Die Wendlinger Galerie zeigt Arbeiten der Künstler Giovanni Maranghi und Paolo Staccioli aus Florenz. Malerei und Skulpturen bestechen durch die Lust am Experiment.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Ein Reiter auf einem Pferd empfängt die Besucher und Besucherinnen der neuen Ausstellung im Vorgarten der Wendlinger Galerie. Die mächtige Bronzeskulptur des Künstlers Paolo Staccioli verführt zu einer Zeitreise. Das riesige Pferd steht erhaben auf Rädern im Raum und erinnert an Motive aus der Antike. Mit Staccioli und dem Maler Giovanni Maranghi führt der Wendlinger Galerieverein in der neuen Ausstellungen zwei Künstler aus Florenz zusammen. Die Vernissage ist am Mittwoch, 22. April, um 19.30 Uhr in der Galerie Weberstraße 2.

 

„Magia da Firenze“ heißt die Schau, die zwei markante Handschriften der italienischen Kunstszene in den Blick nimmt. Dass die ehrenamtlichen Kunstexperten diese große Schau stemmen können, haben sie der Schorndorfer Galeristin Anja Bech zu verdanken. Die Bilder, Keramik- und Bronzeskulpturen aus Florenz nach Wendlingen zu bringen, hat die Vorsitzende Juliane Bürkle und ihr Team gefordert. „Wir wollen in der Galerie auch internationale künstlerische Handschriften zeigen“, sagt Bürkle. „Das weitet den Horizont.“

Die ehrenamtlichen Ausstellungsmacher haben weit über die Grenzen der Region hinaus einen sehr guten Ruf. Bei der Konzeption der neuen Schau, die bis 31. Mai zu sehen ist, haben Bürkle und Werner Sommer Wert darauf gelegt, die ästhetischen Eigenheiten beider Künstler herauszustellen. In den Räumen der ehemaligen Villa in der Weberstraße 2 stehen die Kunstwerke nebeneinander. Da lassen sich spannende Bezüge entdecken. Militärische Kampfeinheiten der Antike, die Schilder und Helme tragen, sind ein wiederkehrendes Motiv in Paolo Stacciolis Keramiken. Drahtig und stramm stehen die Kämpfer hintereinander. Bemerkenswert ist, dass immer eine Frau dabei ist. Die Brüste sind nur sacht angedeutet. Die Wesen, die der 83-jährige Künstler erschafft, sind nicht auf ein Geschlecht reduziert.

Juliane Bürkle und Werner Sommer lenken den Blick auf internationale Kunst. Foto: Roberto Bulgrin

Streng legt der Künstler den Schwerpunkt auf die Sprache der Körper. Die Köpfe sind klein, wirken flüchtig geformt. Die Anatomie der Körper dagegen spricht eine eigene, klare Sprache. Dabei lässt sich der Künstler vom etruskischen Torso inspirieren.

Aus Skizzen und Porträtstudien entwickelt auch der Maler Giovanni Maranghi seine farbstarken, packenden Bilder. Die Kontoren sind in Encaustic-Technik auf die Folien aufgetragen. Der tiefe, scharf schattierte farbige Hintergrund auf der Leinwand unterstreicht den Ausdruck der Figuren. Durch diese Kombination reflektiert die Bildfläche Schatten und Licht neu und ungewohnt. Nachdenklich blickt die Frauengestalt mit den wilden Locken in den Raum. In die Augen legt Maranghi eine faszinierende Melancholie. Das wirkt kämpferisch. Sein Spiel mit Emotionen fesselt die Betrachter.

Bewusst wollen die Kuratoren Bürkle und Sommer „die Vielfalt des Künstlers Maranghi“ zeigen. Zwar orientiert er sich auf den ersten Blick an klassischen Formaten. Aber die Neugier auf neue Techniken wie Street Art oder Pop-Motive macht den Reiz seines Ansatzes aus. Da ist der 71-Jährige alles andere als elitär. In seinen Arbeiten weicht er zum Teil radikal ab von der Figur, spielt mal mehr, mal weniger mit der Abstraktion.

Der Reiz von Maranghis Kunst zeigt sich, wenn er seine gegenständlichen Skizzen auf einer emotionalen Ebene weiterdenkt. In Feuer getaucht scheint der Dom von Florenz. Das Bild strahlt eine große Tiefe aus – die Kraft des Glaubens. Maranghi hat an der Kunstakademie studiert und parallel dazu Architektur an der Universität Ateneo Fiorentino belegt. Das Gespür für den Raum und die spannenden perspektivischen Lösungen, wie etwa beim Bild des Doms, machen den Reiz seiner Kunst aus.

Krieger und Kriegerin aus Keramik von Paolo Staccioli Foto: Roberto Bulgrin

Obwohl sich die Künstler ästhetisch deutlich unterscheiden, ist ihnen die Lust am Experiment gemein. Paolo Staccioli arbeitet mit dem klassischen Bronzeguss. Die starken Farben für seine Keramiken hat er nach einer langen Experimentierphase mit Salzen, Farb- und Kupferoxiden entwickelt. Mal ruhig, mal aufgewühlt fließen die Farben ineinander. Konturen sind aufgelöst.

Das verleiht der starren Glasur von Keramiken eine Leichtigkeit, wie man sie eher selten findet. Die filigran gestalteten Figuren sitzen auf Stacciolis Weltkugeln. Neugierig schauen sie in die Welt. Fast alle tragen Handtäschchen. Die Bildersprache des Künstlers ist verspielt und poetisch. Zugleich erzählen Kriegerinnen und moderne Menschen eine Geschichte. Da ist die Gestalt im karierten Hemd, die eine Weltkugel auf der Schulter trägt. Das sieht alles andere als mühsam aus. Mit Arbeiten wie dieser lädt der Künstler die Betrachter ein, das Leben mit Augenzwinkern zu betrachten.

Mit den Kunstwerken aus Florenz Jung und Alt neugierig machen

Die Kunst des Malers und des Bildhauers aus der Kunstmetropole Florenz ist leicht zugänglich. „Wir wollen ein breites Publikum dafür begeistern, sich mit künstlerischem Format zu beschäftigen“, sagt Werner Sommer. Er hofft, dass auch Schulen die Chance nutzen, gemeinsam die Ausstellung der Künstler aus Florenz in der Galerie Weberstraße zu besuchen.

Bei der Vernissage am 22. April führt die Kulturjournalistin Adrienne Braun in die Arbeiten ein. Der Tenor Daniel Kluge von der Staatsoper Hamburg umrahmt den Abend musikalisch, gemeinsam mit Musikschulleiter Ole Abraham am Klavier.

Am Sonntag, 10. Mai, findet der italienische Abend „Arte, Musica, Vino“ statt. Beginn ist um 18 Uhr. Zur Kunst veranstaltet Peter Weyhmüller eine Weinprobe. Mathias Waßer spielt Gitarre. Der Eintritt inklusive sechs Weinen und italienischem Fingerfood kostet 28 Euro, ermäßigt für Mitglieder 24 Euro. Die Öffnungszeiten der Galerie stehen unter www.galerie-wendlingen.de.