In Garmisch-Partenkirchen sieht man beim G7-Gipfel weit mehr Polizisten als Demonstranten. Schon zum Münchner Protestzug kamen weit weniger als erwartet.

Garmisch-Partenkirchen ist an diesem ersten Tag des G7-Gipfels, bei dem sich die Staatschef der sieben größten westlichen Industrienationen versammeln, zu einer Polizeistadt geworden. Schon 20 Kilometer vor der Stadt sind auf der Autobahn Sperren errichtet – Autofahrer werden gefragt, warum sie wohin fahren möchten. Nach Österreich wird weiträumig umgeleitet. Nahezu an jeder Straßenecke steht ein Trupp Beamter. Unzählige Mannschaftswagen fahren durch die Straßen, sie kommen aus Bamberg, Nürnberg oder auch Göttingen. Insgesamt sind 18 000 Polizeibeamte im Einsatz, die Kosten belaufen sich auf 180 Millionen Euro.

Etwa 150 Kampierende an der Loisach

Doch der Widerstand der Gegner ist im Vergleich zum G7-Treffen vor sieben Jahren ganz offenkundig erlahmt. Das hatte sich schon am Samstag bei der Großdemonstration auf der Münchner Theresienwiese gezeigt: angemeldet waren 20 000, gekommen sind etwa 6000. Vor sieben Jahren waren es 35 000. Am Veranstaltungsort kampieren die Gipfelgegner an der Loisach. Eine Holzbrücke führt über den türkisfarbenen Fluss, auch hier ein Dutzend Polizisten. Etwa zwei Dutzend kleinere Zelte sind zu sehen, doch Journalisten will man am Eingang keine Auskunft geben, sie sollen auch nicht aufs Gelände. An einem Versorgungszelt ist ein Banner angebracht: „Den Kriegsprofiteur*innen das Handwerk legen.“ Die Rede ist von 150 Kampierenden, 750 waren angemeldet.

Noch bis zuletzt gab es kleine rechtliche Rangeleien mit den Ordnungsbehörden: Kurz vor Beginn wurden Hunde auf dem Gelände verboten. Die geforderten zehn mobilen Toiletten mussten die Gegner aber nicht beim Bahnhof, wo der Demo-Zug beginnt, aufstellen. Sechs Demonstranten wurden laut Polizeiangaben in München wegen Attacken auf Beamte verhaftet. Die Angriffe hätten sich demnach aus dem „Schwarzen Block heraus“ entwickelt. Weiter wird immer noch darüber gerungen, wie nah die gerichtlich festgelegten 50 Protestierenden bei einer Demonstration am Montag ans Schloss Elmau kommen dürfen. Und ob sie sich mit Polizeibussen hochfahren lassen müssen – manche Gegner sehen das als Zumutung an.

Der Gipfel passt nicht ins Weltbild

Beim Demonstrationszug in Garmisch-Partenkirchen sind viele junge Leute mit dabei, aber auch einige ältere Linke, die so etwas offenkundig schon seit Jahrzehnten machen. Auch hier dominiert die Polizei. Am lautesten sind die linksradikalen Gruppen, etwa der „Kommunistische Aufbau“, der das G7-Treffen als „Kriegskonferenz“ kritisiert. Auch die Linkspartei ist vertreten, Grüne und SPD fehlen. Offenkundig leidet die Bewegung darunter, dass Putins Kriegsimperialimus in der Ukraine nicht ins Weltbild passt. Ein älterer Herr will seinen Namen nicht verraten, hält aber nicht hinterm Berg: „Putin war immer offen und wollte verhandeln“, meint er. „Aber die Nato hat Russland in diesen Krieg gezwungen.“ Eine Frau sagt, die Nato betreibe „die aktive Vorbereitung eines dritten Weltkriegs“.

Die Bevölkerung in Garmisch-Partenkirchen scheint das alles nicht zu scheren. Wären nicht die Polizisten, wäre es ein gespenstisch leerer Sonntag in dem Ort. Michaela und Jürgen aus Nordrhein-Westfalen machen hier nebst Pudel gerade Urlaub. „Uns stört das eigentlich nicht groß“, sagt er. Sie haben sich für diesen Tag eine kleine Wanderung vorgenommen.