Gartenhütten und Holzstapel angezündet Brandserie in der Region geht weiter

25 Feuerwehrleute am Brandort – in unmittelbarer Nachbarschaft zum Breitensteiner SpritzenhausFotos: SDMG/Dettenmeyer Foto:  

Wiederholt brennen in Schönaich und Weil im Schönbuch Holzstapel und Gartenhäuschen. Zuletzt am Dienstagmorgen in Breitenstein. Auch auf den Fildern brennt es immer wieder. Ist hier ein Feuerteufel am Werk?

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Im März und April hat es wiederholt in Schönaich und Weil im Schönbuch gebrannt. Am Dienstagmorgen nun auch im Weilemer Ortsteil Breitenstein, in den vergangenen Tagen aber auch in den Filderstädter Stadtteilen Bernhausen, Bonlanden, Sielmingen und Harthausen sowie in Esslingen selbst: Seit Wochen brennen an verschiedenen Orten in der Region vorzugsweise des nördlichen Schönbuchs und auf den Fildern immer wieder Holzstapel, Gartenhäuschen und Heuballen.

 

Zwar kam bei den Bränden bislang noch kein Mensch zu Schaden, die Brandserie in der Region wirft aber die Frage nach Zusammenhängen und einem oder mehreren Feuerteufeln auf: nach Menschen, die – aus welchen Motiven auch immer – vorsätzlich Brände legen. „Wir denken in diese Richtung. Wir können aber noch nicht sagen, ob es einen Zusammenhang gibt“, erklärt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigsburg am Dienstagvormittag unserer Zeitung. Sowohl der Modus operandi – also die Vorgehensweise des möglichen Täters, abgelegte Holzstapel oder Gartenhütten anzuzünden – als auch die geografische Nähe von Schönaich und Weil im Schönbuch zueinander nährten bei der Polizei den Verdacht, dass es sich um Brandstiftungen – womöglich aus einer Hand – handeln könnte.

Feuerteufel wüteten 2017 und 2018 in Jettingen

In der Vergangenheit hat es das Phänomen „Feuerteufel“ im Kreis Böblingen bereits gegeben – ab 2017 in Oberjettingen. Damals zündeten zu diesem Zeitpunkt unbekannte Täter eine Scheune an. Später gingen dort auch ein Holzschuppen, ein Unterstand und Strohballen in Flammen auf. Die Brandserie endete im Oktober 2018, nachdem der Besitzer des betroffenen Reiterhofes unter Einsatz seines Lebens zwei vom Feuer bedrohte Pferde gerettet hatte. 2019 wurden drei junge Männer, wovon einer bei der Freiwilligen Feuerwehr war, wegen siebenfacher Brandstiftung zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Ähnlich wie im Jettinger Fall fingen zuletzt verdächtig häufig Holzstapel und Gartenhütten ohne erkennbaren Grund Feuer. Im März brannten in Schönaich im Bereich der Steinenbronner Straße im Gewann „Roter Berg“ und im April dann im Gewann „Gurgeln“ Holzstapel. Am 12. April zündete ein mutmaßlicher Feuerteufel neben der Landesstraße 1185 in Schönaich ebenfalls zwei Holzstapel an. Das Feuer konnte gelöscht werden. Dabei blieb es aber nicht. Auch am Dienstag vergangener Woche wurde in Weil im Gewann „Osterhalde“ ein in Flammen stehender kleinerer Holzstapel entdeckt. Das Feuer erlosch wohl von selbst. Am Mittwoch brannte in Schönaich nördlich der Straße „Im Vogelsang“ und der Carl-Zeiss-Straße schließlich eine Gartenhütte vollständig ab. Die Polizei vermutet in Schönaich und Weil denselben Täter. Jetzt, am Morgen nach Ostermontag, mussten die Feuerwehren der Abteilungen von Weil, Breitenstein und Neuweiler erneut ausrücken. Diesmal in die Kleingartenanlage in der Weilerhalde – ganz in der Nähe vom Breitensteiner Schützenhaus. Gegen 8.45 Uhr stiegen von einem Gartengrundstück schwarze Rauchwolken empor. Die in der unmittelbaren Nachbarschaft des Brandorts angesiedelte Feuerwehr-Abteilung Breitenstein konnte schnell mit den Löscharbeiten des lichterloh brennenden Gartenhäuschens beginnen. „Ein wenige Meter entfernter Holzstapel brannte auch, die Flammen wurden aber rasch gelöscht, sodass wir ein weiteres Ausbreiten verhindern konnten“, erläutert Moritz Ehrmann, der Feuerwehrkommandant der Abteilung Breitenstein. „Der schwarze Rauch, der von Weitem zu sehen war, deutete darauf hin, dass hier auch Benzin oder Kunststoff brennt und nicht nur Holz“, sagt Ehrmann. Im Häuschen gelagerte benzinbetriebene Gartenmaschinen oder ein gefüllter Benzinkanister haben die Brandentwicklung vermutlich beschleunigt. Nach anderthalb Stunden Lösch- und Aufräumarbeiten war der Einsatz für die 25 Wehrleute beendet. „Die Gartenhütte stand bereits in Vollbrand, als wir eintrafen. Am Ende war das Häuschen ganz niedergebrannt“, so Ehrmann. Die Polizei schätzt den Schaden auf rund 6000 Euro.

Kriminalpolizei erwartet schwierige Ermittlungen

Ob Feuerwehrleute anhand des Brandgeschehens Indizien auf einen möglichen Feuerteufel sehen könnten? „Vermutungen, dass es sich hier um Brandstiftungen handelt und es Verbindungen zu den anderen Feuern geben könnte, kann ich keine anstellen. Das muss die Kriminalpolizei tun“, betont Ehrmann. Die Polizei erwartet schwierige Ermittlungen: „Feuer vernichtet Spuren. Dazu kommt das Löschwasser. Dennoch wird alles versucht, einen möglichen Zusammenhang zwischen den Bränden nachzuweisen und die Taten aufzuklären“, kündigt die Polizei-Pressesprecherin an.

Die Polizei bittet Zeugen, denen zu dem Breitensteiner oder den ähnlich gelagerten Fällen auch jenseits der Landkreisgrenze verdächtige Personen oder Fahrzeuge auffielen, sich unter der Telefonnummer 0800 / 1 10 02 25 zu melden.

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