Futuristisches Bauprojekt Die Krönung stößt noch auf Kritik

Links die umgebaute Brenzkirche, rechts die „Wolkenhäuser“ und davor der Reihenhaus-Riegel: So soll es an der Roten Wand einmal aussehen – spätestens 2018. Foto: Kister Scheithauer Gross
Links die umgebaute Brenzkirche, rechts die „Wolkenhäuser“ und davor der Reihenhaus-Riegel: So soll es an der Roten Wand einmal aussehen – spätestens 2018. Foto: Kister Scheithauer Gross

Der Bezirksbeirat Nord hat bei den Wohnbauplänen Rote Wand noch Optimierungsbedarf. Es wird unter anderem über die zukünftigen Parkplatzsituation sowie Förderungen und die Verkehrsregelungen diskutiert.

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S-Nord - Voraussichtlich Ende 2017 oder Anfang 2018, gut zehn Jahre nach dem Wegzug der alten Messe vom Killesberg, soll die Umgestaltung der ehemaligen Flächen abgeschlossen sein. In der Wohnbebauung des Gebiets Rote Wand sieht Stuttgarts Erster Bürgermeister Michael Föll „die städtebauliche Krönung des Prozesses“. Auf bei weitem nicht so viel Gegenliebe stößt der Siegerentwurf des Kölner Büros „Kister Scheithauer Gross Architekten und Stadtplaner“ im Bezirksbeirats Nord. Dessen Mitglieder sehen noch viel Klärungsbedarf.

113 Wohneinheiten sollen entstehen

Die Begrifflichkeiten klingen futuristisch, sie zeichnen das Bild eines Quartiers, das mit seinem eigenen Charakter an historische Vorbilder wie die benachbarte Weißenhof-Siedlung anknüpfen soll. 113 Wohneinheiten sind an der Roten Wand geplant, verteilt auf mehrere so genannte Minimal Houses und fünf Wolkengebäude. Übersetzt: zum einen dreistöckige Reihenhäuser mit einer Grundfläche von etwa 100 Quadratmetern plus einer vorgelagerten Terrasse, zum anderen dahinter stehende Hochbauten mit speziellem Charme. Das Quartier soll laut Sabine Stark aus dem Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung eine Vorreiterrolle in Sachen nachhaltiger Städtebau einnehmen. Die Brenzkirche samt neuem Vorplatz ist ein integrierter Teil des Ganzen.

Dort aber beginnt die Kritik des Bezirksbeirats. Denn das planerische Konzept sieht vor, den Abschnitt der Landenberger Straße zum „Shared Space“ zu machen, einem Bereich, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Das in der Tübinger Straße erprobte und vielfach bemängelte Konzept überzeugt die Lokalpolitiker nicht. Sie sehen den Vorplatz im Vergleich zu früheren Entwürfen eingeschrumpft. „Wir wollten einen größeren Platz an der Straße, nicht dass die Straße zum Platz gemacht wird“, sagte Timo Haug (CDU), der Chaos vorprogrammiert sieht.

Der Teufel liegt auch bei diesem Vorhaben im Detail

Auch die Parkplatzsituation bereitet den Christdemokraten Kummer. In der Tiefgarage, die unter dem Quartier entsteht, sind ihrer Rechnung nach zu wenige Stellplätze für Kirchenbesucher vorgesehen. Axel Alt von der SPD nahm eine Aussage Starks ins Visier, man werde beim Bau der Tiefgarage versuchen, alte Bäume auf dem ehemaligen Messeparkplatz P8 zu halten. „Warum wollen Sie es nur versuchen?“, fragte Alt. Vertretern aller Fraktionen missfällt derweil die Aufteilung der Häuser, konkret: den Plan, die Reihenhäuser als Riegel entlang der Straße Am Kochenhof zu platzieren. „Die Wolkenhäuser passen sich angenehm an die Landschaft an, aber der Streifen davor wirkt sehr steif“, sagte Christian Lohr (Grüne).

Ein besonderes Augenmerk wollen die Bezirksbeiräte auf die Vergabe von Einheiten für den geförderten Wohnungsbau und für Baugemeinschaften legen. Speziell bei letzteren hat das Vergabeverfahren am gegenüberliegenden Adolf-Fremd-Weg für nachhallenden Unmut gesorgt. „Die Stadt will aus den Erfahrungen dort lernen“, versprach Sabine Stark. Statt Grundstücke meistbietend zu vergeben, soll an der Roten Wand mehr darauf geachtet werden, dass Gestaltungswünsche berücksichtigt sind.

Keine Chancen räumte Stark dagegen dem Wunsch ein, in der geplanten Kindertagesstätte mehr als die 60 Plätze anzubieten, die das Jugendamt als Bedarf ermittelt hat. Daran änderte auch ein Hinweis der Elternbeiratsvorsitzenden der 2013 eröffneten ökumenischen Kita an der Stresemannstraße 9 nichts. Bei ihnen, berichtete Claudia Schober, stünden gerade mehr als 300 Familien auf der Warteliste.

Ausstellung
: Die Pläne zur Roten Wand liegen vom 23. Februar an im Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, Graf-Eberhard-Bau, Eberhardstraße 10, aus.

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