Gabriel Feltz dirigiert Gustav Mahler Alle Sinfonien in einer Box

Gabriel Feltz Foto: Magdalena Spinn/Magdalena Spinn

Über 15 Jahre hinweg hat der Dirigent Gabriel Feltz mit den Stuttgarter und Dortmunder Philharmonikern sämtliche Sinfonien von Gustav Mahler aufgenommen. Das Ergebnis ist ein Plädoyer für Live-Kultur.

Als Gast ist Gabriel Feltzim Herbst 2013, kurz nach seinem Abschied als Chefdirigent, noch einmal zu den Stuttgarter Philharmonikern zurückgekommen, um mit ihnen eines der beiden Werke aufzuführen, die ihm für seine Gesamtaufnahme aller Mahler-Sinfonien noch fehlten. Damals wirkte die Aufführung der neunten Sinfonie im Beethovensaal wie eine klingende Bilanz seines neunjährigen Wirkens in der Landeshauptstadt: Zu hören war ein gut ausbalanciertes, transparentes Orchester, das sensibel Spannungsbögen setzte und Übergänge formte, das zu feinen kammermusikalischen Momenten wie zu betörenden solistischen Leistungen fähig war.

 

Bei der CD-Box, die jetzt herausgekommen ist, spielen allerdings nicht die Stuttgarter das monumentale Werk. Sondern die Philharmoniker aus Dortmund, die Gabriel Feltz seit 2013 leitet. Sie sind auch für die Achte, die „Sinfonie der Tausend“, verantwortlich. Der Rest des Projekts kommt aus Stuttgart; die entsprechenden Aufnahmen entstanden zwischen 2007 (7. Sinfonie) und 2012 (1.), schließen auch das Fragment der Zehnten mit Adagio und Purgatorio in Ernst Kreneks Vervollständigung ein. Wirkungsvoll konfrontiert der Dirigent hier zerbrechlichstes Streicher-Filigran mit dem Schmerzensschrei des berühmten Neuntonakkords.

Feltz bezeichnet sich selbst als „Sachwalter Mahlers“

Man hört, dass zugehört wird. Sämtliche Aufnahmen der Box sind Live-Aufnahmen. Die Energie ist spürbar. Sie macht wett, was die Philharmoniker in Stuttgart und Dortmund von den ganz großen Orchestern unterscheiden mag: Mal klingt ein Bläserton ein wenig zu knallig, mal ist eine Streichergruppe nicht optimal gebündelt, mal kommt ein Übergang nicht ganz auf den Punkt. Im Gegenzug hört man eine Darbietung, die Kopf und Bauch gut ausbalanciert. In seinen bereichernden persönlichen Ausführungen zu den Sinfonien im Booklet bezeichnet Feltz sich selbst als „Sachwalter Mahlers“: „Zu viel Seelendrama wirkt sehr schnell aufgesetzt“, schreibt er, aber ein bisschen davon gibt es bei dieser im positiven Sinne kapellmeisterlichen Einspielung doch. Wagner und Walzer, Welt und Wehmut: In dieser tontechnisch exzellent eingefangenen Gesamtaufnahme ist alles drin.

Mahler: The complete Symphonies. Stuttgarter Philharmoniker, Dortmunder Philharmoniker, Gabriel Feltz. Dreyer Gaido/Note 1. (14 CDs/SACDs)

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