Galerie Inter-Art Wilde Tiere und Schafe aus dem Körschtal

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Die Künstlerin Gabriele Zeller-Kramer feiert ihren 75. Geburtstag mit einer Ausstellung in der Galerie Inter-Art. Die Bilder zeigen ihre Lieblingsmotive: Tiere.

„Die Versuchung des Heiligen Antonius“ (rechts) ergänzt Gabriele Zeller-Kramers „Erschaffung der Tiere“ (links). Foto: Sabine Schwieder
„Die Versuchung des Heiligen Antonius“ (rechts) ergänzt Gabriele Zeller-Kramers „Erschaffung der Tiere“ (links). Foto: Sabine Schwieder

S-Mitte - Über die Jahre hat ihre Arbeitsweise viele Veränderungen erfahren, doch in einem ist sich die Künstlerin Gabriele Zeller-Kramer immer treu geblieben: Auf ihren Bildern stehen meist Kühe oder Schafe im Mittelpunkt. So ist es nicht verwunderlich, dass ihre jüngste Ausstellung in der Stuttgarter Galerie Inter Art unter die Überschrift „Tiere“ gestellt wurde. Mit der Schau, die am Freitag, 15. Januar, um 20 Uhr eröffnet wird, hat sich Gabriele Zeller-Kramer sozusagen ein Geburtstagsgeschenk gemacht: die Künstlerin, Mitglied im Möhringer Kunstverein Gästezimmer, feiert in diesem Monat ihren 75. Geburtstag.

Nach ihrer ersten Begegnung mit dem Thema Kunst gefragt, werden frühe Kindheitserinnerungen wach: Als kleines Mädchen durfte sie in der Bibel ihres Vaters aus dem Jahr 1909 schmökern. Zwar konnte sie die Frakturschrift noch nicht lesen, doch die Abbildungen faszinierten sie von Anfang an. Ihre zweite Inspirationsquelle war das Märchenbuch des Zigarettendienstes Hamburg, in welches sie bunte Bilder kleben durfte. Die realistischen Darstellungen waren zum Teil so gruselig, dass das Mädchen manche Geschichten lieber überblätterte, wie sie erzählt.

An ein Leben als Künstlerin war anfangs nicht zu denken

Nach dem Abitur studierte Zeller-Kramer an der Kunstakademie Stuttgart und an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Ganz Kind ihrer Zeit widmete sie sich damals der Pop Art und beobachtete ihre Lehrer beim Action Painting. Auf Wunsch der Eltern machte sie jedoch das Kunsterzieherexamen, und zusammen mit ihrem Mann, ebenfalls Kunsterzieher, kehrte sie nach Stuttgart zurück. „Ich brauchte mehr Natur um mich herum“, sagt sie. In Vaihingen und später in Möhringen zog sie drei Kinder groß. An ein Leben als Künstlerin war da nicht zu denken, erst Mitte der 90er-Jahre bekam sie einen Lehrauftrag für Malerei an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg.

Die Ausstellung in der Galerie Inter Art bietet Beispiele vor allem aus der Zeit nach der langen Pause während der Familienphase und ist in drei Schaffensperioden unterteilt. Dabei wird deutlich, dass Gabriele Zeller-Kramer den ungewöhnlichen Weg von spontanen, dem Zufall geschuldeten Collagen bis hin zu realistischen Darstellungen gegangen ist. „Bei mir kommt alles von der Technik“, beschreibt sie ihre Arbeitsweise. Themen und Titel ergeben sich oft erst, wenn das Werk fast fertig ist.

Menschliche Figuren sind selten zu sehen

Die von 1982 bis 1987 entstandenen Collagen zeigen vor allem Tiere. Dabei wurden großformatige Zeichnungen zerrissen, als Schablonen auf die Leinwand geklebt, an den Rändern übermalt und wieder entfernt. Oft sind die Kühe oder Ziegen übereinander geschichtet und in der Form eines Gebirges zusammengesetzt. Oder sie tragen ein anderes Tier in sich. Menschliche Figuren sind selten zu sehen. Die Serie „Die Versuchung des Heiligen Antonius“ wird von tierischen Fabelwesen dominiert, in kräftigem Rot wird Chaos deutlich. Bei ihrer „Erschaffung der Tiere“ nach einem spätgotischen Altarbild von Meister Bertram hat Gabriele Zeller-Kramer die menschliche Figur ganz weggelassen, dafür die Themen Erschaffung und Zerstörung einander gegenübergestellt.

Die in den Jahren von 1991 bis 1995 entstandenen Bilder von Kühen und Büffeln wirken sehr viel strukturierter und dadurch auch schöner. Da liegt beispielsweise eine „Büffelkuh im Schlammbad“, sie ist mit Hilfe einer großen Schablone auf die Leinwand geraten und hat ihre Farben vom grauen und gelben Lehm ihrer italienischen Umgebung bekommen. Eine moderne Höhlenmalerei sozusagen. Gips setzt dabei eine helle Umrandung, Kratzspuren sorgen dafür, dass das ruhende Tier ausgesprochen lebendig wirkt.

Die in den vergangenen drei Jahren entstandenen Acrylbilder zeigen nur noch Schafe, und das ganz realistisch. „Im Alter habe ich nicht mehr das Bedürfnis, Formen zu erfinden“, erklärt die Künstlerin, warum ihre Arbeiten mehr und mehr der Natur entsprechen. Ihre im Körschtal weidenden Schafe stehen ruhig in ihrem Gehege, im Hintergrund sind die Salzäckerschule oder davor parkende Wohnwagen zu sehen. Zunächst war Gabriele Zeller-Kramer nur fasziniert vom Kontrast der schwarzen Köpfe und Beine zum hell leuchtenden Fell. Doch dann war der Ehrgeiz geweckt, dieses Fell möglichst realistisch darzustellen. Als Betrachter möchte man gerne seine Hände darin vergraben.

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