Gänse auf der Tartanbahn Das blaue Wunder von Karlsruhe

Von Stefan Jehle 

Seit der Sportcampus im Hardtwald eine neue Tartanbahn hat, kommen regelmäßig Besucher aus der Luft: Fluggänse halten die blaue Oberfläche vermutlich für ein Gewässer.

Sportler begegnen beim Training hin und wieder gefiederten Kollegen im Watschelgang. Foto: Breig
Sportler begegnen beim Training hin und wieder gefiederten Kollegen im Watschelgang. Foto: Breig

Karlsruhe - Eine Tartanbahn wird in der Leichtathletik vor allem für Lauf- und Sprungwettbewerbe genutzt. Sie besteht aus einer Kautschukmischung, der angerauten Oberfläche wird rote Farbe beigemischt. Am Sport-Campus des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) erlebt man mit dem vor drei Jahren neu angelegten Hochschulstadion dagegen ein „blaues Wunder“: Gänse zählen regelmäßig zu den Besuchern.

Man stelle sich einen Überlandflug vor: Alles ist Grün unten auf der Erde. Plötzlich taucht die Farbe Blau auf. Das muss ein Gewässer sein, so dürfte zumindest die Vogelperspektive sein. Denn mitten im Karlsruher Hardtwald schimmert es blau, seit sich dort eine – in Blau angelegte – Tartanbahn befindet. Seither haben die Sportstudenten Konkurrenz bekommen, von Wasservögeln, die regelmäßig angeflogen kommen.

Schon 2012 brachte der Sportwissenschaftler Alexander Woll den Bau einer neuen Tartanbahn im Hardtwald ins Gespräch. Zwei Jahre später wurde der Plan umgesetzt. Die zuvor genutzte, am Ende fast 50 Jahre alte „rote Aschenbahn“ – wie man von Tennisplätzen spricht – sei allein aufgrund der Nutzungsdauer „überfällig“, so Woll. Seine Präferenz bei der Gestaltung einer neuen Tartanbahn galt der Farbe Blau. Sein Vorbild sei „die blaue Laufbahn im Berliner Olympiastadion“ gewesen. Er wollte eine „schnellere Bahn mit besseren biodynamischen Laufeigenschaften“.

Die Farbe Blau bildet nun seit drei Jahren einen harten Kontrast zum Grün der Umgebung. Mindestens fünf-, sechsmal im Monat „landen“ darauf Gänse aufgrund der optischen Illusion, so Woll. Sportstudenten und Mitarbeiter des Instituts würden die Wasservögel regelmäßig beim „Watschelgang“ auf der Bahn antreffen. Für die Gänse sehe das wohl von oben aus „wie ein Teich“, so Woll – was nicht ungefährlich ist: Da könne es schon mal „zu einem harten Aufschlag“ auf unerwartetem Untergrund kommen. Es habe aber zum Glück noch keine Unfälle oder gar Todesfälle gegeben. „Die sind alle wieder gut gestartet“, sagt der Professor mit einem Lachen.

Trotz allem ist Woll mit dem blau-grünen Sportgelände hochzufrieden. Zuvor habe sein Institut in einem weit abgelegenen Stadion Prüfungen abnehmen müssen, weil nur dort die Rahmenbedingungen vorlagen. Mit der neuen Bahn, die den Einsatz mobiler Kraftmessplatten vorsieht, „können wir jetzt auch Forschung betreiben in Sachen Leichtathletik“, so Woll. Und in Sachen Farbwahrnehmung von Gänsen.