G-20-Gipfel sorgt für Ausnahmezustand Hamburg wird zu einer Festung

Das Sicherheitsaufgebot in Hamburg ist erdrückend, die Stimmung gereizt: die Hansestadt hat sich für den G-20-Gipfel in einen Inselstaat verwandelt, in den nur wenige rein- und wieder rauskommen.

Alles scharf im Blick: Spezialkräfte sichern die Hamburger Innenstadt. Foto: dpa
Alles scharf im Blick: Spezialkräfte sichern die Hamburger Innenstadt. Foto: dpa

Hamburg - Es ist einfach kein Hineinkommen mehr. In jeder Abbiegung Richtung Zentrum, die das Navi empfiehlt, steht ein Polizeifahrzeug. „Biegen Sie jetzt ab“, rät die freundliche Stimme – doch es geht nicht, ohne Ärger mit der Staatsgewalt zu bekommen. Kaum weniger freundlich rät der Beamte, doch bitte einen anderen Weg zu wählen, wo dieser entlangführen könnte, weiß der aus Nordrhein-Westfalen abgeordnete Polizist natürlich nicht. Schotten dicht in Hamburg.

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Die Stadt, die wegen ihres Freihafens und ihrer Offenheit als Veranstaltungsort für den G20-Gipfel in Zeiten der Abschottung ausgewählt worden ist, gleicht schon am Tag vor dem offiziellen Beginn einer Festung. Viele der Staats- und Regierungschefs, auch der Amerikaner Donald Trump, schweben zu ersten vorbereitenden Gesprächen mit Kanzlerin Angela Merkel ein. Dazu kommt, dass am späten Nachmittag die zentrale Demonstration der Linksautonomen beginnt, deren Verlauf die Gipfelstimmung in der Stadt prägen könnte. Und so bildet dieser Tag den eigentlichen Auftakt des Globalisierungsspektakels.

Überall die Mannschaftswagen der Polizei

Auf jeder Industriefreifläche, auf jedem Parkplatz, in jedem Hinterhof entlang der S-Bahn-Strecke zwischen den Stationen Sternschanze und Dammtor stehen Mannschaftswagen der Polizei. Hier liegt das Messegelände, mitten in der Stadt, zwischen den linken Szenevierteln und den noblen Adressen am Jungfernstieg und der Mönckebergstraße. Wie das so ist, wenn die Sicherheitskräfte großflächig anrücken, bekommt auch in Hamburg der eine oder andere Gesetzeshüter Allmachtsfantasien und weist schon mal brüllend Fußgänger zurecht, wenn diese bei Rot über eine Straße gehen – obwohl sie komplett für den Autoverkehr gesperrt ist.

Die Anwohner sind genervt. Vor allem vom Sirenengeheul und dem Hubschrauberlärm, das seit Tagen nicht enden will. „Da stehst du dann plötzlich nachts im Bett, wenn sie wieder tief fliegen“, meint der 65-jährige Günther. „Die Machtdemonstration“ der Polizei stinkt ihm. Die 38-jährige Nina neben ihm findet, es sei „ein Scheißgefühl, dass mir diese verdammten Politiker wie Trump und Putin jetzt so nahe kommen“.

In der Festung brwegt man sich frei

Die beiden sitzen auf einer kleinen Gartenmauer im Schanzenviertel und genießen mit einem Kaffee in der Hand die Sonne. Wer einmal drin ist in der Festung Hamburg oder ohnehin hier wohnt, kann sich an diesem Nachmittag ungewohnt frei bewegen. Die Cafés sind voll, nicht alle Geschäfte haben geschlossen, Hauptstraßen werden zu Fahrradwegen, und es gibt mehr Parkplätze als Fische auf dem Fischmarkt, weil viele Einwohner präventiv geflüchtet sind. „Der G20-Gipfel hat auch sein Positives“, sagt Pamela, die auf dem Bürgersteig eine E-Zigarette pafft und mit einem Freund „schnackt“, wie sie hier sagen. „Bisher ist alles ja ganz friedlich gelaufen“, meint sie zufrieden – und hat sogar ein Lob für die Polizei übrig, die sich am Vorabend beim großen „Lieber tanz ich als G20“-Rave am Hafen im Hintergrund gehalten hat.




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