Trotz des bislang Erreichten liegt auch noch einiges an Arbeit vor Michael Spörer (li.) und Ulrich Probst (re.). Foto:
Der Bezirksvorsitzende Michael Spörer und Bezirksspielleiter Ulrich Probst sprechen über anderthalb Jahre Fußballbezirk Stuttgart/Böblingen. Ihr Fazit fällt uneingeschränkt positiv aus.
Drei Halbserien oder anderthalb Saisons alt ist der Fußballbezirk Stuttgart/Böblingen inzwischen. Anfangs wurde das Thema WFV-Strukturreform noch heiß gekocht. Verbrennt man sich daran immer noch den Mund? Oder ist das Süppchen inzwischen abgekühlt? Der Bezirksvorsitzende Michael Spörer und Bezirksspielleiter Ulrich Probst blicken im KRZ-Interview zurück und voraus.
Ulrich Probst: Im Großen und Ganzen haben sich die Vereine mit der Situation arrangiert. Es sind jetzt auch keine zuvor befürchteten Horrorszenarien eingetreten, dass zum Beispiel durch die Auf- und Abstiege 18, 20 oder sogar 22 Vereine in der Bezirksliga landen. Unser Fazit vom Bezirk Stuttgart/Böblingen ist uneingeschränkt positiv.
Michael Spörer: Natürlich sind immer noch nicht alle Vereine begeistert, aber die Wogen haben sich definitiv geglättet.
Viele Vereine aus Kreis Böblingen lehnten Strukturreform und Bezirk ab
Was genau waren und sind denn die Probleme der Vereine?
Ulrich Probst: Die Wallungen, die es gegeben hat, gab es ja nicht überall. Es gibt natürlich immer Gewinner und Verlierer. Der Schwerpunkt der Kritik kam aus dem Kreis Böblingen. Während zum Beispiel die SpVgg Holzgerlingen jetzt mitten im Bezirk liegt, ist der SV Deckenpfronn am Rand und hat dadurch längere Anfahrtswege. Vor den ersten gemeinsamen Veranstaltungen der Vereine gab es teilweise noch sehr negative Stimmung. Gerade bei einer Sitzung der potenziellen Bezirksligisten in Altdorf hatten manche noch massiven Widerspruch zur Reform erwartet. Am Ende war es aber sehr konstruktiv.
Michael Spörer: Für einige Vereine aus dem Kreis Böblingen fängt das Problem bereits mit dem Ortsschild Landeshauptstadt Stuttgart an. Dabei macht es beispielsweise für einen Sindelfinger keinen Unterschied, ob er mit dem Auto nach Weil im Schönbuch oder nach Stuttgart-Fasanenhof fährt. Mittlerweile haben die Vereine glaube ich auch verstanden, dass Stuttgart kein schwarzes Loch ohne Kultur ist. Es gibt aber natürlich auch Probleme, die wir nachvollziehen können. Von Vereinen kam die Beschwerde, dass sie durch die Reform die Hälfte ihrer Derbys verlieren, weil die bisherigen Nachbargegner dem Bezirk Nordschwarzwald zugeschlagen wurden. Was die Klubs uns aber zugute halten: Wir haben nie etwas versprochen, das wir nicht eingehalten haben.
Der SV Deckenpfronn (in Grün) liegt am äußersten Rand des Fußballbezirks Stuttgart/Böblingen Foto: Michael Schwartz
Wie geht ihr als Bezirk mit dem Druck seitens der Vereine um?
Michael Spörer: Naja, entweder du machst diesen Job oder nicht. Wir können natürlich den ganzen Ärger auf einen Haufen werfen und darüber reden, dass alles Murks ist, oder wir schauen nach vorne. Bei solchen großen Veränderungen ist es immer so, dass die erste Enttäuschung groß ist, aber wenn du Glück hast, geht es nach oben – genau da sind wir gerade.
Wie lautet Ihr Fazit zur sportlichen Situation?
Michael Spörer: Manche hatten ja noch die Befürchtung, dass die Vereine aus dem Kreis Böblingen durch den Zusammenschluss in der Bezirksliga komplett untergehen, ähnlich wie die ostdeutschen Vereine nach der Wiedervereinigung. Stattdessen besteht die Liga heute aus genau acht Mannschaften aus dem Kreis Böblingen und acht Mannschaften aus dem Raum Stuttgart und ist so spannend wie schon lange nicht mehr.
Der Amateurfußball hat es nicht leicht. Die Mitglieder werden weniger, viele Vereine kämpfen ums Überleben. Wie blicken Sie vor diesem Hintergrund auf die Bezirksreform?
Ulrich Probst: Die Probleme gibt es ja nicht nur im Fußball, sondern insgesamt im Vereinssport. Auch im Handball oder im Tischtennis gab es schon Gebietsreformen. Bundesweit müssen sich die Vereine an die Situation anpassen. Mit Blick auf unsere Reform ist es so: Manche Bezirke, die bei der Anzahl der Mannschaften gut aufgestellt sind, betrifft das Problem natürlich weniger. Dass die sich mehr ärgern, ist irgendwo verständlich. Aber man kann eben nicht nur an einzelnen Bezirken rumdoktern, sondern muss das große Ganze sehen. Vor der Reform gab es mehrere Gebiete, die auf absehbare Zeit keinen vernünftigen Spielbetrieb stellen können würden. Man kann natürlich mit nur einer Kreisliga A und zwei Kreisligen B im Bezirk spielen, aber sinnvoll ist das nicht.
Ist die Reform abgeschlossen?
Ulrich Probst: Es gibt noch eine letzte Baustelle – aktuell haben wir in Böblinger Staffeln der Kreisliga B nur je zwölf Mannschaften und in den Stuttgarter Kreisligen B je 15 Teams. Das Ziel ist natürlich, das alle die gleiche Größe haben. Dadurch sind es auch für die Teams weniger Spieltage im Jahr. Im Frauenbetrieb wurde das bereits umgestellt, die Juniorenteams folgen im nächsten Jahr. Nur bei den Männern gibt es noch Befindlichkeiten, zwecks Fahrtwege und so weiter. Deswegen hatten wir gesagt, dass wir in der aktuellen Saison noch darauf verzichten. Aber zur nächsten Spielzeit werden wir mindestens eine Staffel diesbezüglich umsetzen.
Michael Spörer: Wir sind gut aufgestellt und haben super Leute, auch wenn es nur wenige Personen aus dem Kreis Böblingen im Team sind. Vorher haben die noch gegen die Reform gekämpft, aber wir haben uns gefunden und kämpfen jetzt gemeinsam. Und mit Ulrich Probst haben wir natürlich ein Ass im Team, was die ganze Planung und Spieltagsgestaltung angeht.
Ulrich Probst: Der Aufwand wird nicht kleiner, aber das hat weniger mit der Gebietsreform zu tun, sondern mehr mit der Situation im Raum Stuttgart. Dort gibt es oft Doppelbelegungen von Plätzen, der Frauen- und Männerbetrieb muss jongliert werden. Im Kreis Böblingen gibt es mit den vielen Rasenplätzen zur aktuellen Jahreszeit das Problem, dass viele Spiele abgesagt werden müssen, wie man ja auch zuletzt gesehen hat. Aber das sind alles keine neuen Herausforderungen. Wir sind überzeugt, dass der Bezirk Stuttgart/Böblingen durch die Reform auch in Zukunft einen ordentlichen Spielbetrieb leisten kann.