Garten mit 50 000 Rosenstöcken Königin Rose und ihr Hofstaat

Blick auf prächtig blühende Rosen im Garten in Zweibrücken. Foto: Rosengarten Zweibrücken/RZ

Garten der Superlative: So blüht und duftet es im ältesten Rosengarten Deutschlands und dem drittgrößten Rosarium der Welt. Ein Besuch in Zweibrücken.

Zweibrücken - Rosen zählen zu den ältesten Wild- und Kulturpflanzen auf der nördlichen Erdhalbkugel. Aus fossilen Funden weiß man, dass die ersten Rosen wohl schon vor 25 bis 30 Millionen Jahren blühten. Die Faszination hält an; der Zentralverband Gartenbau vermeldet, dass Rosen mit über 40 Prozent weit vorn rangieren, was die Beliebtheit bei Schnittblumenkäufen in Deutschland betrifft.

 

Anregungen, was es alles für Sorten gibt, bekommen Blumenfreunde im Rosengarten Zweibrücken, der im Jahr 1914 von Prinzessin Hildegard von Bayern feierlich eröffnet wurde – die Besucher konnten sich am Duft von über 42 000 Rosen erfreuen. Bis heute werden im ältesten Rosenneuheitengarten die aktuellsten Sorten internationaler Rosenzüchter präsentiert.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist der Park in der Obhut der pfälzischen Stadt Zweibrücken, er wurde neu gestaltet und durch Stauden und zierende Gehölze ergänzt. Seither ist die Parkanlage kein Rosarium im klassischen Sinne, sondern ein Garten, in dem sich die Königin Rose mit ihrem Hofstaat präsentiert.

mehr als 50 000 Rosen im Garten

Seit 2011 wird der Rosengarten vom Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken verwaltet. Mit einer Größe von fast 50 000 Quadratmetern zählt er zu den größten Gärten Europas, und er ist das drittgrößte Rosarium der Welt. Über 50 000 Rosen in rund 1500 Sorten werden kultiviert, begleitet von 900 Staudensorten sowie 250 Gehölzvarietäten.

Bei einer Tour durch den Garten erklärt der gärtnerische Leiter Heiko Hübscher, dass alle Gattungen und Arten naturgemäß kultiviert werden. „Früher“, sagt Heiko Hübscher, „wurden die Rosen jährlich etwa 14-mal mit Pflanzenschutzmitteln gespritzt.“ Heute werden die Sorten praktisch ohne den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel kultiviert und darauf geachtet, dass Nützlinge in der Gesamtanlage sich wohlfühlen und für die Gesundheit der Rosen sorgen.

Eine Besonderheit ist der sogenannte Hochstammgarten, bei dem die einzelnen Sorten in runden Beeten vorgestellt werden. Sie sind dekorativ mit Stauden unterpflanzt. Auch die Floribundarosen fühlen sich in solchen runden Beeten sehr wohl.

Kletterrosen und Schwertlilien

Vorbei am Rhododendronwald mit üppig blühenden Sorten gelangt man in den Bereich der Kletterrosen. Sie werden nach ganz besonderen Gesichtspunkten kultiviert. Heiko Hübscher zeigt, wie sich die kräftigen Triebe an den stabilen Säulen entwickeln und immer wieder von der Basis aus junge Triebe nach oben geleitet werden.

Neben den Rosen beeindrucken in Zweibrücken auch üppig blühende Schwertlilien, etwa die zweifarbig blühende Sorte „Skating Party“ und die tief dunkelblau blühende Sorte „Char Cool“. Andere prächtige Staudengattungen sind Arten und Sorten der Gattung Geranium, etwa der Kaukasus-Storchschnabel Geranium renardii oder auch Sorten von Geranium sanguineum. Konkurrenz bekommt die Rose von Rhododendren, die im sogenannten Rhododendronwald blühen.

Heiko Hübscher erklärt, dass viele der Exemplare vor etwa zehn Jahren auf einen Meter Höhe zurückgeschnitten wurden und sich seither sehr üppig zu prächtigen Exemplaren entwickeln. Eine Besonderheit ist auch die Clematis-Hybride „Dr. Ruppel“, die hier in einer solchen Blütenpracht gedeiht, wie sie in dieser Form nur selten zu sehen ist.

Eine Edelrose namens „Heilbronner Sonne“

Im Zentrum des Interesses des Besucher stehen aber natürlich die Rosenneuheiten. Etwa die Edelrose „Heilbronner Sonne“. Erstmals wurde sie auf der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn vorgestellt. Die Neuheit von Andrea Braun aus Schwarzach im Neckar-Odenwald-Kreis entstand nach sieben Jahren intensiver Züchtungsarbeit.

Es handelt sich um eine robuste Teehybride mit einer Wuchshöhe von etwa 80 Zentimetern. Sie bildet auffallend dunkelgrüne, glänzende Blätter aus. Die gelben Blüten duften süß, sie erscheinen zunächst in dichter Füllung. Sobald sie aber voll erblüht sind, präsentieren sie ihre zahleichen Staubgefäße und werden dann ständig von vielen Bienen und Insekten angeflogen. Sie fühlt sich als Ziergehölz im Garten wohl, lässt sich aber auch als Kübelpflanze kultivieren.

Eindrucksvoll ist auch die im Juni 2020 als „Goldene Rose“ ausgezeichnete Kletterrose „Perennial Red Domino“. Sie stammt von dem Züchterhaus Tantau aus Uetersen und wurde in Baden-Baden beim 68. Internationalen Rosenneuheiten-Wettbewerb als „Goldene Rose“, als schönste Neuzüchtung, gekürt. Erstmals ging der international bedeutende Preis an eine Kletterrose. Sie erhielt zudem den Ehrenpreis der Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde und die Goldmedaille in der Klasse der Kletterrosen.

Rosen für den heimischen Garten

Die zum Typ der „Ramblerrosen“ zählende Rose entwickelt sich zu einer dicht begrünten Säule, die von unten bis in die Spitze mit dunklen, weinroten Blütenbüscheln übersät ist. Die Jury lobte auch den leichten Duft, ihre Anziehungskraft auf Bienen und Hummeln sowie ihre ausgeprägte Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten. Die „Perennial Red Domino“ schiebt über die gesamte Saison immer wieder Blüten nach. Voraussichtlich kommt die Neuzüchtung nächstes Jahr in den Handel.

Bis dahin lassen sich diese und andere Blumenschönheiten in Zweibrücken bewundern. Wer sich nicht trennen mag: Im Rosenladen sind Rosenbesonderheiten für den Garten daheim zu kaufen, etwa – auch für adelsinteressierte Gartenfreunde interessant – die Englischen Rosen, die als Steinfurther Qualitätsrosen angeboten werden. Besonders prächtig blühte jüngst die Sorte „Princess Alexandra of Kent“.

Info zum Garten

Der Rosengarten in Zweibrücken wurde unter der Obhut des „Verein Pfälzischer Rosenfreunde“ 1914 eröffnet und ist bis heute mit eine Topadresse für Rosen- und andere Blumenfreunde. Öffnungszeiten im Juli und August: 9 bis 20 Uhr, September bis 19 Uhr, Oktober bis 18 Uhr. Montags ist der Garten erst ab 11 Uhr geöffnet. www.rosengarten-zweibruecken.de Adresse: Rosengartenstraße 50, 66482 Zweibrücken, Tel.: 0 63 32 / 9 21 23 02.

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