das geschätzte Golfresort in Bruz zurückkehrt, wo die WM-Reise begann. „Ich bin sehr froh, dass wir einmal durchatmen, einen Tag mal komplett freimachen können und dass wir auch gezielt darauf schauen können, was wir im Viertelfinale leisten müssen“, sagte die Trainerin. Die 51-Jährige kündigte überdies an, dann wieder auf Dzsenifer Marozsan zu setzen. Ihr kam in der bisherigen Bewertung die Bedeutung der mit einem Bruch der Mittelzehe ausgefallenen Spielmacherin offenbar deutlich zu kurz: „Uns fehlt eine der besten Fußballerinnen der Welt. Teilweise wird noch hinterfragt, warum wir dies oder das nicht richtig machen. Im Viertelfinale wird sie wieder auflaufen.“

Selbst äußerte sich die 27-Jährige zwar etwas zurückhaltend: „Ich habe noch Schmerzen, ich bin froh, dass ich noch nicht spielen musste.“ Doch der Notfallplan hatte schon einen Einsatz gegen Nigeria vorgesehen. „Wir hätten sie eingewechselt, wenn wir sie gebraucht hätten“, bestätigte Voss-Tecklenburg. Das Viertelfinale gegen Kanada oder Schweden werde ein Duell auf Augenhöhe sein, glaubt indes die Trainerin. „Ich bin gespannt auf Montag, beide Gegner haben gute physische Eigenschaften und erfahrene Spielerinnen“, sagt die Trainerin.

Mit Optimismus in die nächste Etappe

Die Fußballlehrerin hat bisher vieles richtig gemacht: Die kurze Vorbereitung hat verhindert, dass sich der Anflug von Lagerkoller ausbreitet, und die Zusammensetzung des Kaders stimmt. Die nach außen in den sozialen Netzwerken ausgestellte Harmonie wird nach innen mit Leben füllt. Die Führungsqualitäten der lebenserfahrenen Chefin helfen: Die Frohnatur vom Niederrhein dient als der zentrale Ruhepol der Mission, den deutschen Frauenfußball zurück in die Weltspitze zu führen. So wächst der Optimismus auf dieser Tour de France gerade mit jeder Etappe. Selbst die kritische Almuth Schult schien nach dem sachlich gehaltenen Auftritt im Stade des Alpes gnädig gestimmt: „Wir haben uns von Spiel zu Spiel weiterentwickelt“, meinte die Torhüterin. „Ich würde sagen, die Offensive ist bei 80 Prozent, die Defensive bei 100 Prozent.“ Dass immer noch bisweilen fehlerhafte Aufbauspiel aus der Innenverteidigung kann der Charakterkopf im Tor damit aber nicht gemeint haben.

Dass das im Umbruch befindliche Ensemble „fußballerisch was drauflegen kann“ (Co-Trainerin Britta Carlson) ist unbestritten, aber so lange Vorbild Alexandra Popp vorne als Mittelstürmerin wieder ein wichtiges Tor köpft, um dann hinten auf der Doppelsechs zu schuften, sind solche Mängel zweitrangig. Die 28-jährige Anführerin und Kapitänin vereinte mit fast unendlich vielen Extrakilometern in ihrem 100. Länderspiel die Vorzüge einer Auswahl, die sich durch die Tore von Popp (20.), Sara Däbritz (27./Foulelfmeter) und Lea Schüller (82.) belohnte.

Ein Gruß von Angela Merkel

Die Spielführerin war auch diejenige, die bei der Rückkehr ins Kurstädtchen Uriage-les-Bains ihre Mitstreiterinnen mit Mallorca-Hits beschallte. Die ausgelassene Stimmung schwappte sogar bis zur Bundeskanzlerin hinüber. Voss-Tecklenburg nutzte die Wartezeit bis zur Pressekonferenz im Stade des Alpes nämlich, um auf eine SMS von Angela Merkel zu antworten, „die sich sofort nach dem Spiel gemeldet hat, sie hat direkt gratuliert, sie freut sich mit dieser Mannschaft.“ Als die Trainerin das den Spielerinnen mitteilte, sei die Kanzlerin „gefeiert“ worden.




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