Gas aus Russland Putins Attacke auf die Demokratie

Der Kremlherrscher versucht die westlichen Gesellschaften zu zerstören. Nicht alle Politiker haben das verstanden, kommentiert unser Brüssel-Korrespondent Knut Krohn.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)

Das Zauberwort heißt Solidarität. Wenn in einem Land das Gas knapp wird, soll die Gemeinschaft ihm helfen. Das sieht in der Theorie der EU-Plan vor, doch die Realität ist eine andere. Ungarn hat bereits angekündigt, dass es ab August kein Gas mehr abgeben wird. Auch in Ländern wie Polen ist ein deutliches Murren zu vernehmen. Dort sind die Speicher prall gefüllt, weil die Regierung nie den Worten Moskaus getraut hat. Und nun soll man im Notfall ausgerechnet Gas nach Deutschland pumpen, das in den vergangenen Jahren mit lächelnder Überheblichkeit auf die zahlreichen Warnungen aus Warschau reagiert hat. Der nächste Winter wird Europa auf eine harte Belastungsprobe stellen – nicht nur in Fragen der Energieverteilung.

 

Die Krise droht die Gesellschaft zu spalten

Doch nicht nur die EU droht sich in diesem von Wladimir Putin orchestrierten Verteilungskampf aufzureiben. In jedem Land arbeiten die nationalen Regierungen an Notfallplänen, um zu verhindern, dass diese fundamentale Krise die Gesellschaft spaltet. Doch ausgerechnet in Deutschland, das als größte Volkswirtschaft am meisten von der Energiekrise bedroht ist, gibt es einflussreiche Politiker, die dem Kremlherrscher weiter willfährig in die Hände spielen. Und sei es mit dem reichlich bizarren Hinweis, dass sie sich nicht vorschreiben lassen, wie lange sie zu duschen hätten.

Eine Herkulesaufgabe für die Staaten

Europa befindet sich in einem historischen Umbruch. Der zu lange ignorierte Klimawandel zwingt die Staaten dazu, ihre Wirtschaft im Eiltempo ökologisch und zugleich sozial verträglich umzubauen. Durch den Krieg in der Ukraine wird diese Herkulesaufgabe nicht nur zur technischen Herausforderung. Putin nutzt sein Gas als Waffe für einen Frontalangriff auf die westliche Demokratie. Diese Attacke solidarisch abzuwehren, wird die eigentliche Herausforderung im kommenden Winter.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Kommentar Ukraine Gas Russland