Galeria Karstadt Kaufhof Diese Warenhäuser in der Region sind jetzt gefährdet

Am Mittwochnachmittag herrscht in der Leonberger Karstadt-Filiale reger Betrieb. Foto: Simon Granville

Nach der Ankündigung des Handelskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof, weitere Filialen in Deutschland dicht zu machen, wachsen die Sorgen in Stuttgart, Leonberg und Esslingen. Nicht nur die Mitarbeiter bangen um die Zukunft der großen Warenhäuser.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Mittwochnachmittag, Karstadt in Leonberg. Im Warenhaus herrscht reger Betrieb. An der Hauptkasse im Erdgeschoss hat sich eine lange Schlange gebildet. Zwischen Weihnachtsdeko und Aktionsständen sind viele Menschen unterwegs. Familien, die die Ferien zum Bummeln nutzen. Ein Ehepaar schaut sich mit dem Prospekt in der Hand die Sonderangebote an. Eine Frau begutachtet eine Waschmaschine. Im Karstadt bekommt man nahezu alles.

 

Das was früher Kunden anzog, hat heute an Zugkraft verloren

Was lange ein Alleinstellungsmerkmal von Warenhäusern war, hat in Zeiten des Online-Handels und der Dauerkrisen stark an Zugkraft verloren. Den Warenhäusern geht es nicht gut. Selbst die Fusion der einstmaligen Riesen Karstadt und Kaufhof unter der Dachmarke Galeria hat nicht zur Stabilisierung beigetragen. Schon vor gut zwei Jahren machte eine Schließungsliste die Runde. Leonberg war einer von 62 Standorten, der dicht gemacht werden sollte. 41 wurden am Ende aufgegeben. Leonberg war nicht dabei.

Vier Galeria-Warenhäuser sind noch übrig in der Region Stuttgart, neben Leonberg gibt es noch zwei Standorte in Stuttgart und einen in Esslingen – und wieder stellt sich jetzt die Frage: Wie lange noch? Am Montag hat der Handelskonzern Galeria Karstadt Kaufhof angekündigt, mindestens ein Drittel, also rund 40 seiner 131 Warenhäuser mit rund 17 400 Beschäftigten, zu schließen. Betriebsbedingte Kündigungen seien unvermeidbar, sagte der Geschäftsführer Miguel Müllenbach in einem Interview. Und auch in Leonberg, Stuttgart und Esslingen wächst seither die Sorge vor dem endgültigen Ende.

Auch die Kunden wissen von den Problemen – und zeigen Solidarität

„Bisher gibt es überhaupt keine konkreten Informationen“ sagt Dietmar Weigelt, der Betriebsratsvorsitzende in Leonberg. Innerhalb von drei Monaten solle ein Ausweg gefunden werden, heißt es. „Im Moment sortiert sich alles.“ Dass aber die Stimmung im Haus nicht gut sei, das will Weigelt nicht verhehlen. Der Betriebsrat vertritt rund 70 Menschen, die auf den vier Etagen des Warenhauses arbeiten. Auch die Kunden wissen von den Problemen. „Ich habe es in der Zeitung gelesen“, sagt eine 56-Jährige aus Gerlingen. „Für uns wäre es ganz schlecht, würde Karstadt hier schließen. Es gibt alles an einem Ort und ein Parkhaus.“ Sie will nun noch öfters kommen. Ein jüngeres Paar hat den Einkaufsbummel extra vorgelegt. „Wir wollten erst am Samstag gehen“, sagt die Frau. „Aber jetzt nehmen wir schon heute einiges mit, und vielleicht kommen wir am Samstag ja trotzdem noch mal.“

Schon im Jahr 2020 schien das Aus besiegelt zu sein

Dietmar Weigelt hat schon bei der Krise vor zweieinhalb Jahren einen Trend zu Solidaritätseinkäufen bei der Kundschaft beobachtet. Doch dann kamen Corona, der Ukrainekrieg und jetzt die Energiekrise. „Da kann man einfach nicht die Zahlen von vor 2019 erzielen.“ Die Hoffnung will der Betriebsratschef nicht aufgeben. Auch 2020 schien das Aus bereits besiegelt. In einer Betriebsversammlung wurde die Belegschaft damals informiert, dass ihre Filiale keine Zukunft mehr habe. Doch satt Resignation gab es eine bemerkenswerte Welle der Unterstützung – nicht nur aus der Kundschaft, sondern auch aus der Politik. Am Ende mit Erfolg.

Gehofft und gebangt wird auch in Esslingen, denn die dortige Filiale dürfte ebenfalls hochgradig gefährdet sein, wenn Galeria erneut den Rotstift ansetzt. Denn das Esslinger Warenhaus sitzt in der Klemme zwischen Konzern und Vermieter. Der Eigentümer und Investor BPI Esslingen will das innerstädtische Filetstück weiterentwickeln. Dabei war ihm der Gemeinderat beim Bebauungsplan noch weit entgegengekommen – in der Hoffnung, Esslingens einziges Warenhaus am Standort halten zu können.

Das Esslinger Warenhaus soll nach einer neuen Strategie ausgebaut werden

Doch im Mai erklärte BPI dann, man setze bei der Bebauung und Weiterentwicklung des Areals nicht mehr auf Galeria, die Gespräche über eine zukunftsfähige Lösung seien gescheitert. Man habe die Mietverträge auslaufen lassen beziehungsweise gekündigt. Die Esslinger Karstadt-Chefin Gabriele Post verwies indessen auf einen „langfristigen Mietvertrag bis Mitte 2026“. Der Warenhausstandort sei erfolgreich und habe Zukunftspotenzial. Man wolle das Esslinger Warenhaus „nach unserer Strategie 2.0 ausbauen“ und modernisieren.

Ob dies, da Galeria nun eine weitere Sparrunde eingeläutet hat, weiterhin gilt, ist unklar. Fakt ist: Für den 18. November ist ein Termin beim Landgericht anberaumt, um den Mietstreit zu klären – und noch wurde dieser Termin nicht storniert. Stand heute kann man also davon ausgehen, dass Galeria weiterhin Interesse an dem Gebäude hat.

Von den Galeria-Filialen in Stuttgart wird wohl höchstens ein Standort übrig bleiben: Die Filiale in Bad Cannstatt fiel bereits der ersten Sanierungsrunde vor zwei Jahren zum Opfer. Das Warenhaus an der Eberhardstraße in der Stadtmitte soll abgerissen werden und einem neuen Verwaltungstrakt für die Deutsche Bundesbank weichen – so will es der Eigentümer.

Die Filiale in der unteren Königstraße gilt als Frequenzbringer

Bliebe noch der Standort in der unteren Königstraße, doch ob dieser die neuen Turbulenzen bei Galeria überlebt, ist völlig offen. Zwar gilt die Filiale auch konzernintern als Frequenzbringer, doch völlig auszuschließen ist deren Schließung nicht. Ebenfalls offen ist noch, was mit den rund 65 Mitarbeitern der Filiale an der Eberhardstraße passiert. Der Stuttgarter Wirtschaftsbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) hat unlängst erklärt, er habe die Zusage des Konzerns, dass für die Beschäftigten eine „sozial verträgliche Lösung“ gefunden werde.

Spekuliert wird, dass dies unter anderem die Versetzung in umliegende Filialen bedeuten könnte. Welche Filialen in der Region Stuttgart dann übrig sind, weiß momentan niemand. „Über einzelne Standorte, die jetzt Gegenstand einer sehr sorgfältigen Einzelfallbetrachtung sind, können wir zu diesem Zeitpunkt keine Aussagen treffen“, erklärt die Konzernzentrale in Essen am Mittwoch.

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