Gärtringen Kreis Böblingen Pia möchte laufen lernen

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Ein Ehepaar sammelt Spenden für seine zwei Jahre alte Tochter, damit sie in den USA operiert werden kann. Das Kind hat eine Störung des Gehirns und der Bewegungsabläufe.

Jamie und Roland Müller freuen sich über die Malkünste ihrer Tochter. Foto: factum/Bach
Jamie und Roland Müller freuen sich über die Malkünste ihrer Tochter. Foto: factum/Bach

Gärtringen - Pia Müller kniet vor einem quadratischen Pappkarton. Die Zweijährige malt mit einem schwarzen Stift große Kreise auf die weiße Oberfläche. „Gib mir bitte einen Blauen“, sagt Pia zu ihrer Mutter. Pias Tun sieht ganz normal aus – doch nach ihrer Geburt war bei ihr ein Gehirnschaden festgestellt worden. Die Eltern, Jamie und Roland Müller, waren geschockt. Für sie brach eine Welt zusammen. Inzwischen setzen sie alle Hebel in Bewegung, um ihrer Tochter zu helfen.

Placenta des Zwillingsbruders hielt nicht mehr

Es war am 27. Dezember vor knapp drei Jahren. Roland Müller und seine Frau Jamie erfuhren in der Universitätsklinik Tübingen stückchenweise, was ihre Tochter hat. Nach der Diagnose Gehirnschaden sei es konkreter geworden, so der 46-Jährige, der mit der Familie in Gärtringen lebt. Bei Pia wurde eine periventrikuläre Leukomalazie festgestellt. Die Auswirkungen würden erst später zu Tage treten, habe es geheißen. „Eine seriöse Einschätzung ist noch nicht möglich, sagten die Tübinger Ärzte uns“, so Roland Müller. Diese könne erst getroffen werden, wenn die ersten Folgen einer Zerebralparese bemerkbar seien. Wenn Pia nicht gehen und nicht alleine essen könne und vielleicht auch in ihrer Wahrnehmung und in ihren Äußerungen eingeschränkt sei. Darunter könnten früh geborene Kinder mit einer solchen Krankheit leiden.

In der 24. Schwangerschaftswoche hatte der Frauenarzt Jamie Müller ins Krankenhaus nach Tübingen geschickt. „Ihr Gebärmutterhals war verkürzt“, sagt Roland Müller. Seine Frau erwartete Zwillinge. Zwei Wochen später hielt die Placenta des Sohnes Felix nicht mehr. In der 30. Woche, am 25. November 2015 , erblickten die beiden per Kaiserschnitt das Licht der Welt. Felix habe 925 Gramm, Pia 1295 Gramm gewogen. „Zuerst war Felix unser Sorgenkind. Er konnte nicht richtig atmen, sein Herzschlag hat ausgesetzt“, sagt der Vater. Heute geht es Felix gut. Er tollt in der Wohnung der Müllers herum, während Pia noch nicht laufen und ihren rechten Arm nicht richtig bewegen kann. Alleine essen kann sie aber.

Vater: Kliniken lehnen Operation zum jetzigen Zeitpunkt ab

Die Müllers suchten das Kinderzentrum in Maulbronn auf, wo Pia eine Intensivtherapie erhielt. Zurzeit wird sie drei Mal pro Woche therapeutisch betreut und geht in einen Kindergarten. In Maulbronn erfuhr die Familie von einer möglichen Operation. „Dabei werden die Nerven, die die Spastiken verursachen, durchschnitten“, erklärt Roland Müller. Es dürften aber auch nicht zu viele durchtrennt werden, sonst würden Lähmungen entstehen.

An den Kliniken in Heidelberg, Bonn und auch in Tübingen werde ein solcher Eingriff zum jetzigen Zeitpunkt abgelehnt, sagt der 46 Jahre alte Ingenieur für Versorgungstechnik mit Gas und Wasser. Er unterhält mit seiner Frau, die aus den USA stammt und Volkswirtschaft und Deutsch als Fremdsprache studierte, zu Hause ein Büro für Unternehmensberatung und internationale Führungskräfteschulung.

Rund 25 000 Euro fehlen noch

Die beiden erfuhren dann von einem Arzt in den USA, dass er Pia operieren könne. Der Termin soll im November nächsten Jahres sein. Die Familie möchte nicht warten, bis sich die Beine des Mädchens verhärten und sich die Motorik verschlechtert. Die private Versicherung bezahle eine solche Operation im Ausland wohl nicht, meint Müller. Deshalb sammelt die Familie Spenden, zusammen mit dem Gärtringer Karl Paul, der auch in anderen Krankheitsfällen geholfen hat, Privatleute und Firmen zu einer finanziellen Unterstützung zu bewegen. 73 000 Euro sind bisher zusammen gekommen. Die Müllers benötigen 106 000 Euro, weil nach dem Eingriff in den USA auch noch eine intensive Therapie ansteht.

„Pia ist geistig noch vollkommen auf der Höhe“, sagt der Vater. Und vielleicht wird sie eines Tages auch gehen können. Zurzeit kauert sie noch mit Vorliebe vor ihrem Karton und malt. Mit einem schwarzen und blauen Stift gibt sie sich nicht zufrieden. „Ich brauche auch noch einen Grünen“, sagt sie – um ihr Kunstwerk zu vollenden. Noch mehr über Pia ist unter www.piaspath.com zu erfahren.




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