Wenn die Landesregierung in Baden-Württemberg zum neunjährigen Gymnasium zurückkehrt, ist das nicht nur eine tief greifende, sondern auch eine „hochgradig finanzrelevante“ Schulreform. Das hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann in dieser Woche erläutert und dabei, unter Berufung auf das Kultusministerium Zahlen genannt. Das Problem: Sie decken sich nicht mit den Berechnungen, die der Landesrechnungshof abends zuvor beim Bürgerforum zur Zukunft des Gymnasiums eingespeist hat. Dabei hat auch der Sachverständige Georg Walch sich ausdrücklich auf das Kultusministerium bezogen.
Kosten variieren je nach Modell
Natürlich sind die Kosten davon abhängig, wie das neunjährige Gymnasium ausgestaltet wird. Würde das Regelgymnasium flächendeckend nach dem Muster der bestehenden G9-Modellgymnasien mit zwölf zusätzlichen Unterrichtsstunden eingeführt, wären laut dem Rechnungshofsexperten Georg Walch 570 zusätzliche Deputate (Personalkosten: 48 Millionen Euro) notwendig. Orientierte man sich an Bayerns G9-Modell mit 18 zusätzlichen Unterrichtsstunden würden 900 Deputate und 76 Millionen Euro gebraucht. Die Rückkehr zum alten, bis 2004 bestehenden baden-württembergischen G9 würde laut seiner Berechnung dagegen 1368 zusätzliche Lehrerstellen und 115 Millionen Euro Personalaufwand bedeuten.
Für die Umsetzung des Volksantrags, der Wahlfreiheit zwischen dem acht- und neunjährigen Abitur vorschlägt, veranschlagt Walch unter Berufung auf Angaben des Kultusministeriums je nach Wahlverhalten der Schüler zwischen 1800 und 3166 Deputaten, was Personalkosten zwischen 151 und 266 Millionen Euro auslösen würde. Er taxierte den Personalbedarf und die Kosten damit deutlich höher als die Bürgerinitiative selbst, die von maximal 1400 Deputaten und Personalkosten von 112 Millionen Euro ausgegangen ist.
Die teuerste Schätzung
Bei der Landespressekonferenz bezifferte Kretschmann den Bedarf für die teuerste vom Kultusministerium errechnete Variante für die Umsetzung des Volksantrags auf 3400 Deputate bei Personalkosten von 308 Millionen Euro. Damit toppte der Regierungschef die höchste Schätzung des Rechnungshofs noch.
Anja Plesch-Krubner, eine der beiden Initiatorinnen des Volksantrags, ist verwundert über die von Kretschmann genannten hohen und von den Kalkulationen des Rechnungshofs abweichenden Kosten. „Außerdem können wir uns immer noch nicht erklären, warum ein G9 solch massive Schulhausbauten nötig machen würde“, ergänzt sie.