Gartenschauprojekt in Schorndorf Ein einfaches Haus mit Wirkung

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Zur Remstal-Gartenschau soll auf dem Grafenberg bei Schorndorf eine Kapelle gebaut werden. Für Gottesdienste, Trauungen, aber auch als Rückzugsort. Das Besondere: Die Kosten von 150 000 Euro sollen nur über Spenden gestemmt werden.

Die schlichte Kapelle soll aus Weißtanne gefertigt werden. Im Inneren ist keine Bestuhlung geplant, sondern eine große Tafel. Der Entwurf stammt von dem renommierten Architekturbüro Dietrich/Untertrifaller. Foto: Architekturbüro Dietrich/Untertrifaller
Die schlichte Kapelle soll aus Weißtanne gefertigt werden. Im Inneren ist keine Bestuhlung geplant, sondern eine große Tafel. Der Entwurf stammt von dem renommierten Architekturbüro Dietrich/Untertrifaller. Foto: Architekturbüro Dietrich/Untertrifaller

Schorndorf - Die Kapelle auf dem Grafenberg soll kein sakraler Prachtbau werden, kein Fremdkörper inmitten der Natur, kein weiteres Weinberghäuschen. Sondern ein einfaches Holzhaus aus Weißtanne. Im Inneren ausgestattet mit einem Tragwerk, das an ein Kreuzgewölbe erinnert. Gedeckt mit Holzschindeln, versehen mit Seitenwänden, die ähnlich wie Lamellenvorhänge geöffnet werden können. Rund 40 Quadratmeter groß und damit nur wenig größer als ein Wohnzimmer. Möbliert nicht mit Stuhlreihen, sondern einer großen Tafel. „Wir wollen ein hybrides Gebäude zur Verfügung stellen, welches die verschiedenen Nutzungen miteinbezieht“, erläutert Architekt Patrick Stremler vom Büro Dietrich/Untertrifaller aus Bregenz den Entwurf bei einem Pressegespräch.

Ausflugsziel und Rückzugsort

Mögliche Funktionen gibt es viele. „Ich mag Kapellen als Orte, an denen man innehält und zur Ruhe kommt. So richtig ruhig ist es auch am Grafenberg nicht, wir leben nun einmal mitten in einer Industrieregion. Und gerade deswegen tun uns solche besonderen Orte gut“, befindet der Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Aber die Kapelle soll nicht nur ein Ziel für Spaziergänger werden, sondern tatsächlich als christliche Kapelle genutzt werden, „auch wenn sie nicht geweiht werden wird“, erläutert Juliane Baur, die Dekanin des evangelischen Kirchenbezirks Schorndorf.

Schon jetzt finden an dem Ort Gottesdienste im Grünen statt,„und ich denke, dass die Nutzung sich weiten kann“, sagt Baur. Denkbar seien Lesungen, miteinander verbundene standesamtliche und kirchliche Trauungen, goldene Hochzeiten oder christliche Weinproben. Von der Idee der Tafel sind die kirchlichen Vertreter angetan: „Es gibt kein oben und unten, sondern nur Gemeinschaft, die ja durch den Glauben ausgedrückt wird“, sagt Stefan Reinhardt, Vertreter des Arbeitskreises christlicher Kirchen.

Diskutiert wird die genaue Position auf dem Grafenberg

Noch nicht ausdiskutiert ist bisher die Frage, wo die Kapelle genau verortet werden wird. „Sie darf nicht zu nah an der Kante stehen, damit sie nicht Teil der Weinberghäuser wird“ sagt der Landschaftsarchitekt Jörg Stötzer, der die Ebene auf dem Grafenberg für die Remstal-Gartenschau umgestaltet. Auch der Architekt Patrick Stremler warnt davor, die Kapelle allzu weit nach vorne zu rücken: „Es gibt die Gefahr, dass sie dann wirkt wie die Akropolis.“ Thomas Fuchsloch setzt sich für eine Sicht von und nach Schorndorf ein: „Ich würde mir ein Fenster zur Stadt wünschen“, sagt der evangelische Pfarrer.

Ein reines Spendenprojekt

Das könnte auch deswegen wichtig sein, weil die Schorndorfer vielleicht gerne sehen würden, wofür sie Geld geben. Rund 150 000 Euro sind für den Bau der Kapelle veranschlagt. Das Projekt soll ausschließlich durch Spenden der Schorndorfer, der örtlichen Unternehmen und Organisationen finanziert werden. Denn der Gemeinderat hat im vergangenen Juli gegen den Bau der Kapelle gestimmt. „Ich bin nun allen dankbar, die dieses Projekt mittragen“, sagt Matthias Klopfer. Schirmherr ist die Bürgerstiftung, die auch bereits 25 000 Euro zugeschossen hat. „Das ist für uns ein historischer Moment“, sagt deren Vorsitzender Edgar Hemmerich. Man habe sich schon an der Sanierung der Stadtkirche beteiligt, aber noch nie an dem Bau einer Kapelle – und schon gar nicht in dieser Höhe. Auch die Stadtwerke und die Stadtbau haben sich bereits am Projekt beteiligt, mittlerweile ist bereits ein Grundstock von etwa 50 000 Euro vorhanden.

„Ich werde zu meinem 50. Geburtstag auf Geschenke verzichten und möchte stattdessen, dass für die Kapelle gespendet wird. Ich hoffe, dass noch andere diesen Impuls haben“, sagt Klopfer, der zuversichtlich ist, dass das Geld zusammen kommt. Es bleibt auch noch fast ein Jahr, um die notwendigen Spenden einzusammeln: „Die Kapelle ist in wenigen Tagen aufgebaut“, sagt Architekt Stremler.