Gäubahn-Streit Anrainer-Städte protestieren erneut

Ein Intercity auf der Gäubahnstrecke bei Herrenberg. Ab April 2026 soll in Vaihingen Schluss sein. Foto: Deutsche Bahn AG/Miethe

Im April 2026 soll die Gäubahn in Vaihingen gekappt werden. Dass im Sommer 2026 erneut keine S-Bahnen nach Stuttgart fahren, lässt die Gäubahn-Anrainer vehement protestieren.

Erneut ist der Streit um die Kappung der Gäubahnstrecke aufgeflammt. Wegen „Stuttgart 21“ soll die Zuglinie, die von Singen über Horb und Böblingen nach Stuttgart führt, in Vaihingen im April 2026 gekappt werden und nicht mehr zum Hauptbahnhof fahren, damit dort die alte Station abgebaut werden kann.

 

Schon diese Kappung hat in den vergangenen Jahren zu vielen Diskussionen und Streit geführt. Nun aber hat die Deutsche Bahn (DB) zudem erklärt, dass wie in den Vorjahren auch 2026 und 2027 im Sommer die S-Bahn-Stammstrecke wegen Bauarbeiten gesperrt werden müsste. Dann müssen es für mehr als zwei Monate zwischen Vaihingen und Hauptbahnhof wohl Ersatzbusse richten – also auch für die Zuggäste der Gäubahn. Was beim Interessenverband Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn, zu dem auch die Städte Böblingen und Herrenberg gehören, die Alarmglocken schrillen lässt.

„Es ist unbegreiflich und empörend“, erklärte der Landtagsabgeordnete Guido Wolf, zugleich Vorsitzender des Interessenverbands Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn zu der angekündigten, erneuten S-Bahn-Sperrung. „Man lässt die Fahrgäste im sprichwörtlichen Nichts stranden und nimmt bewusst in Kauf, dass die Gäubahn als Verkehrsmittel massiv an Bedeutung verliert“, so Wolf weiter.

Der Verband fordert, die Kappung der Gäubahn auf Ende 2026 zu verschieben, um eine sichere S-Bahn-Verbindung ab Vaihingen garantieren zu können. „Wir werden alles daransetzen, dieses Abhängen der Region zu verhindern – notfalls auch gegenüber der neuen Bundesregierung“, so Wolf, „eine Unterbrechung der Gäubahn ohne S-Bahn-Anschluss ist inakzeptabel und muss mit allen Mitteln verhindert werden.“

Auch Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) kritisiert diese Planungen. „Ich bin sehr enttäuscht – und ich weiß, dass es vielen Menschen in Böblingen und entlang der Gäubahn genauso geht“, schreibt er auf Facebook. Bereits der Umstieg auf die S-Bahn in Vaihingen stelle für Zuggäste eine Zumutung dar. „Dass nun auch diese Zwischenlösung wegen der ständigen und lang andauernden Unterbrechungen der S-Bahn zwischen Böblingen und Stuttgart offenbar nicht wie geplant umgesetzt werden kann, lässt bei vielen Fahrgästen das Vertrauen schwinden.“

Der Verlauf des geplanten Pfaffensteigtunnels Foto: Yann Lange

In ferner Zukunft soll die Gäubahnstrecke über einen neuen Tunnel zum Flughafen führen. Der geplante Pfaffensteigtunnel würde zwischen den S-Bahn-Stationen Goldberg und Rohr ins Erdreich getrieben und bis zum Flughafen führen. Er soll rund zwei Milliarden Euro kosten. Die Bahn plant, 2026 mit dem Bau des Tunnels beginnen zu können. 2032 sollen erste Züge fahren. Kritiker ziehen diesen Zeitplan in Zweifel.

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