Gäste aus Gambia in Waiblingen Minister zu Besuch im Bienenhaus

Von Johannes Grau 

Mit Know-how unter anderem über Honig will das Land Baden Württemberg der gambischen Wirtschaft unter die Arme greifen.

Ebrima Sillah (rechts) lässt sich in der Waiblinger Talaue  die Honigproduktion erklären. Foto: /Gottfried Stoppel
Ebrima Sillah (rechts) lässt sich in der Waiblinger Talaue die Honigproduktion erklären. Foto: /Gottfried Stoppel

Imkerei - Bei seiner Reise durch Deutschland, macht der gambische Minister für Information und Kommunikation, Ebrima Sillah, auch in Waiblinger Rathaus Station. Von seinem Aufenthalt in Deutschland, verspricht er sich, so erzählt er dort, Anreize und Unterstützung bei seinem Plan die Wirtschaft seines Landes anzukurbeln.

Große Armut, hohe Arbeitslosigkeit

Finanziell ist Gambia in einer schweren Lage. Das Land sei hoch verschuldet erklärt der CDU-Landtagsabgeordnete Siegfried Lorek auf dem Weg zur Remsaue, wo den Minister besonders die Bienenstation interessiert. „Gambia importiert alles und exportiert nichts“, heißt es im Gespräch unterwegs. Die geringe Wirtschaftskraft bedingt große Armut und hoher Arbeitslosigkeit, vor allem bei Jugendlichen. „Das Thema betrifft uns hier vor allem, weil rund 70 Prozent der nach Deutschland ausgewanderten Gambier in Baden-Württemberg leben“, betont Lorek.

Für einreisende Gambier stehen die Chancen, eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten allerdings schlecht. Da die Diktatur des langjährigen Machthabers Yahia Jammeh anfang 2017 unblutig beendet wurde und die neue Regierung die Demokratisierung vorantreibt wird die Annahmequote der Asylanträge weiterhin sinken vermutet Lorek. Durch diese Perspektivlosigkeit, lasse sich auch die erhöhte Straffälligkeit eingewanderter Gambier erklären. Deshalb sei es auch im Interesse der regionalen Politik, vor Ort Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, als Anreize für eine freiwillige Ausreise.

Honigproduktion als Chance auf auskömmlichen Lebensunterhalt

Die gemeinsamen Ziele in diesem Bereich haben zu einer Kooperation zwischen dem afrikanischen Staat und Baden-Württemberg geführt. Ein daraus entstandenes Projekt sieht vor, dass deutsche Imker ihr wissen an Gambier weitergeben, die dann durch eine eigene Honigproduktion ihren Lebensunterhalt verdienen können. Das sei ein vielversprechender Ansatz und weil nur ein geringes Startkapital benötigt würde, ließe er sich auch weiträumig umsetzten. In Zusammenhang mit diesem Projekt besichtigte der Minister das Alvarium in Waiblingen, um mit den Imkern ins Gespräch zu kommen. „Wir können viel von Ihnen lernen“, sagt Ebrima Sillah im Dialog mit dem Bienenhalter Michael Käfer.

Auch die Umwelt soll von den Neu-Imkern profitieren, da Bienenhalter zum Wohl der Tiere dazu gezwungen werden, die umliegende Natur zu schützen. Da es noch viele weitere gemeinsame Aktionen und auch finanzielle Unterstützung für die gambischen Partner gibt, knüpft die deutsche Seite die Zusammenarbeit an Bedingungen. Beispielsweise müsste das Land in Zukunft abgeschobene Staatsangehörige wieder aufnehmen, wogegen es sich aktuell wehrt.

Gerald Knaus, der Vorsitzende der Europäischen Stabilitätsinitiative sieht den „Gambia-Plan“ als Maßstab für zukünftige Kampagnen zur Entwicklungshilfe in Afrika. Er sei „zu klein um zu scheitern“, sagt er und Siegried Lorek fügt hinzu: „wenn wir es in Gambia nicht schaffen, dann nirgends“.