Fußballdebatte Renaissance der Blutgrätsche

Matthias Sammer: Er ist ein Vertreter der konservativen Fußballfraktion. Foto: dpa
Matthias Sammer: Er ist ein Vertreter der konservativen Fußballfraktion. Foto: dpa

Nach dem EM-Aus der deutschen Nationalelf sind wieder konservative Fußballansichten gefragt – siehe Matthias Sammer, den der FC Bayern verpflichtet hat.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Peter Stolterfoht (sto)
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Stuttgart - Dass man das nochmals erleben darf: Hans-Peter Briegel im deutschen Fernsehen! Da sitzt er nun, der ­ehemalige Nationalspieler, und darf in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz darüber sinnieren, warum die Nationalmannschaft im EM-Halbfinale so sang- und klanglos gegen Italien ausgeschieden ist. Und Briegel analysiert so, wie er einst spielte: schlicht und walzend. Wer die Hymne nur halbherzig oder gar nicht mitsinge, der sei auch auf dem Platz nicht mit dem größtmöglichen Einsatz bei der Sache, lautet eine zentrale These von Briegel.

Und dann erzählt der seit 2007 arbeitslose Trainer (Spitzname: „Walz aus der Pfalz“) unter dem Applaus des Studiopub­likums noch ein bisschen vom Dreiklang ­altdeutscher Fußballtugenden (Kampf, Kampf, Kampf), kräftig unterstützt von den zuletzt nicht besonders präsenten TV-Moderatoren Rolf Töpperwien und Gerd Rubenbauer. Es werden in dieser Runde auch noch Forderungen nach mehr Hie­rarchie sowie einer unumschränkten Führungsfigur laut: der gute alte Leitwolf – und der könne auch ruhig Schaum vor dem Mund haben. In diesem Zusammenhang fallen dann fast schon automatisch die Namen Stefan Effenberg und Oliver Kahn.

Rückwärtsgewandte Fußballansichten haben seit der EM-Halbfinalniederlage Hochkonjunktur in Deutschland. Franz Beckenbauer und Felix Magath sind dabei so etwas wie die Doppelspitze der „Früher-war-eben-doch-alles-besser-Bewegung“. Und in Stammtischmanier lesen sie diese Niederlage gegen Italien auch ab an den Lippen – an denen, die sich bei der deutschen Hymne nicht bewegt haben.




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