„Game of Thrones“-Star Emilia Clarke Die Drachen brauchen eine eigene Serie!
Mit ihrer Figur Daenerys ist sie erwachsen geworden: Emilia Clarke über „Game of Thrones“.
Mit ihrer Figur Daenerys ist sie erwachsen geworden: Emilia Clarke über „Game of Thrones“.
London - Ein Stockwerk des luxuriösen Corinthia Hotels scheint an diesem Tag nicht in London, sondern auf dem Kontinent Westero zu liegen: In den Hotelzimmern dreht sich alles um die achte und letzte Staffel der Erfolgsserie „Game of Thrones“, die seit dem 15. April bei Sky zu sehen ist. Dutzende Journalisten aus aller Welt und zwei Handvoll Stars des Fantasy-Epos haben sich zu Interviews verabredet. Unter ihnen: Emilia Clarke, die als Drachenlady Daenerys zu den Publikumslieblingen gehört. Gut gelaunt steht die 32-jährige Britin in ihrer Heimatstadt Rede und Antwort.
Miss Clarke, die von Ihnen gespielte Daenerys gehört zu den spannendsten Figuren in „Game of Thrones“. Was bedeutet Ihnen diese Figur?
Ein größeres Geschenk als Daenerys und vor allem die Entwicklung, die sie durchmacht, kann ich mir nicht vorstellen. In den Jahren, in denen ich sie gespielt habe, gab es keinen Schauspieler-Muskel, den ich nicht anspannen und einsetzen musste, um es mal so auszudrücken. Ich glaube nicht, dass man im Laufe einer Karriere oft die Möglichkeit bekommt, das Publikum auf eine solche Reise mitzunehmen und daran teilhaben zu lassen, wie und warum sich eine Figur weiterentwickelt.
Verraten Sie uns, wohin die Reise in der achten Staffel geht, vor allem mit ihr und Jon Snow?
Natürlich nicht. Aber ich war mindestens so neugierig wie Sie. Als ich die Drehbücher für die Staffel bekam, habe ich sie sofort in einem Rutsch gelesen. Danach bin ich drei Stunden ziellos durch London gelaufen. In den neuen Folgen passiert enorm viel, das musste ich erst mal sacken lassen. Die Beziehung von Daeny und Jon ist sicherlich die komplexeste und auch zeitgemäßeste in der ganzen Serie. Die beiden sind sich unglaublich ähnlich und durch enorm viel miteinander verbunden. Außerdem bringt er eine Ehrlichkeit in ihr zutage, die sie so noch nie erlebt hat.
Die neue Staffel ist gleichzeitig auch die letzte. Waren Sie bereit für das Ende von „Game of Thrones“?
Sagen wir es mal so: Ich bin ein großer Fan von Serien, die aufhören, solange das Publikum noch Lust auf mehr hat. Die Gefahr, so lange weiterzumachen, bis alle irgendwann die Begeisterung verloren haben, ist groß – und damit erweist man dann den Figuren und den Autoren einen Bärendienst. Von daher bin ich eigentlich ganz zufrieden mit dem Zeitpunkt, den wir für unseren Abschied gefunden haben.
Sie weinen Daenerys keine Träne nach?
Das habe ich nicht gesagt. Im Gegenteil: Es war für mich, wie sicherlich für jeden einzelnen meiner Kolleginnen und Kollegen, eine unglaublich emotionale Angelegenheit, unsere Rollen hinter uns zu lassen. Schließlich haben wir zehn Jahre voller Erinnerungen und großer Momente hinter uns. So zufrieden ich bin, so bittersüß ist das Ende der Serie auch. Daenerys zu spielen war ohne Frage das Bedeutsamste, was in meinem Leben bislang passiert ist. Diese Rolle hat mich beim Erwachsenwerden begleitet.
Hat die Figur selbst wirklich Spuren bei Ihnen hinterlassen?
Ich würde sagen, dass das manchmal eine „durch Schein zum Sein“-Situation war. Als Daenerys musste ich bisweilen Dinge tun, zu denen ich als Emilia noch gar nicht bereit war. Vor 300 Komparsen eine Rede in einer Sprache halten, die es eigentlich gar nicht gibt – das verlangt echt nach Eiern in der Hose. Und dank dieser Figur hatte ich die dann plötzlich auch.
Wie denken Sie heute über die Nackt- und Vergewaltigungsszenen gleich zu Beginn der Serie?
Ach wissen Sie, ich habe immer den Eindruck, dass die Frage nach diesen Szenen eigentlich mehr darüber aussagt, was uns als Gesellschaft umtreibt, als dass sie wirklich mit der Serie zu tun hat. Im Fall von Daenerys ist es auf der Story-Ebene jedenfalls wirklich so, dass wir zu Beginn von „Game of Thrones“ sehen mussten, was sie durchgemacht hat, um wirklich mit ihr mitzufühlen. Sehen, nicht einfach nur erklärt bekommen. Deswegen würde ich alles davon noch einmal ganz genauso wieder drehen.
Lesen Sie manchmal im Internet, was die Fans dort alles schreiben? Kaum eine Serie regt ihre Zuschauer offenbar zu so viel wilden Theorien und eigenen Geschichten an.
Ich weiß, aber ich lese nichts davon. Ich brauche das einfach nicht und habe nicht das Gefühl, dass das sonderlich gesund für meine geistige Verfassung ist. Ein paar der Fan-Theorien bekomme ich aber natürlich trotzdem mit, denn ich werde oft ganz direkt darauf angesprochen. Ob ich auch glaube, dass Daenerys eine Außerirdische sei, das wurde ich zum Beispiel sehr oft gefragt. Für mich war es aber in jedem Fall immer das Wichtigste, meine ganz eigenen Theorien zu entwickeln – und dann vollkommen überrascht zu werden, wenn ich in den Drehbüchern las, was wirklich Sache ist.
Was das Ende der Serie angeht: Wie groß war die Angst, die Fans zu enttäuschen?
Diese Angst hatten wir alle die gesamte Serie über immer wieder. Schließlich waren es immer die Fans, die „Game of Thrones“ zu dem gemacht haben, was es ist. Eine finale Staffel ist für jede Serie eine kniffelige Angelegenheit, zumindest kenne ich kein Beispiel, bei dem jeder einzelne Fan zufrieden war. Von daher stelle ich mich mal darauf ein, dass es auch in unserem Fall enttäuschte Zuschauer und hitzige Reaktionen geben wird.
Gerüchte über mögliche Spin-offs machen ja schon die Runde. Welche Figur würden Sie gerne in einer eigenen Serie sehen?
Puh... Wie wäre es mit meinem Drachen? Würde ich mir auf jeden Fall ansehen (lacht)!