Gärten in Ludwigsburg Ein Garten tut Körper und Seele gut
Die Natur ist Medizin für uns Menschen – das belegen umweltpsychologische Studien. An der Gestaltung eines Gartens lassen sich zudem Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Besitzers ziehen.
Die Natur ist Medizin für uns Menschen – das belegen umweltpsychologische Studien. An der Gestaltung eines Gartens lassen sich zudem Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Besitzers ziehen.
Ludwigsburg - Der eigene Garten ist für viele Menschen ein Rückzugsort. Ein Ort, an dem sie sich eine Auszeit vom hektischen, durchgetakteten Alltag nehmen und ganz bewusst eintauchen in das Farbenspiel der Natur und in den Rhythmus der Jahreszeiten. Ein Ort, an dem sie ihrer oftmals geplagten Seele Gutes tun.
Die Natur offeriert uns Erholung, Schönheit und Nahrung. Und sie kann ganz nebenbei auch den Besuch im Fitnessstudio ersetzen. Denn beim Gärtnern sind nicht nur Ausdauer, sondern auch Muskelkraft gefragt. Der positive Effekt auf die körperliche Gesundheit ist unumstritten.
Die Natur wirkt wie Medizin auf unseren Körper, das belegen umweltpsychologische Studien. Blutdruck und Puls sinken, auch der Cortisolgehalt im Blut wird reduziert – also jenes Hormon, das in der Nebennierenrinde produziert wird und neben Adrenalin das bekannteste Stresshormon ist.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Der Garten war ihre Rettung
Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist mindestens ebenso wichtig: Auch unsere Seele gesundet durch die Arbeit in der Natur. Allein der Anblick von grünen Parks, Beeten oder Bäumen am Straßenrand senkt den Stresslevel, sagt der Berliner Psychiater und Stressforscher Mazda Adli. „Bei Gartenarbeit kommt noch ein zusätzlicher psychologischer Effekt dazu: Man schafft mit den Händen ein sichtbares Werk, ein Erfolgserlebnis. Das sorgt für Selbstwirksamkeitserleben, was positive Emotionen stimuliert und uns mit Stress besser umgehen lässt.“
„Das Sein in der Natur, in einem Garten – also einer gestalteten Natur – ist ein Ausgleich. Es löst Anspannung, lenkt vom Alltag ab und lässt uns in Kontakt kommen mit positiver Energie. Mit Kraft und Lebendigkeit“, weiß auch die Ludwigsburger Diplom-Psychologin Andrea Merten. Wer ihre Praxis in Ludwigsburg betritt, dem fallen gleich die vielen Naturbilder an den Wänden ins Auge. „Ich benutze sie oft und gerne, um Ressourcen zu schaffen und Gegenentwürfe entstehen zu lassen zu den oft negativen Bildern, die meine Patienten mit sich herumtragen.“
Um den wohltuenden, heilenden Effekt zu nutzen, bedarf es jedoch ein sich Einlassen auf den Moment. Das Zauberwort heißt Achtsamkeit. „Wenn wir unseren Alltag mit Belastungen zurück lassen können und wirklich im Hier und Jetzt ankommen, indem wir bewusst, riechen, fühlen, hören, sehen, dann ist im Garten und in der Natur sein eine wirklich gute und bereichernde Erfahrung. Sich da darauf einzulassen ist nicht selbstverständlich und fällt vielen schwer – es kann aber geübt werden“, erklärt Andrea Merten.
Für viele – das gehört mit zur Wahrheit – bedeutet Garten aber auch Stress. „Wenn ich einen inneren Antreiber oder vielleicht ja auch einen Nachbarn habe, der mir sagt oder indirekt vor Augen führt, was noch zu tun ist, wo noch ein Unkraut herausgemacht oder eine Hecke geschnitten werden muss, dann kann das stressig sein“, weiß sie. „Wenn es ein Muss ist, dann ist es Stress. Wenn es ein Kann ist, dann ist es gut“, lautet die Formel.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Glückliche Hühner im eigenen Garten
Zeig mir deinen Garten und ich sag dir wer du bist oder zumindest, mit welcher inneren Haltung du durchs Leben gehst. Ein Satz, der den Nagel auf den Kopf trifft. Es gebe, erzählt Andrea Merten, unterschiedliche Gartentypen. „Menschen drücken durch die Gestaltung ihres Gartens etwas aus.“ Die, bei denen jede Kante akkurat verläuft und das blühende Grün einer Ordnung folgt, brauchen auch im Alltag eine Struktur und einen klaren Rahmen, der ihnen Halt gibt.
Volker Kugel, der Chef des Blühenden Barocks, würde sich selbst wohl nicht in diese Kategorie einordnen. Und doch investiert er viel Zeit in die Pflege seines privaten etwa 470 Quadratmeter großen Gartens. Einen Garten zu haben, erfordere viel Aufmerksamkeit und eine gewisse Disziplin, erzählt er beim sonntäglichen Plausch. Im Juni seien seine Frau und er eine Woche im Urlaub gewesen. Die Tomaten haben die Freiheit ausgenutzt. „Denen musste ich erst einmal wieder zeigen, wer der Chef ist und in welche Richtung gewachsen wird.“
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Ein kleines Paradies im Kreis Esslingen
Die Arbeit im Garten ist für den Blüba-Chef ein Ausgleich für Körper und Geist. „Wenn ich eine Stunde schaff und zum Beispiel die Hecke schneide, dann sehe ich, was ich geleistet hab. Das sind wichtige Erfolgserlebnisse und wenn ich die hab, dann kann ich auch mal einfach genießen“, sagt Kugel und zitiert aus dem Buch „Der Garten von Hermann Hesse“. Die Autorin Eva Eberwein erzählt darin nicht nur „Von der Wiederentdeckung einer verlorenen Welt“, sondern verführt ihre Leser zu eine Selbstfindungsreise, in der Hesses Haus und Garten eine große Rolle spielen.
„Im übrigen bin ich, nicht ungern, der Sklave meines Gartens, wo ich samt meiner Frau fast jede freie Minute arbeite. Es macht mich sehr müd und ist etwas zuviel, aber mitten in alledem, was die Menschen heut tun, fühlen, denken und schwatzen, ist es das Klügste und Wohltuendste, was man tun kann“, sagt Hesse über seinen Garten in Gaienhofen auf der Halbinsel Höri, der noch immer besichtig werden kann.
Am Dienstag lesen Sie, wie man einen sogenannten vertikalen Garten anlegt.
Geschichte der Gärten
Ursprung
Die ersten Gärten entstanden in Persien. In der Literatur wird vom König Kyros II dem Großen vor etwa 2500 Jahren berichtet. In jedem seiner Paläste hatte er sich einen Garten (altpersisch Paradaidha als „Paradies“) als einen Ort der inneren Einkehr und der Privatheit einrichten lassen. Die Gärten waren aber auch Symbole der Macht.
Wissenschaft
Wie wirkt die Natur auf unsere Psyche? Seit Jahrzehnten gehen Wissenschaftler der Frage nach. Das Ergebnis: Die Natur tut uns gut. Sogar ein Bild oder ein Video mit Naturszenen wirkt positiv. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf schickte Probanden auf ein Laufband. Nur ein Teil durfte sich während des Gehens ein Naturvideo anschauen. Den Probanden, die das Naturvideo gesehen hatten, ging es in fünf Punkten einer normierten Wohlfühlskala besser: Sie fühlten sich ruhiger, gleichzeitig nahmen sowohl Deprimiertheit als auch Erregtheit, Ärger und Energielosigkeit ab. Die Probanden ohne Naturvideo waren nach dem Gehen einzig weniger deprimiert.