Garten winterfest machen Esslinger Paar rät zu Gelassenheit: „Wir schaffen, was wir können“

Noch blühen die Wandelröschen. Wenn Helga Hinderer sie zurückgeschnitten hat, ziehen sie ins Winterquartier im Haus um. Foto: Gaby Weiß

Helga und Werner Hinderer bereiten ihren üppigen Schattengarten auf den Winter vor. Sie sind gelassene Gärtner. Dennoch blüht es auch jetzt noch in ihrem grünen Paradies in Esslingen.

Ein bisschen Urwald und ganz viel grünes Paradies – das ist der Esslinger Garten von Helga und Werner Hinderer: Hohe alte Bäume sorgen an heißen Tagen für ein angenehmes Klima. Schattengewächse fühlen sich hier ausgesprochen wohl und sind das ganze Jahr über grün. Dazwischen finden sich sogar jetzt noch im Spätherbst jede Menge bunte Farbtupfer wie gelber Jasmin, spanische Gänseblümchen, Wandelröschen in Gelb und Orange und einzelne leuchtende Rosenblüten. Bevor der Winter Einzug hält, hat das Ehepaar im Garten noch jede Menge zu tun.

 

Helga Hinderer ist eine gelassene Gartenbesitzerin: „Wir schaffen, was wir können. Der Rest bleibt eben liegen. Der Garten soll uns keinen Stress machen, sondern Freude bringen.“ Dieser Tage ist die 84-Jährige vor allem damit beschäftigt, noch einmal das gröbste Unkraut zu jäten und manche Pflanzen vor dem Winter zurückzuschneiden. „Die Geranien zum Beispiel. Bei meinen Wandelröschen tut mir das jedes Jahr leid. Statt im Sommer blühen sie immer erst im Herbst. Aber sie müssen zum Überwintern ins Haus.“ Werner Hinderer transportiert die großen Kübelpflanzen wie Zitronenbäumchen und Oleander von der Terrasse in die Waschküche.

Esslinger Garten im Winter: Abgetrocknete Blüten sorgen für Farbtupfer

Auch im November blüht es im schattigen Esslinger Garten der Familie Hinderer. Foto: Gaby Weiß

Überraschend viele Pflanzen bleiben in Hinderers Garten über den Winter draußen: Die üppig-dichten dunkelgrünen Kirschlorbeerpflanzen in ihren blauen Keramiktöpfen, die kräftige Olive und die große Fächerpalme. Die Bananenstauden, die ursprünglich vom Lago Maggiore stammen und immer wieder auch Früchte tragen, werden von oben eingekürzt und mit schützendem Sackleinen umwickelt. Dann überwintern sie im Schutz des efeuüberrankten Gartenhäuschens. Und die abtrocknenden Blüten der Fetten Henne sorgen genau wie die abgeblühten Dolden der Hortensienbüsche im Garten für einen dekorativen Winterschmuck.

Werner Hinderer ist dieser Tage in erster Linie damit beschäftigt, Laub zusammenzukehren. Denn neben riesigen Fichten finden sich im Garten auch jede Menge Laubbäume, die bei sinkenden Temperaturen nun ihre Blätter verlieren: „Heute früh war der Hauseingang mit den kleinen Blättern des Roten Ahorns übersät, in den nächsten Tagen fallen dann die Blätter vom Gelben Ahorn“, weiß Helga Hinderer aus Erfahrung. Werner Hinderer schwingt den Besen, damit man auf den großen alten Steinplatten, die kurvig durch den Garten führen, auch an feuchten Tagen sicher gehen kann. Auch der Walnussbaum verteilt seine Blätter auf dem Boden. Nur mit der im Frühjahr rosa-weiß blühenden Magnolie hadert Helga Hinderer ein wenig: „Jetzt im Herbst fallen die Blätter mit den langen harten Stielen, im Frühjahr liegen dann überall die Kapseln herum, und wenn man Pech hat und es Frost gibt, blühen sie gerade mal zwei Tage.“

Dem leuchtenden Laub des Roten Ahorns rückt Werner Hinderer im Moment täglich mit dem Besen zu Leibe. Foto: Gaby Weiß

Helga Hinderer würde in ihrem „Dornröschenwald“ durchaus den einen oder anderen Baum fällen lassen. „Aber mein Mann ist ein ‚Behalter‘, sein Herz hängt an jedem Baum“, lacht sie. Große Bambusbüsche zeigen, wo bis vor Kurzem noch ein Teich war: „Den haben wir jetzt aber tatsächlich aufgelöst, er musste jedes Jahr im Herbst geleert und die Fische mussten ins Aquarium umgesetzt werden, das wurde uns einfach zu viel“, erklärt Helga Hinderer.

„Hier darf’s wachsen“: Helga Hinderers entspannte Garten-Philosophie

Auch wenn sie den Efeu zurückschneidet, bevor er die Gartenwege überwuchert – von akkuraten Beeten hält Helga Hinderer in ihrem Garten nichts: „Hier darf’s wachsen. Ich kann auch mal großzügig drüber weggucken, wenn irgendwo Blätter herumliegen. Man ist in einem Garten sowieso niemals fertig“, erklärt sie ihre Garten-Philosophie. Zwei Stunden täglich verbringt sie mit Gartenarbeit. Wenn sie mal einen oder zwei Tage etwas anderes vorhabe und nicht dazukomme, müsse sie wieder tüchtig ran.

„Lass die Natur gewähren“ könnte als Motto über dem zehn Ar großen Gartengrundstück rund ums Wohnhaus der Familie stehen: Mal lässt sich Helga Hinderer vom Gärtner beim Pflanzenkauf beraten, mal kauft sie selbst im Gartenfachgeschäft ein, manchmal nimmt sie auch beim Discounter ein hübsches Pflänzchen mit: „Wenn sich die Pflanze hier bei uns wohlfühlt, dann funktioniert das auch. Wenn nicht, war’s immerhin den Versuch wert.“ Und vieles gedeiht hier prächtig: Winterharte Zwerg-Iris stecken bereits jetzt ihre Blätter heraus, eine Weinrebe aus dem Remstal trägt zwar keine Trauben, aber dafür hübsch gefärbtes Blattwerk, und eine robuste Fächerpalme steckt dem Besucher ihre handförmigen Blätter entgegen. „Viele unserer Pflanzen waren wirklich winzig, als wir sie eingepflanzt haben. Jetzt sind sie so groß gewachsen – in unserem Garten sieht man, wie die Zeit vergeht“, stellt Helga Hinderer nachdenklich fest.

Vorfreude auf den Frühling

Tiere
Auch tierische Besucher wie Eichhörnchen, Waschbär, Fuchs und jede Menge Vögel fühlen sich in diesem ursprünglichen Esslinger Garten wohl. „Wenn ich im Garten arbeite, sitzt nach kürzester Zeit immer ein Rotkehlchen neben mir“, freut sich Helga Hinderer.

Pflege
Fürs Düngen der Pflanzen ist Werner Hinderer zuständig. Und auch wenn der Garten durch große Bäume beschattet ist, muss in der warmen Jahreszeit immer wieder gegossen werden: „Alles, was in Töpfen wächst, braucht zusätzliches Wasser. Und Pflanzen, die frisch eingepflanzt sind, müssen gründlich angegossen werden“, erklärt Helga Hinderer.

Frühjahr
Obwohl sie auch die kalte Jahreszeit in ihrem Garten schätzt, freut sich Helga Hinderer jetzt schon auf den Frühling: „Dann blühen im ganzen Garten überall bunte Primeln. Die fühlen sich hier sehr wohl. Obwohl ich immer wieder welche ausreiße, weil es fast zu viele werden, werden es doch immer mehr.“

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Esslingen Garten Winter