Der Protest gegen die Pläne des Landratsamtes Ludwigsburg war groß. Als viel zu teuer und nicht ausreichend wurde das ursprüngliche Konzept für die Ganztagsbetreuung an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) kritisiert. Nun zeigt der Kampf der Eltern mit körperlich oder geistig behinderten Kindern Wirkung.
Um dem Rechtsanspruch auf eine ganztägliche Betreuung nachzukommen, hatte die Verwaltung ein Pilotprojekt für Erstklässler entworfen, das an der Schule am Favoritepark in Ludwigsburg im September starten soll. Es ist auf zwei Nachmittage in der Woche, insgesamt sechseinhalb Stunden, und auf die Ferienzeiten beschränkt. Dafür war eine Elterngebühr von monatlich 982 Euro vorgesehen, die elfmal im Schuljahr zu zahlen ist.
Bereits 1200 Unterschriften in wenigen Wochen
Anfang April hatte eine Elterngruppe um drei Personen daher eine Onlinepetition erstellt, um den Landkreis aufzufordern, das Konzept nachzubessern. Sie sieht den gesetzlichen Anspruch nicht erfüllt und fordert eine bezahlbare Lösung, die den betroffenen Familien eine tatsächliche Entlastung bringt. Rund 1200 Unterschriften sind dafür bereits gesammelt worden.
Zwar wurde die erste Version der Benutzungs- und Gebührensatzung im März schon vom Schulausschuss mehrheitlich beschlossen. Der Kreistag hat jedoch nicht, wie ehemals geplant, am 24. April darüber final abgestimmt. Der Grund: Das Konzept wird als Reaktion auf den Elternprotest überarbeitet.
Die politischen Gremien sollen erneut über die Ganzbetreuung an den SBBZ und die damit verbundenen Gebühren beraten, heißt es aus dem Kreishaus. Nach jetzigem Stand sollen demnach die endgültigen Rahmenbedingungen am 17. Juli festgelegt werden.
Verwaltung will sich mit den Eltern austauschen
Positiv überrascht zeigt sich das Organisationsteam der Petition. „Uns hat es gefreut, dass wir Gehör gefunden haben“, sagt Nicole Dries. Um den Entscheidungsprozess weiterhin konstruktiv zu begleiten, wurde die Onlinepetition verlängert. Sie läuft bis zum Sommer: https://www.openpetition.org/!ganztagesbetreuunglb
Weil die Gruppe sich wünschte, dass die Eltern in die weiteren Planungen eingebunden werden, hatte sie auch die Fraktionen des Kreistags mit ihrem Anliegen angeschrieben. Das Landratsamt hat bereits angekündigt, dass der zuständige Dezernent sich mit den Eltern persönlich austauschen werde.