Seit Januar ist die Gammelshäuser Steige zwischen dem Abzweig nach Auendorf und Gruibingen wegen der Sanierung von vier Hangrutschungen vollständig gesperrt. Leider ist durch das Starkregenereignis das Ende der Sperrung außer Sicht geraten. „Ich möchte keinen Pessimismus verbreiten, aber vermutlich wird es Herbst werden“, mutmaßte der Gammelshäuser Bürgermeister Daniel Kohl in der jüngsten Gemeinderatsitzung, als er sein Gremium darüber informierte, dass die Wassermassen massive Schäden angerichtet haben.
Mit Gummistiefeln knietief im Matsch gestanden
Als sich der Bürgermeister mit Vertretern des Forstamts, der EVF, des Bauhofs und des Verbandsbauamts nach den Regenfällen das Ausmaß angeschaut habe, seien massive Erdbewegungen festgestellt worden. „Am Hang, etwa 100 Meter nach der Abzweigung nach Gruibingen, sind Bäume samt der Wurzel heruntergerutscht, Wege sind zugeschüttet und aufgerissen, und unsere beiden Quellen wurden zugeschüttet“, berichtete Daniel Kohl im Gemeinderat. Bei der Quelle 2 geriet der Quellschacht soweit unter die Erde, dass er nicht mehr gefunden wurde. Daraufhin sei ein Geometer beauftragt worden, der festgestellt habe, dass er sich nicht mehr an den bisherigen Koordinaten befindet. Es werden also Grabungsarbeiten und eine Neuverlegung der Leitungen notwendig sein.
„Brandgefährlich“, nannte Kohl die gesamte Situation. „Wir standen mit Gummistiefeln knietief im Matsch. Der Waldweg wurde gesperrt und wir bitten Wanderer und Spaziergänger, sich daran zu halten.“ Es seien umfangreiche Aufräumarbeiten und Sicherungsmaßnahmen notwendig und zudem sei nicht abzusehen, was bei weiteren Regenfällen geschehe. „Es muss abgewartet werden, bis alles getrocknet ist, bevor zwischen Straße und Hang überhaupt gearbeitet werden kann“, erklärte Kohl und berichtete, dass sich auch an den neu eingebauten Betonteilen Abstände von bis zu sieben Zentimetern aufgetan hätten.
In Kürze soll es einen gemeinsamen Termin mit der Gemeinde, der EVF, die Betriebsführerin der Wasserversorgung ist, der für die Baustelle auf der Steige zuständigen Firma Strabag und dem Land geben, an dem geklärt werden soll, wie alles weiter geht. „Der Quellausfall führt natürlich auch dazu, dass der Eigenanteil an den Wasserkosten steigt“, erklärte Kohl dem Gemeinderat.
Auch die Gemeinde Gammelshausen selbst war von enormen Wassermengen heimgesucht worden. Insbesondere an zwei Bachbereichen im Wohngebiet kam es zu starken und anhaltenden Überschwemmungen. „Bereits am Freitagabend habe ich mich mit unserer Feuerwehrführung zu vorbereitenden Gesprächen getroffen“, berichtete Bürgermeister Kohl. Um 1.33 Uhr sei die Alarmierung „Bach übergelaufen“ erfolgt. „Die Situation war für alle sehr belastend“, insbesondere aufgrund der nicht weniger werdenden Niederschläge und schwallartigem Hochwasser, das sich von Süden den Weg in den Ort gesucht hatte.
Gammelshausen hält in der Not zusammen
Bürgermeister Kohl lobte das vorbildhafte Zusammenspiel der Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Bauhofs in Gammelshausen. Auch zahlreiche Freiwillige aus der Gemeinde seien zu den Einsatzorten geeilt und hätten engagiert und selbstlos mitgeholfen. „Wir füllten gemeinsam unzählige Sandsäcke, die umgehend an die Gefahrenstellen verbracht wurden. Es war für mich beeindruckend zu sehen, wie groß die Hilfsbereitschaft war – einmal mehr ein sichtbares Zeichen für die gelebte Solidarität in und für Gammelshausen.“
Starkregenkarte soll Kommunen helfen
Verfahren
Mit dem Leitfaden „Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg“ stellt die Landesregierung Kommunen ein einheitliches Verfahren zur Verfügung, um Gefahren und Risiken zu analysieren und kommunale Starkregenkarten zu erstellen. Mithilfe der Karten können Kommunen einschätzen, wo sich Oberflächenabfluss sammelt und abfließt. Auf dieser Grundlage werden dann Maßnahmen erarbeitet.
Zukunft
Vom Gammelshäuser Gemeinderat gab es ein Lob an die Verwaltung, die Feuerwehr und den Bauhof. Einige Gemeinderäte baten um eine schnelle Aufarbeitung und eine Analyse der Geschehnisse. Was ist wo passiert? Welche schnellen Maßnahmen sind denk- und umsetzbar? Zur Sprache kam auch das schon vor den jüngsten Ereignissen mit Heiningen, Eschenbach und Schlat zusammen geplante Starkregenrisikomanagement, das es unbedingt voranzutreiben gelte.