Garten-Fotografie So fotografieren Profis Gärten
Gartenfotografen rücken Pflanzen ins beste Licht. Drei renommierte Fotografen verraten, wie sie das blühende Konzept eines Gartenarchitekten inszenieren.
Gartenfotografen rücken Pflanzen ins beste Licht. Drei renommierte Fotografen verraten, wie sie das blühende Konzept eines Gartenarchitekten inszenieren.
Stuttgart - Gartenfotografen prägen mit ihren Bildern die Sicht auf Parks und Gärten. Martin Staffler ist einer von ihnen. Er sichtet, verschlagwortet und bearbeitet Gartenfotos am Computerbildschirm in seinem Büro im Souterrain. Eine wenig spannende Routinearbeit. Bei einem Blick aus dem Fenster sieht er, wie sich eine Schmalbiene in seinem Vorgarten auf der Persischen Rose niederlässt. Sofort schnappt er sich die Kamera mit dem Makroobjektiv und flitzt in den Garten.
Das Ergebnis ist ein farbenfroher Schnappschuss der kleinen Wildbiene. „Ich fotografiere viel in unserem naturnahen Garten und unserem Wohnort Stuttgart mit seinen vielen Parks. Da habe ich kurze Wege und kann gleich bei gutem Licht rausgehen“, sagt der studierte Landschaftsarchitekt.
Anstatt einen Job als Landschaftsarchitekt zu suchen, bewarb er sich nach dem Studium für ein Volontariat bei einem großen Verlag in Offenburg. Er habe schon immer eine journalistische Ader gehabt, sagt er. Dort hat er als Bildredakteur für eine Gartenzeitung gearbeitet, kennt also die Arbeit und Wünsche einer Gartenredaktion. Nach einigen Jahren wagte Martin Staffler den Sprung in die Selbstständigkeit als Gartenfotograf und Gartenjournalist.
Sein gärtnerisches Fachwissen und die Vernetzung in der grünen Szene helfen ihm bei der Suche nach fotogenen Staudenbeeten, Gärten und interessanten Geschichten über Gartenbesitzer. Es sei eine Kombination aus fotografischem Wissen um Kameratechnik und Licht sowie Kenntnisse über Pflanzen, wann sie blühen und welche Pflanzen für die Leser interessant sind, sagt Staffler.
Als Gartenfotograf arbeitet er im Freien mit dem natürlichen Licht, statt in einem Fotostudio. Wichtiger als technisches Zubehör für die Ausleuchtung sei ein Stativ und morgens früh bei Sonnenaufgang in den Gärten zu sein. Mittags hat der Gartenfotograf Pause, erst das Abendlicht eignet sich wieder zum Fotografieren. Es kommt vor, dass man trotz Abgleich mehrerer Wetter-Apps die Fahrt zu einem Garten antritt und das Wetter wolkig oder regnerisch ist und man ohne Fotos heimkehrt.
Sibylle Pietrek lichtet Blüten dagegen losgelöst aus deren Umgebung in ihrem Studio ab. Das macht sie für solche Stillleben-Blumenporträts unabhängig von Licht und Wetter. Sie machte nach der Schule eine Ausbildung als Werbefotografin. Das führte sie für drei Jahre nach Paris in ein Studio für Werbe- und Katalogfotografie, eine eher nüchterne Tätigkeit.
Vor 29 Jahren machte sie sich in Düsseldorf mit eigenem Studio selbstständig. Die Auftragslage war gut, aber die Werbewelt auch eng getaktet und hektisch. Das ließ sich mit ihrer jungen Familie nicht gut unter einen Hut bringen. Sie erinnerte sich, sagt sie, an ihre eigentliche Leidenschaft: Blumen- und Gartenfotografie. Pietrek nahm Kontakt zu Verlagen auf, die ersten ihrer Fotos erschienen in kleinen Geschenkbüchern.
Die Gartenfotografie kam durch ihre Leidenschaft für Reisen zustande. Es entstanden Gartenreportagen in den Niederlanden, Frankreich, England und Italien. Mehrere ihrer Gartenreportagen wurden in „Gardens Illustrated“, einem renommierten englischen Gartenmagazin, veröffentlicht. „Das ist wie ein Ritterschlag“, sagt Sibylle Pietrek, „wenn eine englische Gartenzeitschrift im Mutterland der Gärten deine Bilder veröffentlicht.“
Das fehlende gärtnerische Wissen macht sie mit ihrem gestalterischen Wissen wett. „Bei der richtigen Bezeichnung einer Pflanze unterstützen mich die Gartenbesitzer, ich lerne viel bei den Gartenbesuchen“, sagt sie. Doch auch bei ihr läuft die Hälfte der Arbeitszeit weniger romantisch am Rechner ab. Pietrek: „Kein Foto geht ohne Bearbeitung raus.“
Das betrifft die Auswahl des Bildausschnitts, die Farbtönung, Licht und Schatten, Kontraste. Ein Foto muss für sie gestalterisch ansprechend sein, eine gewisse Stimmung vermitteln. Da kommt wieder die Werbefotografin und Künstlerin in ihr durch.
Ferdinand Graf Luckner fokussiert in den Gärten nicht die einzelne Blume, er betrachtet den Garten als Raum. Der Diplom-Fotodesigner erhielt jüngst einen Fotografenpreis im Rahmen der Auszeichnung „Gärten des Jahres“ (ein Buch dazu erschien im Callwey-Verlag). Er arbeitete nach dem Studium Fotografie und Film-Design als Assistent in einem Fotostudio, das Hausreportagen für Wohnzeitschriften ins Bild setzte.
Über die Fotografie von Häusern und Innenausstattung machte Luckner seinen Weg zur Gartenfotografie. Die Wohnreportagen endeten zu seinem Leidwesen an der Schwelle zum Garten, obwohl der nach seiner Meinung auch zum Haus gehört. „Das sind innen wie außen Räume“, sagt er. So ließ er mit der Zuwendung zur Gartenfotografie eine alte Liebe wieder aufleben – als Jugendlicher hatte er sich sein Taschengeld mit Gartenarbeit verdient.
In Zusammenarbeit mit bekannten Gartenarchitekten entstanden die ersten Gartenreportagen. Der Austausch und die Kooperation mit den Gartenarchitekten, die die Gärten meist planen und anlegen, seien für ihn spannend. Luckner nähert sich dem Raum eines privaten Gartenbesitzers zurückhaltend und einfühlsam: „Man muss sich erst dem Menschen nähern, bevor man dessen Garten erfassen kann, oder das verstehen kann, was der Gartenarchitekt ausdrücken wollte.“
Mit seinen Fotos, sagt Luckner, möchte er eine Geschichte erzählen von einem Ort und von den Menschen. Seine Bildreportage soll sich wie ein virtueller Spaziergang lesen. Den Duft dazu muss sich der Betrachter dann aber schon selbst vorstellen.