Garnisonsschützenhaus in Stuttgart Neuer Ärger um das „Haus der Stille“

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Die Verwaltung hat die Öffnung des Garnisonsschützenhauses am Tag des offenen Denkmals erst in der Woche vor der Veranstaltung genehmigt. Die Mitglieder der Initiative, die sich für eine Wiederbelebung des Hauses einsetzen, werten das Vorgehen der Stadt als unkooperativ.

Vergangenes Jahr haben mehrere Veranstaltungen im  Garnisons- schützenhaus stattgefunden, die allerdings laut Stadt eher „internen“ Charakter hatten. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Vergangenes Jahr haben mehrere Veranstaltungen im Garnisons- schützenhaus stattgefunden, die allerdings laut Stadt eher „internen“ Charakter hatten. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Initiative „Garnisonsschützenhaus – Haus der Stille“ bemängelt die schlechte Zusammenarbeit mit dem Liegenschaftsamt. Der Projektverantwortliche Christian Dosch macht seine Kritik vor allem an der Vorbereitung für den Tag des offenen Denkmals am Sonntag fest. Zwei Monate hat es gedauert, bis sicher war, dass das Garnisonsschützenhaus am Dornhaldenfriedhof nun für Führungen geöffnet werden darf, bemängelt Dosch. Er habe vor mehreren Wochen eine telefonische Zusage vom Liegenschaftsamt erhalten, behauptet er. Diese sei jedoch – trotz mehrfacher Nachfragen – nie schriftlich bestätigt worden. Die Stadt kontert: Man habe im Juli einen Koordinator für das Projekt benannt, der versucht habe, mit Dosch Kontakt aufzunehmen – gerade im Hinblick auf den Denkmaltag. Dosch habe sich viel zu spät zurückgemeldet, so die Kritik der Stadt. Dieser begründet die Verzögerung mit einem Auslandsaufenthalt. Nun steht die Zukunft des Projekts auf der Kippe.

Die Frage der Haftung war nicht geklärt

Das Amt erklärt, man habe Dosch vorgeschlagen, ob man nicht gemeinsam über Möglichkeiten nachdenken könne, „wie dem Publikum das Engagement der Initiative und das Garnisonsschützenhaus – eventuell anhand von Plänen“ präsentiert werden könnte, weil man eine Öffnung des Gebäudes am Denkmaltag „aufgrund des baulichen Zustands für zu riskant“ halte. Auch die Frage der Haftung sei offen. Zu dieser Aussprache ist es aber offenbar nicht gekommen.

Dosch schrieb stattdessen am vergangenen Sonntag einen offenen Brief an ­Kommunalpolitiker, Medienvertreter und Verwaltung, in welchem er nicht nur die bis dahin nicht erfolgte endgültige Zusage zum Denkmaltag beklagt, sondern generell die Zusammenarbeit des städtischen Liegenschaftsamts mit der Initiative in den ­vergangenen Monaten erheblich kritisiert. So gebe es dort „keine Kommunikationsstruktur“, man sehe die Initiative als ­„Investor“. Dosch bemängelt zudem, dass es in der Vergangenheit „keinen bestimmten Ansprechpartner für die Projektbegleitung“ gegeben habe.

Daraufhin erteilte das Liegenschaftsamt am Montag schriftlich die Genehmigung für die Öffnung am Denkmaltag. ­Allerdings unter der Voraussetzung, dass die Initiative die rechtliche Verantwortung allein auf sich nimmt. „Die Stadt ist von ­allen direkten und indirekten Schadenersatzsprüchen frei zu halten“, heißt es in dem Antwortschreiben des Liegenschaftsamts an Christian Dosch. Für den Projektverantwortlichen ist das Verhalten der Verwaltung in Bezug auf den Denkmaltag dennoch „absurd“. „Es hat den öffentlichen Druck gebraucht, damit wir das Haus öffnen können“, ist er überzeugt. Das Liegenschaftsamt gibt auch in diesem Fall die Kritik zurück: Die Schreiben hätten sich „überschnitten“, eine offizielle Absage sei nie erteilt worden. Man habe die Öffnung genau prüfen müssen. Bisherige Führungen seien „interne Veranstaltungen“ gewesen, heißt es aus dem Rathaus.

Christian Dosch möchte sich aufgrund der aus seiner Sicht unbefriedigenden Zusammenarbeit aus dem Projekt zurückziehen. „Das ist ein bewusster Schritt und ein Zeichen, dass es so nicht geht.“ Er habe sich eine „andere Betreuung und Begleitung“ von der Stadt gewünscht. Er sehe „strukturelle Defizite“ im Umgang mit bürgerschaftlichem Engagement. Am 10. Oktober soll es nun einen Infoabend geben, bei dem man ein neues Team zusammenstellen möchte. Die Verantwortung für die Zukunft des Projekts liegt aus Doschs Sicht auch bei der Stadt. Dort wiederum ist man über so manchen anderen Vorwurf überrascht: Denn das Projekt Garnisonsschützenhaus enthalte „eine Vielzahl von Fragestellungen die mehrere Rechtsbereiche“ betreffen. „Abstimmungen sind mitunter aufwendig und zeitintensiv“, heißt es weiter in der Erklärung der Stadt. Eine mangelnde Kooperationsbereitschaft wollte man sich daher nicht unterstellen lassen.

Das Garnisonsschützenhaus soll ein Ort der Ruhe und Einkehr werden. Die Gruppe von Stuttgarter Kulturschaffenden und Kreativen unter der Leitung von Dosch wurde im Frühjahr 2014 auf das Gebäude am Dornhaldenfriedhof aufmerksam. Auch damals machte man in einem offenen Brief auf die historische Bedeutung des 1893 entstandenen Garnisonsschützenhauses aufmerksam und bat die Stadt, die Bürger bei einer zukünftigen Nutzung zu beteiligen. Im Zuge eines Konzeptwettbewerbs im vergangenen Jahr setzte sich die Initiative durch. Der Gemeinderat räumte dieser gegen Bedenken der Verwaltung eine zeitlich befristete Chance ein, das Projekt zu stemmen. Die Frist zur Klärung baulicher Fragen wurde bis Ende 2016 verlängert.

Seit dem Jahr 2009 steht das Gebäude bereits leer. Die Stadt hat versucht, das denkmalgeschützte Ensemble zu veräußern. Doch aufgrund der Lage im Landschaftsschutzgebiet, der direkten Friedhofsnähe und einer fehlenden Genehmigung für die Nutzung des Gebäudes war es für potenzielle Käufer offenbar lange Zeit uninteressant.

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