Im Murrer Rathaus ließen sich die Gäste bei Tanz- und Musikeinlagen mitreißen. Die Stimmung schien ungetrübt – trotz Beschränkungen. Eindrücke von einem durchfeierten Abend.

Meinen die das ernst oder geben sie doch nur wieder den saisonalen Narren? Nicht immer lässt sich das bei den Akteuren der fünften Jahreszeit unterscheiden. Jens Vollstedt aber, Präsident des Murrer Karneval-Vereins, wirkte glaubhaft zerknirscht – was für die Stimmung bei einer Begrüßung eher ungünstig sein könnte. Er wünschte den Gästen dann aber „trotzdem einen schönen Abend“.

 

Zuvor hat er sich bei den Gastvereinen dafür entschuldigt, dass jeweils nur vier Personen eingeladen wurden, was einer neuen Beschränkung auf 158 Sitzplätze geschuldet war. Da wird es eben schnell knapp, wenn sage und schreibe 41 Gastvereine zum Ordensball drängen! Die Narren aber zeigten der Malaise keck die Nase nach dem Motto: Wenn wir nicht sitzen dürfen, dann stehen wir eben!

Dieses Jahr wurden weniger Jahresorden verteilt

Sowieso war die sehr volle Halle wie auf Knopfdruck in Stimmung, als die Murrer Gässlesfetzer zum Auftakt in die lange Sause bliesen. Mit ihren charakteristisch gruftigen Bläser-Intros machen sie zunächst auf Aschermittwoch, bevor sie mit voller Kapelle akustisch durchfetzten.

Ohrenbetäubend, wenn Musiker auf Pauken und Granitblöcke in Endlosschleife draufhauen, sodass es wie eine einzige physische Attacke wirkt – und „Tausend Mal berührt“ plötzlich neuen Sinn ergibt. Damit war die närrische Versammlung schon mal mit ordentlich Grundenergie versorgt, und nicht nur das Stuttgarter Rößle nutzte den breiten Mittelgang zum ausgelassenen Tanzen.

Verschiedene Tanzeinlagen sorgten für gute Stimmung. Foto: Werner Kuhnle

„Ein guter Anfang!“, fand der moderierende Präsident, wirkte aber schon wieder ein bisschen bedrückt. Werden sonst bei solchen Gelegenheiten in den „Ordensrunden“, hier sechs Jahresorden verteilt, habe man dies nun „reduziert“, womit er, wie sich schnell zeigte, „gestrichen“ meinte. Und zwar zu monetären Gunsten des jungen örtlichen Vereins „Mut machen e.V.“, was mit starkem Beifall quittiert wurde.

Spaßige Zwischenrufe bei Stuttgarter „Rote Funken“

Zwischen die Ordensrunden reihte sich eine Serie von Tanzeinlagen, beginnend mit einem Vortrag und reichlich Artistik von Tanzmariechen Selina vom Talheimer Carnevalsverein und einem Medley des HCV Hardthausen, bei dem Duo- und Solotanz hübsch kombiniert wurde. Bravourös bestanden die sieben „Rote Funken“ von der Stuttgarter Karnevalgesellschaft Rosenmontag die Geduldsprobe, die ihnen das Fehlen ihrer Tanzmusik abverlangte. Zweimal wurde der falsche Titel angespielt, dann lange nichts, was den spaßigen Zwischenruf „Wir woll`n euch tanzen seh`n“ mit sich brachte.

Zwischendurch ein Popsong, bei dem die unbeeindruckt lächelnden jungen Damen dann doch die starre Startpose verließen und im Gleichtakt hin- und her schwenkten und klatschten. Und auf den Punkt waren sie da, als ihr Titel kam, und zeigten aparten, flott durchchoreografierten Gardetanz. Jubel verdienten sich auch die 14 Mädchen der Carnevalsfreunde Murr, die einen fantasievoll bewegten, ausdrucksstarken Showtanz mit erzählerischen Momenten präsentierten.

Der Bürgersaal war gut gefüllt. Foto: Werner Kuhnle

Endgültig Kopf stand die Halle nach fast drei Stunden mit dem Auftritt der Los Titzos Guggen aus Ditzingen. Vom starken Bläsersound mit allein zehn Trompeten fand sich die Menge regelrecht elektrisiert und wollte diese Guggen nicht mehr ziehen lassen. Zu toppen war dies nurmehr von den Tausend-Volt-Guggen der Bietigheimer „D`Wefzga“, die den Saal in finale Ekstase versetzten.