Positive Wellen und eine Wohlfühlatmosphäre empfangen Besucher der neuen Ausstellung der Galerie der Stadt Plochingen. Das Herz geht auf, und man ist als Betrachter gefangen von der Kraft und der mitreißenden Energie, die von den leuchtenden Farben der Siebdruckarbeiten Verena Könekamps ausgehen. „Licht und Farbe: Weitungen“ hat die ausgebildete Textildesignerin, die seit 2012 im Atelier im Kulturpark Dettinger arbeitet, die Schau überschrieben.
Die Galerieräume werden von den strahlenden Serigrafien regelrecht geflutet. Alles, was davor steht, verblasst förmlich, selbst die Gäste bei der gut besuchten Vernissage. Verena Könekamp geht noch weiter, öffnet sich mit ihrer luziden Kunst hinaus, ins Weite, vor die Galerie, in die Marktstraße. Die beiden Fahnen und das große Banner vor den Fenstern im ersten Stock rücken den Kunstraum, ganz im Sinne des Kulturamtsleiters Markus Schüch, ins Bewusstsein der Bevölkerung.
Eine Glück versprechende Bilderschau
Kunstexperte Tobias Wall schwärmt in seiner Einführungsrede von einer „Landschaft aus leuchtenden Farben, ineinanderfließenden strahlenden Orange- und Gelbtönen“. Bereits in der eher stiefmütterlichen Nische am Treppenaufgang lotst ein gelb-gleißender Leuchtbalken hinein in eine Glück versprechende Bilderschau. In den Orange-Gelb- und Pinktönen sieht Wall den Powerfarbklang der Künstlerin, die mit ihren Projekten deutschlandweit sowohl im Bereich Corporate Art als auch in der freien Kunstszene erfolgreich ist.
Obwohl Verena Könekamp Neonfarben von durchdringender Intensität für ihre freien Strukturen verwendet, sind die Arbeiten nie grell, laut oder schreiend. Im Gegenteil. Man kann in den großformatigen Serigrafien einfach versinken und zu sich selbst kommen – wie im Lieblingsbild der Künstlerin mit dem Titel „Wo ist das Gelb?“ Für Tobias Wall ist „in sich“ der frühlingshafte, grün strahlende Ruhepunkt der Ausstellung. Heißer Tipp fürs meditative Betrachten: Zeit einplanen, entspannt auf einer der neuen Sitzgelegenheiten Platz nehmen und in aller Ruhe versinken. So erlaubt „Weitungen“ eine kleine Alltagsflucht und ist vielleicht ein rezeptfreies Mittel gegen den „globalen Wahnsinn“ mit Frust und Enttäuschung, wie es Tobias Wall formulierte, indem er einen ukrainischen Komponisten zitierte: „Das Schöne ist nicht imstande, die Welt zu retten, aber es gibt der Menschheit Kraft und ist das Licht, das die Dunkelheit besiegt.“
Fingerfood und Farben satt
Die Ausstellung ist bis zum 17. Mai zu sehen. Am 11. April, 16 Uhr, findet eine Galerieführung statt. Schön bunt wird’s am 15. Mai um 19 Uhr, wenn Verena Könekamp und Wolfgang Thiel unter dem Titel „finger – farben – food“ bei farblich passenden Häppchen und Drinks ein Künstlerinnengespräch führen; der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen (www.plochingen.de/Galerie).