Aiga Rasch: Zeichnung zu „Die drei ??? und der Doppelgänger“, das erstmals 1982 erschien. Foto: Aiga Rasch Nachlass
Alle kennen die Jugendkrimis „Die drei Fragezeichen“ von Alfred Hitchcock. Aber kaum jemand kennt Aiga Rasch, die die Cover der deutschen Ausgabe revolutionierte.
Eines Tages bekam sie eine E-Mail von einem Jungen. Der 14-Jährige hatte in seinem Schulbuch ein Motiv entdeckt, das ihn an ein Cover in seinem Bücherregal erinnerte: „Die Drei Fragezeichen und der Schatz im Bergsee“. Ob sie das Motiv geklaut habe, wollte der Junge wissen – und Aiga Rasch machte kein Hehl daraus. Sie hatte das Bild eines Tauchers mit Leuchtfackeln in den Händen tatsächlich „geklaut und modernisiert“, wie sie sagte.
Aber wer wie Aiga Rasch mehr als 500 Buchcover gestaltet hat, der nutzte zwangsläufig Vorlagen aus Zeitungen und Zeitschriften. Aiga Rasch besaß ein riesiges Bildarchiv, in dem es eine eigene Abteilung Tiefsee gab. Besonders gern bediente sich beim „Stern“ – und fast hätte es ein Auge von Gerhard Schröder auf ein Cover von Alfred Hitchcocks Jugendkrimi-Reihe „Die drei Fragezeichen“ geschafft.
Die Stuttgarter Illustratorin prägte den ganzen Look
Bis heute werden die Bücher gern gelesen, dass die Serie ihren Erfolg in Deutschland maßgeblich einer Stuttgarter Illustratorin verdankt, weiß aber kaum jemand. Deshalb war es höchste Zeit, dass die Galerie Stihl in Waiblingen nun endlich publik macht, was Aiga Rasch geleistet hat. Fast hundert Folgen der „Drei Fragenzeichen“ gab sie das passende Erscheinungsbild. Mehr noch: Sie war es, die den grundsätzlichen Look prägte.
Foto: Kosmos Verlag
Als der Stuttgarter Verlag Franckh-Kosmos die ersten Bücher des amerikanischen Autors herausgab, waren diese alles andere als ein Erfolg. Das kitzelte den Ehrgeiz der jungen Illustratorin heraus. Sie tat, „was man eigentlich nicht tun darf“, wie sie später sagte. Sie schickte 1969 unaufgefordert Entwürfe zu der Hitchcock-Reihe an den Verlag mit dem Hinweis: Falls man sie ablehne, wolle sie auch kein Honorar.
Es kam anders – obwohl man skeptisch war, ob eine Frau überhaupt fähig ist, ein Buch für Jungen zu gestalten. Immerhin, Erfahrung hatte Aiga Rasch bereits. Sie wurde 1941 geboren, der Vater war Architekt, ihre Mutter war die erfolgreiche Modezeichnerin Lilo Rasch-Nägele. Aiga studierte kurz in Tübingen, begann ein Zeitungsvolontariat und wollte dann doch lieber an der Stuttgarter Kunstakademie studieren. Im Vorbereitungskurs riet man ihr ab, sie solle lieber autodidaktisch tätig bleiben. So startete sie ihre Karriere ohne Ausbildung.
Geschadet hat es ihr nicht. 1963 bekam Aiga rasch den ersten Auftrag für einen Taschenkalender für junge Mädchen. In den kommenden Jahren hat sie viele Bücher gestaltet – sei es „Pippa und Pepe“ (1969) oder „Rübezahl ist wieder da“ (1967), den sie als freundlichen Mann mit Pfeife zeigte.
Foto: Aiga Rasch Nachlass
Dabei war sie vielseitig im Ausdruck – mal imitierte sie Holzschnitte, mal klebte sie geometrische Formen zu bunten Collagen zusammen. Für die Geschichte des Lappenjungen Aslak riss sie die Motive aus Papier – diese Reiß-Collagen sind besonders schön. Auch von den Beatles ließ sie sich gern inspirieren – das „Das U-Boot Fritz“ von 1977 geht auf das gelbe U-Boot von „The Yellow Submarine“ zurück.
Am erfolgreichsten war aber zweifellos die Serie der „Drei Fragezeichen“, mit der Aiga Rasch völlig neue Wege ging. Ihre Idee: ein schwarzes Cover mit einer farbigen Illustration. Aber das Wichtigste war, dass die Titelfiguren nicht mehr auf dem Cover abgebildet werden sollten. „Alle hatten Kinder vorne drauf“, schimpfte Rasch, „das ist einfach langweilig.“ Sie selbst hatte schon einen Mädchenkrimi-Reihe gestaltet, aber musste auf dem Cover immer die rothaarige Nancy Drew zeigen. Bei den „Drei Fragezeichen“ habe sie „alles, was mir bei Nancy Drew auf die Nerven ging, weggelassen“.
Haarige Monster statt Kindern auf dem Cover
Statt Kindern kam nun ein haariges Monster aufs Cover oder ein Drache. Bei „Fluch des Rubus“ wurde ein exotischer Tempelgott mit Stirnauge das Motiv, beim Gespensterschloss ein düsteres Gemäuer mit leuchtendem Schlossgeist. Dann wieder fletschte der Karpatenhund seine gruslig scharfen Zähne.
In der Waiblinger Ausstellung kann man die vielen Motive wiederentdecken, mit denen Aiga Rasch, die 2009 starb, Geschichte schrieb. Als „Die drei Fragezeichen und die schwarze Katze“ zum siebten Mal aufgelegt werden sollte, habe „Reformwut“ geherrscht. Fortan wurden die Motive realistischer und ging man einen Weg, den Aiga Rasch letztlich schon geebnet hatte.
Die Ausstellung
Galerie Stihl in Waiblingen, geöffnet Di bis So 11 bis 18 Uhr, bis 20. Juli 2025