Gärten in Ludwigsburg Ein Garten mit Kunst, Wasser und Feuer

Auf der Bank, die ihm Mitarbeiter geschenkt haben, sitzt Gerhard Rall gerne. Foto: Simon Granville

Der Unternehmer Gerhard Rall hat sich in Marbach ein Kleinod mit einer dichten Atmosphäre und einer Struktur geschaffen. In dem Garten bilden Kunst und Natur eine sehenswerte Einheit.

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

Marbach - Er ist ein Macher. Ein Visionär. Ein Vordenker. Vor mehr als 60 Jahren stieg Gerhard Rall in den Familienbetrieb seiner Frau ein und führte Hainbuch zu einem erfolgreichen Unternehmen mit Tochterfirmen auf der ganzen Welt. Zeit für Muße blieb wenig. Und doch sind Gerhard Rall die Kunst und sein Garten immer wichtig gewesen. Beides bildet eine Symbiose, die nicht nur schön anzuschauen ist, sondern dem Marbacher Unternehmer auch Ruhe und Erholung schenkt.

 

Wirklich genießen kann Gerhard Rall seinen Garten, seitdem er im Betrieb etwas leiser tritt und Sylvia Rall das Ruder überlassen hat. Im Jahr 2011 wurde die Tochter die kaufmännische Geschäftsführerin des Spannmittel-Herstellers. Der Vater steht ihr als Berater weiterhin zur Seite.

Krautland in eine Oase verwandelt

Seit 41 Jahren wohnen Hildegard und Gerhard Rall in ihrem Haus im Kirchenweinberg. Ein hübsches Fleckchen Erde am Marbacher Stadtrand. Im Jahr 1995 kaufte der inzwischen 80-Jährige das sieben Ar große Nachbargrundstück dazu. Ein „Krautland mit Baumbestand“ sei es gewesen, erzählt der Hausherr beim Rundgang durchs prächtige Grün. Die Aufgabe an die Gartengestalter war klar formuliert: Beide Flächen, neu und alt, müssen eine Einheit bilden. Entstehen soll ein Garten mit Atmosphäre.

Jahrzehnte später ist klar: Die Aufgabe wurde gelöst. Wer den Rall’schen Garten betritt, taucht in eine ganz eigene Welt ein. Eine, die Kunst, Natur, Feuer und Wasser verbindet. Eine, die Struktur sichtbar werden lässt – ohne Korsett. „Die Natur ist ein großartiger Künstler“, sagt Gerhard Rall und deutet auf einen Farn, der sich, so als gäbe es keinen besseren Platz für ihn, aus einer Mauerritze schiebt. „Ihm macht keiner den Platz streitig an der Stelle“, sagt Gerhard Rall und schmunzelt.

Hortensien, Rosen und Buchs

Ungewöhnlich sind die schweren Seemannstaue, die sich wie ein Zeltdach über einen Teil des Gartens spannen. Extra aus Hamburg hat Gerhard Rall sie anliefern lassen. An ihnen entlang schlängeln sich die Blätter einer Glyzinie. Ein paar Meter weiter bedecken riesige Hortensienbüsche einen kleinen Hang. Die Familie liebt die sommergrünen Blütensträucher ebenso wie Rosen und Buchs. Drei Pflanzenarten, die sich im Garten an unterschiedlichen Stellen finden. Ebenso wie Kunstwerke aus Holz und Sandstein. Einige sind gekauft, viele sind aber auch selbst erschaffen.

Stein als Gestaltungselement

Der Stein ist für Gerhard Rall ein wichtiges Gestaltungselement. Das sieht man an den Skulpturen, aber auch an den Mauern, die in den unterschiedlichen Bereichen des Gartens immer wieder Akzente setzen. Zum Beispiel in der romantischen Mörike-Ecke. Als ein Patrizierhaus abgebrochen wurde, sicherte sich der Unternehmer 35 Tonnen Sandstein.

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Im Halbrund aufeinandergesetzt und von Efeu bewachsen sind die Steine nicht nur ein Blickfang, sondern auch ein Rückzugsort. „Ich war schon immer von Mauern fasziniert. Für mich sieht ein Berg mit einer Ruine einfach besser aus als ohne“, erzählt der Marbacher, der sich selbst als Oberromantiker outet. Deshalb war auch schnell klar, dass Eduard Mörike, der 1804 in Ludwigsburg geboren wurde und als einer der bedeutendsten Lyriker zwischen Romantik und Realismus gilt, der Namensgeber für dieses Fleckchen Garten sein würde.

Eisenbahngleise sind zugewachsen

Wer sich auf des Dichters Mauer niederlässt, dessen Blick fällt auf einen Teich, der so etwas wie das Herz des Gartens ist. Über den Teich, in dem sich Fische tummeln und der an einer Stelle dicht mit Seerosen bewachsen ist, führt eine Brücke. Sie ist Teil eines Gleiskonstrukts, das um das Gewässer herumführt. „Als die Enkel klein waren, haben sie hier mit der Eisenbahn gespielt“, erinnert sich der Großvater. Die letzte Fahrt liegt aber schon lange zurück. Inzwischen sind die Gleise stellenweise zugewachsen. Die Brücke, die das eine Ufer mit dem anderen verbindet, haben Auszubildende der Firma Hainbuch aus 1010 Einzelteilen gefertigt, erzählt Gerhard Rall stolz.

Eine Bank am Teich

Auch der Lieblingsplatz des Hausherrn ist eng mit seinem Unternehmen verbunden. Die Holzbank am Rande des Teichs haben ihm die Mitarbeiter zum 80. Geburtstag geschenkt. Lächelnd nimmt der Seniorchef auf ihr Platz und schaut übers Wasser hinüber zum Nachbarhaus, in dem Tochter Sylvia wohnt. Das Plätschern des Wasserlaufs ist wie Musik in den Ohren des 80-Jährigen. „Hier kann ich wunderbar zur Ruhe finden.“

Gleich vier Feuerstellen

Zufrieden lässt er den Blick über seine Garten-Oase schweifen, freut sich über die gelben Sumpfdotterblumen, die im September normalerweise nicht mehr blühen und erzählt von den Fröschen im Teich. Neben dem Wasser hat es ihm das Element Feuer angetan. Gleich vier Feuerstellen finden sich im Garten. Sie werden längst nicht nur zum Grillen mit der Familie genutzt. Gerhard Rall liebt das vermeintlich sinnlose Spiel der Flammen. Wohl dem, der sich das Kind im Manne erhalten kann.

Am Dienstag geht es um Vögel, Insekten und anderes Getier im Garten.

Was der Profi rät

Experte
 Volker Kugel ist seit 24 Jahren Direktor des Blühenden Barocks in Ludwigsburg. Der 62-Jährige ist Baumschulgärtner und hat an der Fachhochschule im bayrischen Weihenstephan Gartenbau studiert. An dieser Stelle gibt der Gartenexperte Tipps.

Rosen
 Die Rose gilt als „Königin der Blumen“. Prinzipiell sind Gartenrosen sehr pflegeleichte Pflanzen, die – wenn sie einmal eingewurzelt sind – Hitze und Trockenheit locker vertragen und nicht mehr gegossen werden müssen. Der Rückschnitt Anfang März, die Düngung mit 50 bis 60 Gramm pro Quadratmeter organisch-mineralischem Voll-Dünger Mitte/Ende März und dann der Rückschnitt nach der ersten Blüte Anfang/Mitte Juli, sind die einzigen Pflegemaßnahmen, die dann für Blütenpracht sorgen.

Krankheiten
 Bei Pilzkrankheiten wie Sternrußtau, Rost und Mehltau ist rechtzeitiges Handeln gefragt, gerade beim Sternrußtau, dem heftigsten Schadpilz der Rosen. Von unten her bekommen die Blätter erst gelbe Flecken, die später schwarz werden, das Blatt fällt später ab, und Ende August hat die Pflanze keine gesunden Blätter mehr. Hier muss vorbeugende Pflanzenstärkung angewandt werden, mit Brühe aus Schachtelhalm oder Brennnessel. Ab Ende Mai alle zwei Wochen gespritzt schützt das sehr gut vor dem Sternrußtau, das heißt aber 15- bis 18-mal muss biologisch gespritzt werden. Mit zugelassenen Fungiziden, die vier bis fünf mal gespritzt werden, lässt sich der Sternrußtau ebenfalls sehr gut in den Griff bekommen. Fazit: ungetrübte Blütenpracht bei Beet- und Edelrosen ist mit etwas Pflegeaufwand verbunden.

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