Garnisonkirche Potsdam Turmhohe Provokation
Der Turm der Potsdamer Garnisonkirche steht wieder. Selten wurde über einen Wiederaufbau heftiger gestritten. Welchem Zweck soll das Bauwerk dienen?
Der Turm der Potsdamer Garnisonkirche steht wieder. Selten wurde über einen Wiederaufbau heftiger gestritten. Welchem Zweck soll das Bauwerk dienen?
Seit dem Turm von Babel haben sich wohl um keinen anderen Turm so viele Mythen gerankt wie um den der Potsdamer Garnisonkirche. Er war ein Symbol des Militarismus, preußischer Großmannsucht und deren Verbrüderung mit dem Ungeist der Nazis, wurde im Krieg zerstört, von der DDR abgeräumt – nun steht er wieder. Am Donnerstag hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das umstrittene Monument eröffnet.
In der Garnisonkirche, errichtet vom „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. (1688-1740), lag dieser neben seinem Sohn, Friedrich dem Großen (1712-1786), bestattet. So wurde sie zum Wallfahrtsort der Glorifikateure des Preußentums. Als Adolf Hitler Reichskanzler wurde, feierte er dort einen „Tag von Potsdam“, um die Versöhnung der alten mit der neuen, braunen Elite zu zelebrieren. Mit von der Partie war neben Reichspräsident Paul von Hindenburg auch der unselige Kaisersohn Wilhelm von Preußen, der sich damals noch Kronprinz nannte und dessen Nazinähe zum Stolperstein für Regressansprüche seiner Hohenzollersippe wurde.
Welche Zweck hat es, solch ein Bauwerk neu in die Welt zu stellen? Zu den ersten Befürwortern eines Wiederaufbaus zählte ein rechtsextremer Bundeswehroffizier aus dem Westen. Bei linken Kritikern ist der neue Höhepunkt in der Potsdamer Skyline als „Nazikirche“ verschrieen. „Der Turm könnte zum verhängnisvollen Wahrzeichen werden“, mahnte der „Spiegel“. „Die Sorge, mit dem Kirchturm sei die Heraufkunft eines Neupreußentums zu befürchten, greift pathetisch ins Leere“, widersprach die „FAZ“. Für den Bundespräsidenten soll der steinerne Gedenkort daran erinnern, „welches Unheil nationale Raserei, Rassenwahn und Eroberungspolitik über Deutschland und Europa gebracht hat“.