Gastbeitrag zu deutsch-israelischem Regierungstreffen Gemeinsame Anstrengungen, um anderen zu helfen

Von Ein Gastbeitrag von Dan Shaham 

Deutschland und Israel stehen vor einer neuen Phase in ihren Beziehungen. Israels Generalkonsul Dan Shaham fordert in seinem Gastbeitrag, dass die Partnerschaft beider Länder kreativ weiter entwickelt wird.

Ministerpräsident Netanjahu und Kanzlerin Angela Merkel Foto: dpa
Ministerpräsident Netanjahu und Kanzlerin Angela Merkel Foto: dpa
Tel Aviv - - Mit fast allen Mitgliedern ihrer Regierung ist Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag zu einem zweitägigen Besuch nach Israel gereist. Nach Ansicht von Dan Shaham, Israels Generalkonsul in München, muss die Partnerschaft beider Länder kreativ weiter entwickelt werden.

Israel und Deutschland haben es geschafft, ihre „besonderen Beziehungen“ zu einer engen Kooperation zu wandeln. Dies gelang in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Sicherheit, Technologie, Wirtschaft und Kultur. Der israelische Schriftsteller Amos Oz sieht in der fehlenden Normalität der Beziehungen sogar etwas Positives: „Was wir jetzt haben ist viel tiefer gehend.“ Ein starkes Zeichen dafür sind die deutsch-israelischen Regierungskonsultationen in diesen Tagen mit dem Besuch von Kanzlerin Merkel mit ihrem Kabinett in Israel.

Im kommenden Jahr werden wir das ­50-jährige Jubiläum der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen feierlich begehen. Es wird also Zeit, dass wir uns fragen: Wie soll die Zukunft der deutsch-israelischen Beziehungen in den nächsten 50 Jahren aussehen?

In meiner Vorstellung werden die Beziehungen auf Partnerschaft basieren. Darunter verstehe ich nicht nur eine bilaterale Kooperation unserer Länder, basierend auf Historie, Wirtschaft und Bildung. Sondern eine Partnerschaft heißt für mich, dass man in gemeinsamer Anstrengung an Drittprojekten arbeitet. Hierzu möchte ich Beispiele aus zwei Bereichen ansprechen: Humanitäre Hilfe beziehungsweise Entwicklungszusammenarbeit sowie Entrepreneurship – also unternehmerische Initiative.

Erfolgreich bei humanitärer Hilfe

Während meiner Zeit als Botschafter für Süd-Ostafrika setzte sich 2011 ein Team von deutschen und israelischen Experten für die Verbesserung der Fischerei und der Wasserwiederaufbereitungssystem in Kenia ein. Dieses Pilotprogramm auf Regierungsebene sicherte vielen Fischerbetrieben das Überleben. Auch die Nichtregierungsorganisationen bauten im November 2013 auf Partnerschaft: eine gemischte deutsch-israelische humanitäre Hilfsgruppe flog in das Krisengebiet auf den Philippinen, um den Opfern des Taifuns vor Ort zu helfen. Die wertvolle Zusammenarbeit rettete vielen Menschen das Leben.

Diese Kooperation zwischen Deutschland und Israel war in der Vergangenheit so erfolgreich, dass das israelische Kabinett kürzlich beschloss, in die deutsch-israelische Partnerschaft für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit in Afrika mehrere Millionen Euro zu investieren.

Der zweite Bereich, in dem mir eine Partnerschaft besonders wichtig und konstruktiv erscheint, ist Entrepreneurship und Innovation. Es reicht nicht mehr, durch Im- und Export wirtschaftlich starke Handelspartner zu sein, wie es Deutschland und Israel heute zweifelsohne sind. Vielmehr sollte es darum gehen, die eigenen Stärken zu vereinen, um etwas Neues zu schaffen. Israel wird oft als Start-Up-Nation, als Silicon-Valley des Nahen Ostens bezeichnet. Diese Stärke, gekoppelt mit dem deutschen hochmodernen Technik-Know-How, ist eine Mischung mit viel Potenzial. Die Ideen, die heute geboren werden, werden in zehn Jahren die Wirtschaft bestimmen. Deshalb müssen wir diesen jetzt helfen zu reifen – mit vereinten Kräften. Das ist für mich kreative Partnerschaft und damit aus meiner Sicht eine vielversprechende Zukunft der deutsch-israelischen Beziehungen.