Für den KVC Westerlo stand Eliot Bujupi bislang noch nicht so häufig auf dem Platz: Er ist aber überzeugt, dass das noch kommen wird. Foto: Imago/Photo News
Anfang September wechselte Fußballer Eliot Bujupi aus Sindelfingen vom VfB Stuttgart zum KVC Westerlo. In Belgien fühlt er sich wohl und ist sicher, dass er bald seine Chance bekommt.
Michael Schwartz
18.12.2025 - 07:54 Uhr
Heimweh? „Das habe ich schon manchmal. Ich würde lügen, wenn ich nein sage“, räumt Eliot Bujupi ein. Bis September hat er stets im Elternhaus in Sindelfingen gewohnt. Nun lebt er erstmals allein. Ein ganzes Stück weit weg vom Hinterweil. In Belgien. Doch natürlich hat er sich diesen Umzug gut überlegt. Schließlich möchte er seine Fußballkarriere voranbringen.
Von der U12 bis zur U21 hat Eliot Bujupi alle Altersklassen beim VfB Stuttgart durchlaufen. 2024/2025 war seine letzte Saison als A-Junior, bereits da gehörte er fest zum Personal der zweiten Mannschaft in der 3. Liga. Für die U19 knipste er regelmäßig in der UEFA Youth League, stand bei den Profis sogar mehrmals im Champions-League-Kader. Vor drei Monaten erfolgte dann die Leihe zum KVC Westerlo.
Eliot Bujupi wechselte vom VfB Stuttgart zum KVC Westerlo
„Diese Geschichte habe ich selbst gar nicht so erwartet“, erzählt der 19-Jährige. Irgendwann intensivierte sich der Kontakt mit dem Klub aus der belgischen Jupiler Pro League. Als er dann mit der U21 des Kosovo für die EM-Qualifikation gegen Rumänien und Spanien unterwegs war, wurde die Spur Tag für Tag heißer. Zusammen mit seiner Familie und seinem Beraterteam entschied er, den Schritt tatsächlich zu gehen.
„Was der Verein mit mir vorhat, hörte sich sehr gut an, also habe ich unterschrieben“, erzählt Eliot Bujupi, der bereits ein A-Länderspiel in der Nations League bestritten hat. „Es ist sicher gut für meine Entwicklung, wenn ich mal rauskomme. Rein in eine andere Kultur. Verantwortung für mich selbst übernehmen.“ Dass das irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft kommen würde, war ihm bewusst. „Das gehört zum Erwachsenwerden dazu. Ich bin mental und menschlich stark genug, um das zu bewältigen.“ Immer das große Ziel vor Augen, es fußballerisch weit zu bringen.
Seine letzte Partie für den VfB Stuttgart II vor seinem Wechsel nach Belgien bestritt Eliot Bujupi (re.) Ende August beim TSV 1860 München. Foto: Imago/Kolbert-Press
Die Idee, regelmäßig Spielpraxis zu erhalten, ist bisher noch nicht wie erhofft eingetreten. Von dreizehn möglichen Spielen stand der Stürmer in vieren auf dem Feld, wurde dabei immer erst kurz vor Schluss eingewechselt. Den Kopf steckt er deshalb noch lange nicht in den Sand. Im Gegenteil: Er sieht den Wechsel dennoch als richtige Entscheidung an, weil er ihn sportlich vorangebracht hat.
„Das ist fußballerisch ein Level höher hier“, meint er allein schon das anspruchsvolle Training, aus dem er viele neue Inhalte mitnimmt. „Wir sind zum Beispiel eine der fittesten Mannschaften der Liga“, nickt er. Dienstags und mittwochs warten jeweils zwei Einheiten auf ihn. Um 7.30 Uhr morgens steht er auf, und um 8.30 Uhr trifft er auf dem Klubgelände ein. „Da bin ich quasi den ganzen Tag unterwegs“, berichtet Eliot Bujupi. „So intensiv wie hier habe ich noch nie trainiert.“
Dass dieser Aufwand schon bald belohnt wird, davon ist der Linksfuß überzeugt. „Ich will immer mehr“, bezieht er sich auf seine Einsatzminuten und fügt selbstbewusst hinzu: „Ich bin der Meinung, dass ich mit meinem Potenzial helfen kann. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann ich meine Chance bekomme, und ich bin sicher, ich werde da sein, um sie zu nutzen.“
Bis dahin werde er weiterhin hart arbeiten und geduldig sein, denn „der Klub hat einen Plan mit mir und gibt mir Zeit, um mich anzupassen“. Womit er vor allem taktische Aspekte anspricht. Lernen, was der Coach verlangt. Einprägen, wie das Team in dieser Hinsicht auftreten soll. Weniger den persönlichen Stil mit dem runden Leder ändern. „Da hat jeder seinen eigenen – und das ist auch gut so“, findet Eliot Bujupi. „Nur so kannst du deine individuellen Stärken und Skills einbringen.“
Wenn er mal frei hat, nutzt er das, um abzuschalten, zu Hause auszuruhen und einiges in seinem Einpersonenhaushalt zu erledigen. Ab und zu kommen seine Eltern aus Sindelfingen zu Besuch, mit denen er sonst täglich telefonischen Kontakt hält. Etwa alle zwei Wochen sieht er auch seine Cousins, die zwei Stunden entfernt in Köln wohnen. „Das macht die Sache mit dem Heimweh leichter“, schmunzelt Eliot Bujupi.