Fußball-WM Silvia Neid arbeitet gegen den Trend

Von Frank Hellmann 

Die Trainerin der Nationalmannschaft versucht vor dem letzten Testspiel ihrer Frauen gegen Norwegen die Erwartungen zu dämpfen.

Die 47-Jährige trägt wie ihre Mannschaft blau. Foto: dapd 2 Bilder
Die 47-Jährige trägt wie ihre Mannschaft blau. Foto: dapd

Frankfurt/Main - Hellblau ist eigentlich die Farbe, die normalerweise die Kleider von kleinen Jungen haben. Doch der in diesem Ton gehaltene Trainingsanzug steht auch dem gesamten Tross der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft ziemlich gut, derjenige der Cheftrainerin inklusive. Zumal es wohl ein bisschen kitschig wäre, wenn Silvia Neid plötzlich in rosafarbenem Outfit zu Pressekonferenzen erscheinen würde. Am Mittwoch hat sich die 47-jährige Trainerin deshalb in der blauen Dienstkleidung ans Mikrofon gesetzt, um aus der Frankfurter Verbandszentrale einige Botschaften zu verkünden.

Eine zentrale Botschaft zielt dabei auf die fast überbordende Erwartungshaltung in Deutschland ab, wo es ja fast jeder als Selbstverständlichkeit betrachtet, dass die Fußballerinnen nach 2003 und 2007 das dritte Mal in Folge Weltmeister werden. "Was wäre denn so schlimm daran, wenn nicht? Die Welt geht davon nicht unter. Schlimm wäre es, wenn wir ohne Titel eine Naturkatastrophe auslösen würden", hat die Badenerin kürzlich gesagt, um nun anzufügen: "Wir können den Titel im eigenen Land zwar gewinnen, aber wir wollen diese Heim-WM in erster Linie genießen." So lautet die Vorgabe der Welttrainerin des Jahres an ihre 21 Auserwählten: "Das Turnier soll Freude machen."

Die Vorfreude ist groß

Eine Herangehensweise, die pünktlich vor der WM-Generalprobe am Donnerstag gegen den Mitfavoriten Norwegen (20.30 Uhr/ZDF) angekommen ist. "Das ist für uns alles kein Druck, sondern wir können es kaum erwarten, dass es losgeht", versichert die lebensfrohe Rheinländerin Celia Okoyino da Mbabi, während die eher pragmatisch gestrickte Ruhrgebietlerin Linda Bresonik betont: "Negative Wörter sind bei uns nicht zu finden. Es kann doch nur Riesenbock machen, am 26. Juni in ein volles Berliner Stadion einzulaufen."

Das Wochenende zuvor ist frei - nach dem finalen Test am Mainzer Bruchweg, wofür erst 10.000 Karten verkauft sind, hat Silvia Neid ihre Spielerinnen zum ersten Male für ein paar Tage von sportlichen Ertüchtigungen befreit, "jede kann nach eigenem Ermessen etwas tun". So viel Freiraum ist selten bei der akribisch arbeitenden Fußballlehrerin, die seit Anfang April in insgesamt sieben Lehrgängen ihr Team auf höchstes Niveau gebracht hat.