Gas, Strom und Kraftstoff sind seit dem Winter sehr teuer. Kommt genug in Deutschland an? Wie teuer ist Energie derzeit und schaffen wir das Einsparziel? Alle Daten im Überblick.

Wie teuer sind Gas, Strom und Kraftstoffe? Wo kommen sie her und wie viel wird derzeit verbraucht? Wie ist der Gasspeicher-Füllstand in Deutschland? Das beantworten wir in dieser regelmäßig aktualisierten Übersicht anhand aktueller Daten zu Erzeugung, Verbrauch und Preisen.

 

Gasverbrauch

Um einen Gasnotstand zu vermeiden, setzte die Politik ein Einsparziel von zwanzig Prozent Gas für den Winter 2022/23 fest. Im Jahr 2022 wurde dieses Einsparziel verfehlt – der befürchtete Gasmangel trat aber nicht ein. Gleichwohl bleibt die Vorbereitung auf den Winter 2023/2024 laut der Bundesnetzagentur eine zentrale Herausforderung, weswegen ein sparsamer Gasverbrauch noch immer wichtig sei. In der vergangenen Woche hat Deutschland wie auch in der Vorwoche Gas eingespart.

Die folgende Tabelle zeigt, wie viel Gas das Jahr über eingespart wird. In der Kalenderwoche 7 wurden 1123 GWh Gas eingespart.

Wie viel Gas derzeit in Deutschland verbraucht wird, zeigen die folgenden Diagramme. Zunächst der Verbrauch insgesamt: Rot eingezeichnet ist das von der Politik angestrebte Einsparziel von 20 Prozent im Vergleich zum mittleren Verbrauch zwischen 2018 und 2021. Zuletzt lag der Gasverbrauch mit täglich knapp 2800 GWh deutlich unterhalb des Einsparziels und war niedriger als im vergangenen Jahr zu dieser Zeit. Das kann auch auf die verhältnismäßig milden Temperaturen derzeit zurückzuführen sein.

Der Verbrauch von Großkunden aus der Industrie sowie von Haushalten und Gewerben lässt sich separat betrachten. Das folgende Schaubild zeigt den jeweiligen Verbrauch, wiederum im Vergleich zur Verbrauchsspanne zwischen 2018 und 2021.

Der Bedarf der Haushalte und Kleinverbraucher ist stark von der Temperatur abhängig. In den Wintermonaten steigt der Verbrauch regelmäßig deutlich an. Laut einer Berechnung der Bundesnetzagentur anhand von Daten der Jahre 2018 bis 2021 bedeutet eine ein Grad niedrigere Außentemperatur im Winter einen Anstieg von etwa sechs Prozent beim Gasverbrauch von Haushalten und Gewerbe. Dieser Gasverbrauch lag in der siebten Kalenderwoche des Jahres deutlich unterhalb des Einsparziels von 20 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr wurde in der vergangenen Woche deutlich weniger Gas verbraucht.

Der Gasverbrauch der Industrie lag 2022 und 2023 bislang meist am unteren Rand der Verbrauchsspanne zwischen 2018 und 2021 oder darunter. Der Verbrauch der Industrie ist in der vergangenen Woche ebenfalls weiter leicht gesunken und liegt ungefähr auf dem Niveau des Vorjahresverbrauchs. Die Industrie verbraucht im Winter etwa doppelt so viel Gas wie im Sommer, Haushalte und Gewerbe bis zu zehnmal so viel.

Um noch genauere Aussagen über den Gasverbrauch der Haushalte zu machen, lässt sich der Einfluss des Wetters herausrechnen – denn bei kaltem Wetter bleibt kaum eine andere Wahl als zu heizen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) berechnet dafür, welcher Gasverbrauch unter den aktuellen Wetterbedingungen normalerweise zu erwarten gewesen wäre, und vergleicht ihn mit dem tatsächlichen Verbrauch. Heraus kommt, wie viel die Haushalte allein durch ihr eigenes Verhalten eingespart oder zu viel verbraucht haben.

Derzeit liegt der Gasverbrauch unter dem Niveau des erwarteten Verbrauchs. Die Haushalte sparen also und verbrauchen weniger, als aufgrund des Wetters und des Verbrauchs der letzten Jahre zu erwarten gewesen wäre.

Gasflüsse und -speicher

Seit Ende August fließt kein Gas mehr aus Russland nach Deutschland. Aus welchen anderen Ländern Deutschland netto Gas importiert, zeigt das folgende Schaubild. Die Gasimporte sind seit dem Herbst auf einem konstanten Niveau und liegen seit dem Herbst bei deutlich über 2000 GWh pro Tag. Die relevantesten Länder für Importe sind Norwegen, Belgien und die Niederlande. Auch aus Frankreich wird Gas importiert.

Relevante Mengen Gas wurden 2022 und 2023 bislang besonders nach Tschechien und Österreich exportiert. Netto exportiert Deutschland weiterhin nur wenig Gas.

In jedem Jahr ist es besonders vor dem Winter wichtig, möglichst viel Gas einzulagern, um einen Notstand zu vermeiden. Derzeit sind die Speicher nicht mehr vollständig gefüllt. Mit circa 69,8 Prozent ist der Füllstand auf einem ähnlichen Niveau wie im vergangenen Jahr zu dieser Zeit. Es sind derzeit rund 178 Terawattstunden eingelagert.

2018 bis 2021 wurden im Winter im Mittel zwischen 15 und 30 Terawattstunden (TWh) pro Woche verbraucht. Falls gar nichts mehr importiert würde, reicht der aktuelle Speicherstand für den Verbrauch von knapp 6 bis 12 Wochen.

Strom

Auch Strom wurde seit Kriegsbeginn teurer – und steht beim Thema Versorgungssicherheit ebenfalls im Fokus. Deutschland tauscht dabei im europäischen Netz ständig Strom mit benachbarten Ländern aus und erzeugt nicht immer genau so viel Strom, wie im Land selbst verbraucht wird. Das folgende Schaubild zeigt für die letzten drei Tage an, wann mehr erzeugt als verbraucht wurde und wann es andersherum war.

Wie hoch der Importanteil beim Strom ausfällt, hat mit den Energiequellen zu tun: Wind und Solarkraft sind beispielsweise von Wetter, Tageszeit und Sonnenabstand abhängig und stehen an unterschiedlichen Orten zur Verfügung.

Das folgende Schaubild zeigt den Strommix in Deutschland für die vergangenen drei Tage. Windenergie hat in den vergangenen Tagen den größten Anteil am Strommix ausgemacht. Strom kommt außerdem aus der Kohle- und Gasenergie sowie aus Wasserkraft, Pumpspeichern und Solarenergie.

Der baden-württembergische Strommix, abgebildet durch die Daten des Südwest-Netzbetreibers Transnet BW, sieht deutlich anders aus. Gas wird kaum verstromt, Steinkohle dagegen sehr wohl. Außerdem sind Solar- und Windkraft sowie Energie aus Wasserkraft relevant.

Im Folgenden werden die verschiedenen Quellen von erneuerbarer Energie zusammengerechnet und ihren Anteil nicht nur zu einem einzigen Zeitpunkt, sondern über eine ganze Woche hinweg betrachtet. So machte grüner Strom im letzten Jahr meist zwischen 40 und 60 Prozent des deutschen Strommix aus. In der letzten Woche des Jahres lag der Anteil erneuerbarer Energie am in Baden-Württemberg erzeugten Strom bei knapp 66 Prozent, in ganz Deutschland bei circa 65 Prozent.

Preise

Die Energiekosten sind 2022 stark gestiegen und belasteten die Verbraucher. Die Gaspreise stiegen nicht nur an der Börse, sondern auch Neukundentarife wurden im Lauf des Jahres enorm teuer. Wir zeigen den Verlauf am Beispiel von Stuttgart: Abgebildet ist immer der günstigste verfügbare Neukundentarif, wenn man zum jeweiligen Zeitpunkt den Anbieter wechselt. Ein drei- bis vierköpfiger Beispielhaushalt mit 20 000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlte im September 2022 im günstigsten Neukundentarif mehr als 8000 Euro im Jahr – ein Vielfaches des Vorkriegsniveaus. Aktuell liegt der Jahrespreis für die Beispielfamilie im günstigsten Tarif nur noch bei rund 1390 Euro, damit aber immer noch über den Preisen von 2021.

Und auch die Preise für Strom waren zwischenzeitlich sehr teuer. Inzwischen befinden sich die Preise nur noch etwas über dem Niveau von Anfang 2021. Auch hier zeigen wir die Preisentwicklung am Beispiel von Stuttgart: Die Grafik zeigt den günstigsten verfügbaren Neukundentarif, würde man zum jeweiligen Zeitpunkt den Anbieter wechseln. Die drei- bis vierköpfige Beispielfamilie mit einem Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden zahlte in der Spitze im September 2022 knapp 3000 Euro im Jahr.

Zum jetzigen Zeitpunkt liegt der Jahrespreis für den Beispielhaushalt im günstigsten Tarif nur noch bei knapp 1000 Euro. Das ist günstiger als 2022, aber noch immer mehr als Strom Anfang 2021 gekostet hat.

Ein wichtiger regelmäßiger Kostenpunkt sind zumindest für Autofahrer die Spritpreise. Exemplarisch visualisieren wir die Entwicklung für das Stadtgebiet Stuttgart. Der Dieselpreis ist aktuell weiterhin auf hohem Niveau. Ein Liter Diesel kostet derzeit 1,72 Euro. Der Preis für einen Liter E10 liegt aktuell bei circa 1,73 Euro. Auch Superbenzin ist mit einem Preis von 1,79 Euro pro Liter weiterhin teuer. Der Preisunterschied der Kraftstoffe ist auf die geringeren Steuern zurückzuführen, die der Staat auf Diesel erhebt.

Auch die Heizölpreise verändern sich seit Jahresanfang regelmäßig und sehr uneinheitlich. Kurze Zeit nach Beginn des Ukrainekriegs schnellten die Preise stark nach oben, im Sommer schwankten sie stärker von Ort zu Ort. Seither ist der Ölpreis bundesweit wieder deutlich gesunken und lag in etwa auf dem gleichen Niveau wie vor Beginn des Ukrainekriegs. Seit einigen Wochen sinkt der Heizölpreis jedoch wieder leicht. Heizen ist nach wie vor teurer als vor einem halben Jahr.

Letzten Sommer schwankten die Heizölpreise auch im Südwesten stark. Seit einigen Monaten haben sie sich allerdings wieder auf einem ähnlichen Niveau eingependelt. Beispielhaft zeigen wir die Preise für sechs baden-württembergische Großstädte seit Januar. 100 Liter Standard-Heizöl kosten derzeit rund 102 Euro (bei einer Standardlieferung von 3000 Litern).

Dieser Beitrag und die hier gezeigten Daten werden regelmäßig aktualisiert.