Vier Freunde aus Reutlingen bieten wollen haben bereits mehr als tausend Vereine auf ihrer Plattform für den Amateurfußball. Regionale Unternehmen sollen als Sponsoren mitmischen.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)

Die EM beginnt, das Fußballfieber steigt: „Wir erhoffen uns einen Boom für den deutschen Fußball“, sagt Paul Prochinger. Prochinger ist einer von vier Freunden, die 2001 in Reutlingen das Fußball-Start-up Matchplaner gegründet haben. Mit dabei von Anfang bis heute waren Philipp Saur, Jens Bintakies und Anton Kandlbinder. Natürlich wünschen sie der deutschen Mannschaft „maximalen Erfolg“ – doch ihr Blick geht über die Arenen für die Profis hinaus: „Wir wollen einen Teil dazu beitragen, die Ausbildungsqualität in Deutschland flächendeckend wieder zu steigern“.

 

Früher waren die Sportsfreunde Jugendtrainer bei TSV Sickenhausen, Prochiner und sein Freund Philipp Saur sind nach wie vor Trainer der Spieler aus dem Vorort von Reutlingen. Im Amateurfußball, so ihre Erfahrung, gibt es einiges zu verbessern – so gibt es etwa einen Mangel an Trainern und es gibt Abmeldungen von Mannschaften, weil es an Ehrenamtlichen fehlt. Matchplaner will hier Abhilfe schaffen.

Suche nach Gegnern für Testspiele

Die Freunde hoffen, dass die Auseinandersetzung mit diesen Problemen auch nach der Europameisterschaft weitergeht, „unabhängig vom Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft“. Bisher gibt es für Trainer ein Angebot für die Suche nach Gegnern für Testspiele und für Übungen auf der Website des Start-ups, noch im Sommer soll eine App für das Handy herauskommen. Wie bisher schon die Website soll auch die App den Trainern ein langwieriges Hin und Her am Telefon oder per Mailverkehr ersparen. Nach und nach soll diese Testspielbörse auf verschiedene Regionen in Deutschland ausgeweitet werden, bisher ist Baden-Württemberg der Schwerpunkt.

Datenbank für das Training

Als wichtiger als die Terminplanung hat sich inzwischen die Trainingsplanung herausgestellt. „Die meisten Mannschaften trainieren mehrmals die Woche“, berichtet Prochiner. Und dabei stellen sich viele Fragen: Was ist ein gutes Training? Was kann für die Entwicklung der Spieler getan werden? Wie wird ein Training aufgebaut? Welche Übungen eignen sich für welche Altersklasse? Die Übungsdatenbank zu all diesen Problemen umfasst inzwischen 2500 Übungen, „mit zunehmender Anzahl an Übungen werden die Vorschläge, die unser Algorithmus für die Trainingsplanung liefert, immer besser“, meint Prochiner. Die Künstliche Intelligenz soll einzelne Übungen zu Trainingseinheiten zusammenbasteln.

App für die kommende Saison

Noch muss all dies auf der bisher kostenlosen Webseite von Matchplaner angeschaut werden, doch zum Beginn der Saison 2024/25 soll eine kostenpflichtige App auf dem Handy die Trainer unterstützen. Als sie selbst ihre Trainerlizenz erwarben haben Prochiner und Saur reihenweise ein positives Feedback zu den Ideen von Matchplaner erhalten. Auch die Spieler des TSV Sickenhausen haben das Start-up unterstützt, etwa bei internen Tests der kommenden App oder bei der Erstellung von Drohnenaufnahmen zur Darstellung von Übungsabläufen. „Mehr als tausend Vereine in Deutschland nutzen unsere Plattform“, heißt es bei Matchplaner – obwohl bisher „kein Cent“ für Marketing ausgegeben wurde.

Hoffnung auf Zuwachs an Interessenten

„Wir rechnen mit einem starken Zuwachs an Nutzern, sobald wir mehr in die Bekanntheit von Matchplaner investieren können“, sagt Prochiner. Die App wird im Monat 19,99 Euro kosten. Vereine und Trainer müssen das nicht unbedingt selbst bezahlen. Regionale Unternehmen werden als Sponsoren gesucht, die ersten sind schon gefunden. „Das Förderprogramm kommt sowohl bei den Vereinen als auch bei den Unternehmen super an“, berichtet Prochiner. Namen der Sponsoren werden noch nicht genannt. Diese sollen zum Beginn der kommenden Saison veröffentlich werden. Vom Herbst an soll es dann auf ganz Deutschland ausgedehnt werden. Ihr Studium haben die Gründer des Start-ups inzwischen beendet.

Gründer arbeiten bei Firmen in Teilzeitjobs

Paul Prochiner hat seinen Master in Sportmanagement in der Tasche, Philipp Saur den Bachelor in Product Management, Anton Kandlbinder den Bachelor in Informatik und Jens Bintakies ist Vertriebsmanager. Alle haben Teilzeitjobs bei verschiedenen Unternehmen. Nächstes Ziel ist es, von Matchplaner leben zu können. Noch im Sommer wollen sie eine GmbH gründen. „Für unser Unternehmen erhoffen wir uns von der EM, dass die Begeisterung für den Fußball auf den Amateursport überschwappt und nach der Sommerpause viele Vereine ihr Trainingsniveau mit Matchplaner auf ein neues Level bringen wollen“, so Prochiner. Noch konzentriert sich das Start-up auf Fußball, „aber wir erhalten regelmäßig Anfragen aus anderen Sportarten wie Basketball, Handball oder Volleyball“. Auf längere Sicht will Matchplaner auch dort seine Algorithmen mitspielen lassen.