Im April hatte die die Gemeinde Gärtringen zum Spatenstich der Ludwig-Uhland-Halle geladen. Foto: Käthe Ruess
Obwohl der Gemeinde Gärtringen immer mehr Geld fehlt, arbeitet sie weiter daran, die Hallen zu sanieren. Für die Schwarzwaldhalle gibt es jetzt ein erstes Konzept.
Am Ende der Haushaltsberatungen in Gärtringen am Dienstag zeichnete sich eines ab: Die Kommune muss weiterhin viel Geld in die seine Hallen stecken. Nachdem die Ludwig-Uhland-Halle nur noch ein Jahr bis zu Ihrer Einweihung brauchen wird, kündigt sich bereits ein weiterer Kandidat zur Sanierung an.
Es ist die Schwarzwaldhalle, die 1975 gebaut wurde und die als unersetzlicher Bestandteil des Gemeinschaftslebens von Gärtringen gilt. Sie wird von Vereinen zum Übungsbetrieb und für Turniere ebenso genutzt wie für gesellige Veranstaltungen.
Ein ehrgeiziger Plan: So soll die Ortsmitte von Gärtringen einmal aussehen. Mit der neuen Ludwig-Uhland-Halle (oben), dem neuen Rathaus (rechts) und einem Wohn -und Geschäfttshaus (links) Foto: Gärtringen
Matthias Bock, der als stellvertretender Bürgermeister die Sitzung leitete, machte klar, dass die 50 Jahre alte Schwarzwaldhalle dringend eine Grundsanierung brauche. Zwar hatten die Handwerker schon im Jahr 2008 an der Halle gebaut, aber damals sei das eine Notreparatur gewesen, weil es durch das Dach geregnet hatte. Gleichzeitig war die Halle energetisch ertüchtigt worden.
Das Gebäude ist, so außergewöhnlich es heutzutage klingt, eine Gemeinschaftsleistung der Gärtinger Vereine, die damals in einer Arbeitsgemeinschaft organisiert waren. Der Bau wurde in Eigenleistung begonnen, ehrenamtliche Kräfte erbrachten viele Arbeitsstunden, Firmen stellten Materialien und Bauleistungen teilweise kostenlos zur Verfügung.
Es geht um Fördergelder
In einem ersten Schritt hat die Gemeinde das Bauprogramm für die Schwarzwaldhalle zusammengefasst: Eine moderne energetische Sanierung einerseits, andererseits einen barrierefreien Haupteingang, sowie einen Anbau mit Küche und Lagerräumen. Außerdem sollen die Fluchttreppen an der Nordseite neu gebaut werden, und es müssen generell etliche Anforderungen an den Brandschutz erfüllt werden.
Das Projekt, das seine Zustimmung im Gemeinderat fand, hat noch keinen Zeitplan, denn jetzt geht es darum, mit diesem Sanierungskonzept an Fördergelder zu kommen, die immerhin rund 45 Prozent der Gesamtsumme ausmachten könnten. Die CDU drängte darauf, in die Konzeptstudie alle Akteure einzubinden, die Freien Wähler betonten, wie wichtig es sei, jetzt einen Startschuss zu setzen und die SPD machte den Rat darauf aufmerksam, dass es in Gärtringen noch weitere Hallen gebe, die man renovieren müsse – „eine nach der anderen“, sagte daraufhin Matthias Bock.
Nicht auf Rosen gebettet, sondern auf Dornen
Diese Sanierungswünsche fallen in eine Zeit, in der die Gemeinde ohnehin nicht auf Rosenblüten gebettet ist, sondern eher auf den Dornen.
Das konnte man jedenfalls dem Vortrag des Kämmerers Jochen Stiehl entnehmen, als es um die Verabschiedung des Gärtringer Haushalts 2026 ging. Die Gewerbesteuer ist in Gärtringen um 1,9 Millionen Euro eingebrochen, damit war ein ausgeglichener Haushalt nicht mehr zu machen. Im Einzelnen heißt das, dass die Gemeinde ihre mittelfristigen Finanzplanung von 8,5 Millionen Euro für das Jahr 2026 auf 7 Millionen Euro absenken musste.
Die Gemeinde rutscht ins Minus
Weil zudem die Personalaufwendungen um 200 000 Euro angestiegen sind, und die Kommune via Kreislumlage an den Landkreis Böblingen etwa 580 000 Euro überweisen muss, entsteht für das kommenden Haushaltsjahr ein Minus von 2,5 Millionen Euro. Und auch das wertet der Kämmerer Jochen Stiehl schon als Erfolg, weil das Minus nach der ursprünglichen Rechnung rund 3,6 Millionen Euro betragen hätte, wenn die Kommune nicht zuvor schon auf Sparkurs gegangen wäre. Seine klare Aussage ist: „Die Kreisumlage erdrückt uns. Wir können das nicht mehr stemmen.“
Nach der Logik aller Haushalte muss die Gemeinde also weiterhin die Ausgaben senken und die Einnahmen erhöhen. Klar ist jetzt schon: Am 1. Januar 2027 wird die Gemeinde die Grundsteuer B erhöhen. Zwar gibt es da noch das Sondervermögen vom Bund, das auch die Kommunen entlasten soll, aber diese 7,6 Millionen Euro werden dazu benutzt, um weniger Kredite aufzunehmen. Der Haushalt wurde einstimmig beschlossen.
Die Gemeinde siedelt weiter Gewerbe an
Traditionell wurde diese letzte Sitzung vor Silvester mit einem Rückblick auf die vergangenen Projekte der Gemeinde beendet, den diesmal Matthias Bock unternahm. Die zwei Wichtigsten waren der rasante Bau der Ludwig-Uhland- Halle und die Sanierung des Freibads. Er lobte die Arbeit des krankheitshalber fehlenden Bürgermeisters Thomas Riesch: „Er schlägt Nägel rein, die keiner so schnell mehr rauszieht“, und man merkte ihm den Stolz auf seine Heimatgemeinde an, die trotz aller Haushaltsschwierigkeiten weiterhin Gewerbe ansiedelt und den Ortskern baulich entwickelt.
Das Geld wird knapp
Gewerbesteuer In der Industrieregion Stuttgart sind die Kommunen vor allem von der Gewerbesteuer abhängig. Durch die schlechte wirtschaftliche Entwicklung in den letzten vier Jahren sind die Einnahmen aus der Gewerbesteuer gesunken.
Kreisumlage Mit diesem Geld finanziert der Landkreis seine Projekte wie etwa Straßenbau oder den Bau neuer Kreiskliniken. Die Höhe dieser Umlage wird vom Kreistag beschlossen.