Defensivspielerin Muriel Dürr (am Ball) im Einsatz für den VfB Stuttgart in der Partie gegen den 1. FC Heidenheim Foto: Pressefoto Baumann
Muriel Dürr gewinnt mit dem deutschen U-17-Team den EM-Titel. Die Fußballerin spricht über den Triumph, ihren Weg vom FV Plochingen l zum VfB Stuttgart – und ihre nächsten Ziele.
Der größte Erfolg ihrer bisherigen Karriere ist noch frisch. Doch so richtig greifbar ist der EM-Titel mit dem deutschen U-17-Nationalteam für die Fußballerin Muriel Dürr noch nicht. „Es fühlt sich immer noch sehr surreal an“, sagt die 17-Jährige aus Plochingen. In den intensiven Turnierwochen hat sie viel erlebt, vieles noch gar nicht richtig reflektieren können – und dann kam auch noch dieser Titel dazu. „Das ist einfach unglaublich“, ergänzt sie.
Muriel Dürr: U17-EM-Titel fühlt sich „noch surreal an“
Der Moment, der ihr als Erstes durch den Kopf schießt, ist der Abpfiff des Finales. „Da ist einfach die Last von den Schultern gefallen“, erzählt Dürr. Danach war die Freude riesig, diesen Titel gemeinsam mit dem Team gewonnen zu haben. Spätestens nach dem Halbfinale gegen Spanien, das die deutsche Auswahl mit 4:3 nach Elfmeterschießen für sich entschied, wuchs endgültig der Glaube an den großen Wurf. „Da war klar, dass wir nun im Finale stehen, der Traum, Europameister zu werden, in Erfüllung gehen kann und jede einzelne auch schon demgegenüber sehr entschlossen war“, sagt Dürr. Drei Tage später gelang dann der 1:0-Finalsieg gegen Frankreich – und damit der EM-Titel. Für ihre Leistungen wurde die Abwehrspielerin zudem in die Elf der EM berufen.
Was diese Mannschaft ausgezeichnet hat? Dürr muss nicht lange überlegen. „Auf jeden Fall der Zusammenhalt“, sagt sie. Und dann nennt sie einen Begriff, der nach viel Arbeit klingt, aber ziemlich gut beschreibt, wie diese deutsche U17 auftrat: Defensivlust. „Wir sind richtig eklig in den Zweikämpfen gewesen und haben den Gegner kaum atmen lassen“, sagt Dürr.
Vom FV Plochingen über Jungsfußball zum VfB Stuttgart
Die Plochingerin, die für Deutschland und den VfB Stuttgart spielt, hat ihre Wurzeln in der Region. Ihre ersten fußballerischen Schritte machte sie beim FV Plochingen. „Ich habe dort bei den Jungs angefangen“, erzählt sie. Von den Bambini bis zur D-Jugend spielte sie beim FVP, später wechselte sie zum FSV Waiblingen, ebenfalls in den Jungsfußball – danach ging es zum VfL Kirchheim. Im Sommer 2025 folgte der Schritt zum VfB Stuttgart. Die Zeit bei den Jungs hat Dürr stark geprägt. „Das hat mich auf jeden Fall weitergebracht, vor allem, wenn es ums Körperliche und um das schnelle Spiel geht“, betont sie und ergänzt: „Der Wechsel zum Frauenfußball war gut so, weil es der perfekte Zeitpunkt war.“
Muriel Dürr nimmt sich auch für ihre Fans die Zeit. Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH
Muriel Dürrs Weg beginnt in Plochingen
Geprägt wurde sie auf ihrem fußballerischen Weg von ihrem Vater Raphael, der bei den Plochingern Jugendtrainer war. „Das war schon besonders, weil er eine wichtige Bezugsperson für mich ist“, sagt Dürr. Gemeinsam arbeiteten sie viel im Einzeltraining. Zugleich betont sie aber auch, dass sie von allen Trainerinnen und Trainern auf ihrem bisherigen Weg viel mitgenommen hat.
Der Bezug zur Heimat ist geblieben. Dürr wohnt in Plochingen und pendelt von dort nach Stuttgart ins Training. Nach dem EM-Titel kamen viele Nachrichten aus der Heimat. „Mich haben viele Glückwünsche erreicht. Während des gesamten Turniers haben mich meine Familie, Freunde und meine Teamkolleginnen beim VfB supportet“, erzählt sie. Ganz aus den Augen verloren hat sie den FVP nicht. Sie fährt, wenn es zeitlich passt, auch mal mit dem Fahrrad am Sportplatz vorbei.
Die Fußballerin will sich beim VfB Stuttgart weiterentwickeln
Der Schritt zum VfB Stuttgart bedeutet ihr besonders viel. „Der VfB ist schon seit Tag eins wirklich in meinem Herzen“, sagt Dürr, die seit Kindertagen ein großer VfB-Fan ist. „Da spielen zu dürfen, bedeutet mir sehr viel, und ich bin sehr dankbar.“ Seit Juli 2025 trägt sie das Trikot mit dem roten Brustring, im August unterschrieb sie beim VfB bis 2028. Sich selbst beschreibt Dürr als lernwillige Spielerin. Sie versucht, „so viel aufzusaugen, wie es geht“, und schaut sich viel von den erfahrenen Spielerinnen ab. Dass an sie als junge Spielerin mittlerweile auch eine gewisse Erwartungshaltung geknüpft ist, nimmt sie an. „Vor jedem Spiel habe ich eine bestimmte Routine, die ich durchgehe. Das hilft mir, mit dem Druck umzugehen.“
Nach der U-17-EM ist der Blick längst wieder nach vorne gerichtet. Dürr will beim VfB weiter Gas geben. „Es geht jetzt Richtung Bundesliga“, sagt sie in Bezug auf den gerade gelungenen Aufstieg des Frauenteams. Ihr Ziel ist es, alles dafür zu tun, um die nächsten Schritte ihrer sportlichen Weiterentwicklung zu machen und dabei stets Freude am Fußball zu haben.
Der EM-Titel ist für sie damit kein Schlusspunkt, sondern ein weiterer großer Schritt auf einem Weg, der in Plochingen begonnen hat – und noch lange nicht zu Ende sein soll.