Gasimporte aus Russland Europas zwei Gesichter
Die EU bezieht noch immer sehr viel Gas aus Russland. Das zu ändern, ist dringend geboten, kommentiert unser Brüssel-Korrespondent Knut Krohn.
Die EU bezieht noch immer sehr viel Gas aus Russland. Das zu ändern, ist dringend geboten, kommentiert unser Brüssel-Korrespondent Knut Krohn.
Die EU unterstützt die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland mit Waffen und Geld. Das ist richtig und wichtig, denn in diesem Krieg wird auch die Freiheit und Sicherheit von ganz Europa verteidigt. Doch es gibt auch eine andere Seite der Medaille.
Mehr als drei Jahre nach dem Überfall Moskaus beziehen die Staaten der Europäischen Union noch immer rund ein Drittel ihres Gasbedarfs aus Russland – und füllen mit den dafür bezahlten Milliardensummen die Kriegskasse des Kremls. Das ist beschämend. Vor allem Frankreich, dessen Präsident Emmanuel Macron sich bei jeder Gelegenheit mit großer Geste als Unterstützer Kiews darstellt, hat seine Einfuhren im vergangenen Jahr noch einmal deutlich gesteigert.
Der EU-Kommission kritisiert diesen Zustand seit Jahren und fordert die Mitglieder immer wieder auf, die Abhängigkeit von Russland zu vermindern – allerdings ohne großen Erfolg. Der zuständige Brüsseler Energiekommissar Dan Jörgensen bezeichnet das zu Recht als sicherheitspolitisch und auch moralisch untragbar. Dabei sind Alternativen verfügbar. So könnte die EU wesentlich mehr Flüssiggas aus den USA importieren. Deshalb ist es richtig, dass die Kommission nun Wege und einen Zeitplan für den Ausstieg aus den russischen Gaslieferungen vorlegt.
Das langfristige Ziel muss aber sein, möglichst unabhängig von Energieimporten zu werden. Das kann nur über den konsequenten Ausbau von alternativen und sauberen Energiequellen auf dem eigenen Kontinent erreicht werden. Das ist nicht nur notwendig im Kampf gegen den Klimawandel. Angesichts einer zunehmend schwierigen politischen Weltlage ist das auch sicherheitspolitisch unausweichlich.