Fußballjugend SpVgg Aidlingen, FSV Deufringen und SF Gechingen gründen die SGM Heckengäu

Harald Gammerdinger, Björn Bischoff, Timo Kerstan, Christian Kühnle, Felix Sommerfeld und Manuel Vogt (v. li.) blicken mit der SGM Heckengäu positiv in die Zukunft. Foto: Michael Schwartz

Nicht erst seit gestern sind Spielgemeinschaften bei der Fußballjugend ein Thema. Auch SpVgg Aidlingen, FSV Deufringen und SF Gechingen gehen nun als SGM Heckengäu gemeinsam diesen Weg.

TV Altdorf und TSV Hildrizhausen haben es schon getan, SV Nufringen und SV Rohrau, TSV Ehningen und TSV Dagersheim sowie TSV Kuppingen, SV Deckenpfronn und SV Sulz am Eck ebenso. Sie alle gründeten eine Spielgemeinschaft in der Fußballjugend und reagierten damit auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Nun tun dies auch die SpVgg Aidlingen, der FSV Deufringen und die SF Gechingen. Das Trio schließt sich im Juniorenbereich zur SGM Heckengäu zusammen.

 

Die Notwendigkeit

„Wir können nicht in allen Jugenden durchgängig Mannschaften melden“, erklärt Harald Gammerdinger, Abteilungsleiter beim FSV Deufringen, und sein Jugendleiter Christian Kühnle ergänzt: „Vor allem A-, B- und C-Junioren wäre für alle drei Vereine allein auf Dauer problematisch geworden.“

Ein bis drei Jahre hätte man noch wie bisher weitermachen können, vermuten die Verantwortlichen. Allerdings wollten sie nicht aus der Not heraus agieren, um dann mit irgendwem gezwungene Bande einzugehen. Ihnen war daran gelegen, sich proaktiv umzuschauen. „Es ging darum, in Ruhe zu sehen, mit wem es wirklich Sinn macht“, beschreibt Björn Bischoff, der bei der SpVgg Aidlingen für die Koordination des Projekts zuständig ist. „Hier hat es von Anfang an gepasst“, meint er damit mehr als die geografische Nähe.

Nicht nur die grundsätzliche Sicherung des Spielbetriebs für die Kids war ein Thema. „Wir möchten das Angebot außerdem qualitativ verbessern“, betont Timo Kerstan, Jugendleiter der SF Gechingen. So werde das Niveau des Trainings allein schon durch eine höhere Anzahl an Spielern angehoben, da so entwicklungsgerechtere Einheiten ermöglicht werden. „Ohne Breite keine Spitze – und umgekehrt“, weiß er. „Wir brauchen die Synergien daraus.“ In Sachen Masse, so sagt er, könne die SGM Heckengäu bereits jetzt mit den größeren Vereinen aus der Region mithalten.

Darüber hinaus könne man auf diese Weise besser die außergewöhnlich starken und die weniger talentierten Kicker halten. Der sogenannte Drop-out, also der Abgang von Jungs und Mädels, welche sich Mannschaften suchen, die eher ihrem Level entsprechen, werde dadurch minimiert. Heterogenität lautet das Stichwort, „weil wir weder die Besten noch die Leistungsschwächeren verlieren wollen“, begründet Manuel Vogt, sportlicher Leiter der Jugend bei den SF Gechingen. „Jedes Kind hat das Recht, hier zu spielen und entwicklungsgerecht zu arbeiten, damit jedes auf seinem Level abgeholt wird.“ Um das zu gewährleisten sei die Spielgemeinschaft alternativlos gewesen, sind sich alle Entscheidungsträger einig.

Die Initiative

Bereits vor zwei Jahren führten die SF Gechingen Gespräche mit dem FSV Deufringen, weil der Bedarf nach Veränderung erkannt wurde. „Das ist dann aber erstmal eingeschlafen“, schildert Timo Kerstan. Harald Gammerdinger brachte die Sache wieder auf den Tisch, an den bei der ersten Besprechung im August 2024 nun auch die SpVgg Aidlingen rückte. „Wir haben gleich gemerkt, dass wir alle sehr ähnlich ticken“, so Timo Kerstan. Intensiv wurde die Thematik dann im Spätherbst vergangenen Jahres. Bereits bei der zweiten Sitzung war die Gründung einer Spielgemeinschaft fix.

„Wir waren ja schon lange in einer SGM Aidlingen/Deufringen zusammen und uns einig, dass wir einen dritten Partner im Boot brauchen“, erläutert Björn Bischoff. „Wenn dann die Deufringer auf uns Aidlinger zukommen mit dem Impuls, sie hätten da jemanden mit einer sehr vergleichbaren Denkweise, kommt schnell die Grundstimmung auf, dass es was werden kann.“

Die Herausforderungen

„In der Grundorganisation einer SGM gibt es unfassbar viele Hürden rein rechtlicher, finanzieller und steuerlicher Natur“, nennt Björn Bischoff die verpflichtende Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts als Beispiel. „Die Vorstände der jeweiligen Hauptvereine werden damit persönlich haftende Gesellschafter. Sie mussten also voll hinter der Idee stehen, sonst hätte es nicht funktioniert.“ Schon allein in dieser Hinsicht wurden etliche ehrenamtliche Stunden investiert. Einzelne Gruppen arbeiteten neben dem großen Ganzen die Details aus.

Da das neue Konstrukt kein gemeinnütziger Verein ist, müsse auch akribisch genau darauf geschaut werden, was in Sachen Geld über die GbR läuft und was über die einzelnen beteiligten Fußballabteilungen, so Harald Gammerdinger. „Denn auch in dieser Hinsicht muss alles auf stabilen Beinen stehen.“ Hier hat die SGM Heckengäu Glück, dass zwei lokale Supermärkte als Sponsoren auftreten. „Und zwar in einem Umfang, der heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist“, zeigt sich Björn Bischoff dankbar.

Kritische Stimmen aus den eigenen Reihen bildeten einen weiteren abzuhandelnden Punkt. „Aber nach den Infoabenden waren die Eltern überzeugt“, freut sich Christian Kühnle, der bei jedem davon dabei war, über das positive Feedback. Dass ein Gechinger mal zum Training nach Aidlingen fahren muss oder umgekehrt, nehmen alle angesichts der positiven Aspekte des Zusammenschlusses in Kauf.

„Auch bei den Trainern war teils ein Umdenken gefragt, nicht nur bei den Fahrtwegen, sondern auch der Größe ihrer Mannschaften“, sagt Felix Sommerfeld, Jugendleiter der SpVgg Aidlingen. „Inzwischen sind alle vom Konzept überzeugt und ändern gerne ihre Gewohnheiten. Eine überwältigende Masse bleibt an Bord.“ Zumal sich auch ihre Möglichkeiten vergrößern, wie Timo Kerstan hinzufügt und dabei auf Manuel Vogt hinweist. Dieser nimmt bei der SGM eine entscheidende Rolle ein. Von dem Verbandssportlehrer, der in der Trainer-Aus-, Fort- und Weiterbildung beim WFV tätig ist und zudem die württembergische U12- und U14-Auswahl unter seinen Fittichen hat, können die anderen Coaches eine Menge lernen, was moderne Trainingssteuerung angeht.

Die Ziele

Ganz oben auf der Agenda steht es, bei allen Beteiligten über die Dörfer hinweg einen SGM-Spirit zu etablieren. Ein Gefühl heraufzubeschwören, dass dies nicht nur ein zusammengewürfelter Haufen ist, sondern eine Einheit, die zusammengehört. „Harmonisieren“, nennt es Harald Gammerdinger. „Wir wollen die Grenzen verschwimmen lassen“, bestätigt Timo Kerstan. Das Erscheinungsbild ist einer der Schlüssel dazu.

Felix Sommerfeld hat ein komplett neues Logo entworfen. Darauf zu sehen sind neben einem Ball die Wappen der beteiligten Gemeinden: Deufringer Adler, Aidlinger Reichsapfel, Dachteler Hirschgeweihe und Gechinger Löwe. Bei einem großen Wettbewerb unter seiner Federführung wurde das Trikot gestaltet. Insgesamt 56 Design-Vorschläge gingen von Mitgliedern aus allen drei Vereinen ein, ehe eine Abstimmung den Sieger bestimmte. Das Outfit ist weder Gelb-Schwarz oder Blau noch Weiß-Schwarz – das wären die Farben der einzelnen Klubs gewesen – sondern türkis-mintgrün. Ganz individuell. Im Nebeneffekt könnte so eine höhere Identifikation auch dafür sorgen, dass die Übernahme eines Ehrenamts wieder selbstverständlicher wird.

Das eigene Logo... Foto: SGM
... und ein ganz neu entworfenes Trikot sollen für eine hohe Identifikation mit der SGM sorgen. Foto: SGM

In sportlicher Hinsicht sollen die Kinder eine breite Ausbildung genießen. „Nicht nur leistungsorientiert“, hebt Manuel Vogt den Zeigefinger. „Wir möchten sie von vornherein für den Sport begeistern, damit sie nicht nur vor der Glotze oder dem Handy hocken.“ Eines wiederholt er dabei noch einmal, weil es besonders entscheidend für die Verantwortlichen ist: „Jedes Kind – ob gut oder leistungsschwächer – kann hier Fuß fassen und soll nicht nur trainieren, sondern auch an Spieltagen auf dem Platz stehen.“

Die Zukunft

In der Jugend eine Einheit, aber sobald es zu den Aktiven geht, macht man sich die herausragenden Kicker gegenseitig streitig? Nicht hier. „Man sollte auch in diesem Bereich offen bleiben und sich die Hand geben können“, findet Manuel Vogt. „Es ist eine Chance, Leuten Spielzeit zu ermöglichen, die sie anderswo nicht hätten“, gibt er ein Beispiel. „Wenn sie nicht zweite Mannschaft in Gechingen spielen wollen, könnten sie es in Aidlingen oder Deufringen in der Ersten probieren.“

Dieser Meinung ist auch Timo Kerstan: „Im Idealfall hat man irgendwann eine A-Jugend, die seit der F-Jugend zusammen ist. Wenn die nach oben rauskommt, muss man kooperativ bleiben und sollte nicht sagen, dass der eine da hin muss und der andere dort hin“, peilt er die beste Lösung für die jungen Kicker an.

Weitere Infos zu der neuen Spielgemeinschaft gibt es unter www.sgm-heckengäu.de im Internet.

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