Der 52-jährige Müslim Yazici ist seit mehr als zehn Jahren Teil des Internationalen Gartens, der von Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen bewirtschaftet wird. Damit gehört er zu den ersten Mitgliedern. Er habe immer einen Garten haben wollen, einen grünen Ort, an dem er grillen kann, für sich und seine Mitmenschen im Teekocher Tee zubereiten, seine Freizeit verbringen und an dem seine vier Kinder, damals sieben bis 18 Jahre alt, in Ruhe spielen können. Am allerliebsten baue und repariere er Dinge.
Mit den städtischen Gartenstückchen nebenan hat Müslim Yazici erst geliebäugelt. Im Rathaus erfuhr er dann vom Internationalen Garten – Ditzingen verpachtet dem Verein das 25 Ar große Grundstück. Damals wurden noch Leute gesucht, inzwischen sind alle Parzellen vergeben. Der Verein hat sich auf die Fahne geschrieben, durch gemeinsames Arbeiten im und am Garten soziale Kontakte herzustellen und die Verständigung zwischen Menschen und ihre Integration zu fördern. Die Hobbygärtner sind aus Syrien, Eritrea, China, Vietnam, Polen, Weißrussland, der Slowakei, der Türkei. Aber auch aus Deutschland. Ohne Deutsche könne er nicht integrieren, sagte Winfried Doerjer einmal. Der Initiator brachte das Projekt vor mehr als zwölf Jahren nach Ditzingen. Ihm gefielen die Internationalen Gärten, die es bis dato vor allem in Norddeutschland gab. Sein Plan, Zugehörigkeit zu schaffen, ging auf. Der Ortsverein der SPD verlieh dem Verein seinen Kulturpreis 2019 – „für gelebte Integration“.
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Am Anfang war nichts auf der Fläche, erinnert sich Müslim Yazici. Mittlerweile ist die Anlage so bunt, so vielfältig, wie es die Menschen sind, die sich darum kümmern. Bei Müslim Yazici, der seine Parzelle inzwischen mit einem anderen Türken bewirtschaftet, wachsen Peperoni, Paprika, Gurken, Tomaten, Kürbisse – „und viel Portulak“, sagt der 52-Jährige und grinst. Lange habe er das Kraut, schmackhaft im Salat, für Unkraut gehalten – und rausgerissen. Nun isst er die Pflanze. Und auch den Spinat, den ein paar Parzellen weiter ein Vietnamese anbaut. Das sei eine andere Art Spinat, die er zuvor noch nie gegessen habe, sagt Müslim Yazici. Sylwia Sieczkowska, die stellvertretende Vereinsvorsitzende, ergänzt, dass in jenem Garten auch ein Mix aus Gurke und Zucchini wachse. Sie selbst baut unter anderem polnische Tomatensorten an. „Die Leute fühlen sich besser, wenn sie auch etwas von sich und ihrer Kultur einbringen können. Sie schätzen es, wenn das Verständnis auch von anderer Seite kommt“, sagt die 33-Jährige. Sie kam im Jahr 2015 von Polen nach Deutschland – und erlebte im Internationalen Garten die Freude eines Vietnamesen, als sie ihn in seiner Sprache begrüßte. Urban Gardening (gemeinschaftliches Gärtnern mitten in der Stadt) habe sie stets fasziniert, sagt Sylwia Sieczkowska. In Ditzingen suchte sie ein Gartenprojekt, bei dem es um Gemeinschaft, Internationalität, Integration geht. Auch die Vorsitzende Vittoria Strobel (35), Halbitalienerin, wünschte sich immer einen Garten. „Jeder profitiert hier von den anderen. Man lernt andere Kulturen kennen.“
Urban Gardening als Vorbild
Internationale Gärten sollen kooperieren
Außerdem eint die jungen Frauen die Lust, etwas zu bewegen, wie sie sagen. Beide führen den Verein erst seit wenigen Jahren, sprudeln aber nur so vor Ideen. „Wir wollen Neues einbringen“, sagt Vittoria Strobel. Sie haben bereits eine Box aufgestellt, in die die Mitglieder ihre Ideen und Wünsche werfen sollen. Ohne die Pandemie, die vor allem die zahlreichen Feste und die regelmäßigen Treffen der Arbeitsgruppen verhinderte, hätten sie noch viel mehr geschafft.
Damit die Mitglieder die anderen noch mehr an ihrer Kultur teilhaben lassen, wollen Vittoria Strobel und Sylwia Sieczkowska nun von ihnen wissen, warum sie beim Projekt mitmachen und wie sie sich einbringen können. „Das soll kein Druck und keine Aufgabe werden, sondern selbstverständlich“, betont Vittoria Strobel. Um die Mitglieder aus der Reserve zu locken, sei zum Beispiel denkbar, immer ein Jahr unter eine Kultur zu stellen. Die Vorsitzenden streben auch mehr Kooperationen mit anderen Internationalen Gärten an, um voneinander zu lernen.
Am Dienstag sind wir zu Besuch in einem Stadtgarten mitten in Ludwigsburg.
Das rät der Profi
Experte
Volker Kugel ist seit 24 Jahren Direktor des Blühenden Barocks in Ludwigsburg – begonnen hat er am 1. November 1997. Der 62-Jährige ist Baumschulgärtner und hat an der Fachhochschule im bayrischen Weihenstephan Gartenbau studiert. An dieser Stelle gibt der Gartenexperte Tipps.
Probleme
Der klare Trend zum Selbergärtnern und dem Anbau von Obst und Gemüse ist eine tolle Entwicklung, aber gerade beim Gemüseanbau gibt es oft kleinere und größere Probleme für Gartenneulinge. Eines davon ist die richtige Pflege der Tomatenpflanzen. Es geht vor allem darum, die Braunfäule, eine gefährliche Pilzkrankheit in Schach zu halten, ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln.
Braunfäule
Wichtig ist es, die Anfangssymptome der Braunfäule zu erkennen und schnell zu handeln! Einzelne gelbe Flecken auf den untersten Blättern, die schnell größer werden und sich dann braun färben sind Alarmzeichen. Dann sollten die untersten zwei bis drei Blätter der Tomatenpflanzen weggeschnitten und im Restmüll entsorgt werden. So hat der Braunfäulepilz keine Chance mehr, sich auf den Tomatenpflanzen auszubreiten.