Garten Wie Schmetterlinge sich Gärten wünschen
Lesenswert aus dem Plus-Archiv: Elke Schwarzer weiß, auf welche Blumen und Sträucher die Schmetterlinge fliegen. Ihr Garten ist ein Insektenparadies. Ein Besuch.
Lesenswert aus dem Plus-Archiv: Elke Schwarzer weiß, auf welche Blumen und Sträucher die Schmetterlinge fliegen. Ihr Garten ist ein Insektenparadies. Ein Besuch.
Bielefeld - Ein gelber Zitronenfalter lässt sich auf den violettrosa Blüten des Lerchensporns nieder. Gern mag er auch Blüten in seiner Flügelfarbe wie Löwenzahn und Frühlingsprimeln. Den Zitronenfalter sieht man noch relativ häufig, er fliegt früh im Jahr, weil er als Schmetterling überwintert hat. Dazu lässt er sich an einem Ast sitzend, im immergrünen Dickicht von Efeu oder Stechpalme einfach einfrieren.
Die ab März durch die Gärten gaukelnden Männchen suchen nach den grünweiß gefärbten weiblichen Faltern. Nach einem wilden Balzflug sucht das Weibchen nach Sträuchern des Faulbaumes oder Kreuzdorns, an dem es die Eier ablegt. „Schon mit einem gepflanzten Faulbaum lockt man den Zitronenfalter in seinen Garten“, sagt Elke Schwarzer.
Die Bielefelderin hat ihren Stadtgarten so bepflanzt, um Schmetterlinge und ihre Raupen anzulocken. Der Faulbaum ist nicht der dekorativste Gartenstrauch, aber wertvolles Futter für Schmetterlingsraupen. Würde er Zitronenfalterstrauch heißen, würde er vielleicht häufiger in unseren Gärten gepflanzt. Die grünen Raupen fressen dabei sehr diskret an den Blättern und verstehen sich zu tarnen. Weiß man, wo man suchen muss, entdeckt man sie leicht.
Elke Schwarzer kennt ihre Flattermänner, weiß, wo sie in ihrem Garten nach Raupen und den winzigen Eiern suchen muss. Und es tummelt sich einiges in ihrem nur 70 Quadratmeter kleinen Reihenhausgarten mitten in der Stadt.
Die Diplom-Biologin hat aus dem einst öden Hinterhausgarten ein Falter- und Insektenparadies gemacht. Vorher bestand der Garten nur aus Rasenfläche und beherbergte einen Rhododendron, Korkenzieherhasel, Kriechwacholder und eine weißbunte Japanische Weide.
Elke Schwarzer wünschte sich einen Garten für Bienen und Schmetterlinge. Bei der Auswahl der neu gesetzten Pflanzen bevorzugte sie heimische Stauden und Zwiebelpflanzen, solche mit einfachen offenen Blüten. Dazu umranken Wildrosen den Rosenbogen und Strauchrosen geben dem Garten eine dritte Dimension. Für den kleinen Garten wählte sie solche Sorten, die kaum Ausläufer machen.
Mit einer Blütenvielfalt kann man die häufigsten Tagfalter wie Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Zitronenfalter als Blütengäste in den Garten locken. Duldet man zudem eine Brennnessel-Ecke am Komposthaufen oder in einer wilden Gartenecke, fördert man gleich mehrere der „Big Five“ unter den Tagfaltern. An Brennnesseln fressen die Raupen von Admiral, C-Falter, Distelfalter, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge und einige weitere.
Im Garten von Elke Schwarzer schlingt ein Geißblatt an der anderen Seite des Rosenbogens empor, mit seinen Röhrenblüten ist es eine willkommene Nektarquelle für das langrüsselige Taubenschwänzchen. Die Blüten der Spornblumen, Phlox und Balkongeranien fliegt es ebenfalls eifrig an. Es lässt sich tagsüber beobachten, obwohl der Wanderfalter zu den Nachtfaltern gehört. Es steht schwirrend wie ein kleiner Kolibri vor den Blüten.
Mit den wärmeren Sommern kann man das Taubenschwänzchen auch hier weit im Norden beobachten. „Wenn man so will, gehört das Taubenschwänzchen zu den Klimagewinnern“, sagt Elke Schwarzer. „Als Wanderfalter reist es jedes Jahr aus Südeuropa an. In milden Wintern scheint das Überwintern der Falter in unseren Breiten zu gelingen. Aber eine Raupe des Taubenschwänzchens habe ich noch nicht gefunden, das wäre ein Highlight in meinem Schmetterlingsgarten.“
Einer ihrer Lieblingsfalter ist der kleine, aber auffällige Aurorafalter. Die Männchen prahlen mit orangefarbigen Flecken auf den Flügeln. Die versteckt lebenden Weibchen ähneln kleinen Kohlweißlingen. Im Frühling flattern die Falter gern auf Wiesen mit blühendem Wiesenschaumkraut umher.
Im Garten kann man die Raupen und Falter durch Pflanzung des Silberblattes (Lunaria annua), Rauhaariger Gänsekresse (Arabis hirsuta) und Knoblauchsrauke fördern. Die Raupe frisst an den sich entwickelnden Samenständen der Futterpflanzen. Auch die Verpuppung findet hier statt, die Puppe bleibt dort bis zum nächsten Frühjahr. Die Raupe hat Glück, dass Gärtner beim Silberblatt auch die trockenen Samenstände als Zierde schätzen.
Doch das Aufräumen des Gartens im Herbst wird den Tieren oft zum Verhängnis, wenn alle trockenen Stängel geschreddert werden. Besser im Herbst die Schere ruhen lassen, die Zierde des Silberblattes genießen und erst im Frühjahr den Staudenrückschnitt durchführen, lautet der Tipp von Elke Schwarzer.
Laub und Schnittgut sind zudem gesuchte Überwinterungsplätze für Nachtfalterraupen. Die Schmetterlingsexpertin rät beim Schnitt von Ziersträuchern, zum Auslichten alte Zweige am Boden zurückzuschneiden, statt einen runden „Hausmeisterschnitt“ durchzuführen. Schmetterlinge bevorzugen oft Zweigspitzen oder Zweiggabelungen für die Eiablage, diese fehlen beim Rundschnitt der Sträucher. Als Schlafplatz für Tagfalter bietet sie eine mit Efeu berankte Mauer an.
Findet man im Herbst im Gartenschuppen scheinbar tote Schmetterlinge, sollte man sie nicht stören oder aufwärmen. Die Falter ziehen sich zum Überwintern gern in Schuppen oder auf Dachböden zurück, das liegt ihnen mehr als gekaufte Schmetterlingshäuser. Die Gartenbesitzer sollten den Faltern im Frühjahr nur Türen und Fenster öffnen, dann finden sie von allein zurück in den Garten. Wie bestellt fliegt gerade ein Faulbaumbläuling durch den Garten.
Gartenbesitzerin Elke Schwarzer hat ein Buch zum Thema geschrieben: Mein Schmetterlingsgarten. Ulmer Verlag, Stuttgart, 16,95 Euro.
Nektarpflanzen für Schmetterlinge anbieten, rüsselgerecht sind langröhrige Blüten der Nelkengewächse, Korbblütler, Lippenblütler.
Raupenfutterpflanzen ansiedeln: Faulbaum, Liguster, Brennnesseln, Fenchel.
Schlafplätze für Schmetterlinge schaffen: Efeuhecke, Holzstapel, Reisighaufen.Trockenmauern dienen als warmer, windgeschützter Platz.
Stauden- und Strauchrückschnitt erst im Frühjahr machen, da hier alle Entwicklungsstadien überwintern können.
Keine Pflanzenschutzmittel im Hausgarten einsetzen.