Wenn gleich zwei Topspieler auf einmal den Abflug machen, trifft das jeden Verein hart. Wenn sie dazu noch zum Lokalrivalen und größten Titelkonkurrenten wechseln, dann erhöht das den Frust beim abgebenden Verein zusätzlich. Beim 1. Stuttgarter Futsal Club (SFC) ist das jedenfalls so. Der amtierende deutsche Futsal-Meister muss den Verlust der beiden bosnischen Nationalspieler Josip Sesar und Srdjan Ivankovic zum TSV Weilimdorf verkraften – und SFC-Marketingchef Wolfram Bunz kann sich einen Seitenhieb in Richtung Stuttgarter Norden nicht verkneifen: „Vielleicht sind sie in der Giebelstraße beim TSV ja auf Öl gestoßen.“
Bunz wundert sich also über die finanziellen Möglichkeiten der Weilimdorfer, doch im gleichen Atemzug schiebt er eine trotzige Kampfansage hinterher: „Wer uns vom Thron stoßen will, muss liefern. Wir machen unser Ding, wir haben Antworten parat“, sagt er vor dem Bundesliga-Auftaktspiel am 4. September (18 Uhr/Scharrena) ausgerechnet gegen Weilimdorf, „wir werden dem TSV in unserem Wohnzimmer einen heißen Empfang bereiten. Da brennt die Hütte“
In Weilimdorf sieht man die ganze Angelegenheit vergleichsweise gelassen. Nein, man sei nicht auf Öl gestoßen, meint der Spielleiter Michael Bachmann. „Wir haben kein höheres oder niedrigeres Budget als bisher, und die beiden Topspieler des SFC haben wir nicht abgeworben. Sie sind auf uns zugekommen, und da wären wir blöd, wenn wir Nein gesagt hätten. Sie bringen uns sportlich natürlich weiter, zudem hat Josip Sesar früher schon vier Jahre für uns gespielt“, so Bachmann. Das Hauptaugenmerk habe ohnehin auf der Verpflichtung eines anderen Spielers gelegen: Das Toptalent Suad Ak, deutscher Futsal-Nationalspieler vom MCH Futsal Club Bielefeld, hatte schon vor dem Duo vom SFC beim TSV unterschreiben. Der 20-Jährige wird auf Vermittlung der Weilimdorfer eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich beginnen.
Weilimdorf mit neuem Coach
Dass der TSV in Anbetracht der hochkarätigen Neuzugänge nicht wie Vorjahr nur bis ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft kommen will, versteht sich von selbst. „Wir sind 2019 und 2021 Meister geworden, 2023 sind wir also wieder dran. Zumindest ist das unser Ziel“, sagt Bachmann. Zusätzliche Impulse verspricht man sich von einem Trainerwechsel: Vitalii Odehov, Coach der ukrainischen U-19-Futsal-Nationalmannschaft, löste Nikola Tomicic ab. Allerdings wird Odehov im Derby noch nicht auf der Bank sitzen, da er den ukrainischen Futsal-Nachwuchs auf das U-19-EM-Turnier im spanischen Jaen vorbereitet.
Der erst 2020 gegründete Stuttgarter Futsal Club will das Feld aber nicht kampflos räumen: „Weilimdorf geht als Topfavorit in die Saison. Wir als Titelverteidiger stecken im Umbruch, aber wer Meister werden will, muss uns erst einmal schlagen.“ Für Spannung ist jedenfalls reichlich gesorgt vor dem Derby am Sonntag in der Scharrena.
Futsal-Bundesliga
Erster Spieltag
MCH Futsal Club Bielefeld – FC Sankt Pauli Futsal (Samstag, 3. September, 18.30 Uhr), HSV-Panthers – Jahn Regensburg (Sonntag, 4. September, 12 Uhr), 1. FC Penzberg Futsal – Fortuna Düsseldorf (Sonntag, 4. September, 13 Uhr), Wakka Eagles – HOT 05 Futsal (Sonntag, 4. September, 15 Uhr), 1. Stuttgarter Futsal Club – TSV Weilimdorf (Sonntag, 4. September, 18 Uhr/Scharrena).