Gabriel Wittner legt als DJ auf großen Bühnen auf. Foto: vibs.media
Gabriel Wittner steht seit Jahren als DJ auf der Bühne, seit 2025 macht er unter einem Alias auch Pop-Musik mit persönlichen Texten. Warum er nach mehr Tiefgang in der Musik sucht.
Sommer und Winter – zwei Gegensätze, die der Musiker Gabriel Wittner aus Remseck am Neckar vereint. Als DJ und Producer bringt er seit Jahren die Menschen in Clubs und auf Festivals zum Tanzen. „Diese Seite meiner Musik ist laut, Party und Leben, wie der Sommer“, schildert der 26-Jährige. Auf der anderen Seite steht der Winter – Gabriel Winter, das Pop-Alias, unter dem der Musiker seit 2025 Deutschpop mit tiefgründigen Texten veröffentlicht. Den Künstlernamen hat er von der Jahreszeit abgeleitet. „Winter beschreibt fast schon einen Zustand, man zieht sich eher zurück und schaut nach innen“, erläutert er.
Im Januar ist nun sein erstes deutschsprachiges Album „Wolke 3“ unter dem Namen Gabriel Winter erschienen. Kurz darauf folgte eine Remix-EP, in der er seine beiden Musikstile zusammenführt: House- und Techno-Beats unterlegen die deutschen Texte. Doch wie kam der 26-Jährige zu seinem musikalischen Doppelleben?
Schon als Kind träumt Gabriel Wittner davon, Musiker zu werden. Er spielt Ukulele und Gitarre und schreibt Songs. Mit 18 Jahren beginnt er als DJ und landet schließlich von null auf hundert auf der großen Bühne: Er gewinnt zusammen mit einem Freund einen DJ-Contest in Stuttgart und darf schließlich im früheren Club Marquardts auflegen.
Mittlerweile ist Gabriel Wittner das Rampenlicht gewöhnt, er spielte als DJ unter anderem auf dem Festival Ferdinands Feld und war Warmup-Act für Paul Kalkbrenner beim KSK Music Open in Ludwigsburg. Nebenbei studierte der 26-Jährige.
Gabriel Wittner auf der Bühne in Ludwigsburg. Foto: vibs.media
Anfangs habe er vor allem House-Musik gespielt, mittlerweile gehe er mehr in Richtung Techno, erzählt Wittner. Neben Mashups und Remixen produziert er auch eigene Songs, mit Texten, die er selbst schreibt. Was seinen Sound ausmacht: „Ich versuche immer tief zu gehen und in meinen Songs eine Message mitzugeben. In meinen Tracks als DJ ist diese eher versteckt in der Party-Musik“, so Wittner.
„Habe immer das Gefühl, ich jage etwas hinterher“
Seine elektronischen Beats kommen an: Manche seiner Tracks wurden auf Spotify millionenfach gestreamt. Auf seinen Erfolg als DJ und Producer ist Gabriel Wittner sehr stolz. „Aber das hat immer zwei Seiten. Es macht einen glücklich, aber erfüllter ist man deswegen nicht“, schildert der 26-Jährige. „Ich habe immer das Gefühl, ich jage etwas hinterher.“ Man verliere sich schnell in den Erwartungen von außen und laufe Gefahr, dem Hype hinterher zu rennen und nur das zu machen, was die Leute hören wollen. „Reichweite, Viralität und die großen Bühnen sind zum einen ein Sprungbrett. Aber zum anderen verbrennt man sich auch leicht daran.“
Aus diesem Gefühl und dem Wunsch nach mehr Tiefgang ist Wittners Pop-Alias Gabriel Winter entstanden. „Ich wollte wieder ein bisschen weg von den äußeren Erwartungen und mehr nach innen schauen. Mich darauf besinnen, warum ich eigentlich Musik mache.“
Liebe, Leben und alles dazwischen
In seinen Songs, die der Remsecker als Gabriel Winter schreibt und singt, geht es um große Themen: Die Liebe, das Leben und alles, was dazwischen liegt. Auf seinem ersten Pop-Album findet sich etwa neben Heartbreak-Songs auch ein Lied über die Gefahr, sich in Social Media zu verlieren. Als Gabriel Winter erlaube er sich, direkter und echter zu sein, als in der Musik, die er als DJ macht, erzählt Wittner. Seine Texte schreibt er aus eigenen Erfahrungen und macht sich damit auch bewusst verletzlich. „Wenn du Leute berühren willst, musst du selbst aufmachen.“
Der 26-Jährige versucht, zwischen seinen beiden musikalischen Welten auch Brücken zu bauen. Etwa mit der aktuellen Remix-EP, in der er seine deutschen Texte mit clubtauglichen Beats unterlegte. „Ich hatte Bock, meine deutschen Songs auch in meinen DJ-Sets zu spielen. Aber ich wusste, dass sie zu anders sind als das, was ich sonst live spiele“, erklärt er. Ganz verschmelzen will der Remsecker seine beiden Künstlerprofile aber nicht, sie sollen erst einmal getrennt bleiben.
Hat sein Pop-Alias Gabriel Winter Einfluss auf seine Arbeit als DJ? „Durch das Winter-Projekt habe ich nochmal mehr hinterfragt, wofür ich stehen möchte“, schildert Wittner. „Und ich will eher für die Verbindung stehen und für das, was Musik im Kern sein soll. Ich will nicht austauschbar sein, sondern mehr Künstler.“