Gastfreundliches Nürtingen Stadtbalkon und Flaniermeilen locken an Neckar und in die Altstadt

Der Stadtbalkon bietet viele unkonventionelle Sitzgelegenheiten. Foto: 7aktuell.de/Daniel Jüptner/Archiv

Während in Esslingen das Denkmalamt manche originelle Idee vereitelt, wirbt Nürtingen mit frischen Einfällen für sich.

Region: Corinna Meinke (com)

In Esslingen darf eine Händlerin neuerdings auf den Stufen des Postmichelbrunnens keine Sitzkissen mehr auslegen – Grund ist der Denkmalschutz. Dabei ist auch in der Kreishauptstadt die Belebung der Innenstadt ein großes Thema. In Nürtingen hat Oberbürgermeister Johannes Fridrich das Thema Belebung schon vor Jahren zur Chefsache erklärt. Zusammen mit dem Gemeinderat und anderen örtlichen Akteuren sind die Plätze entlang der Fußgängerzone aufgewertet, die Außengastronomie vergrößert und die Aufenthaltsqualität verbessert worden. Außerdem ist mit dem Stadtbalkon eine gut besuchte Flanier- und Genussmeile am Rande der Altstadt geschaffen worden.

 

Auch der neue Spielplatz hinter der Kreuzkirche hat sich zum beliebten Treffpunkt entwickelt. Nicht nur Familien verweilen gern im Schatten der alten Kastanien. Und wer nicht auf der Terrasse der nahen Zentralbar Platz nehmen möchte, kann das auf einer der zahlreichen Bänke tun.

Der Autoverkehr wird umgeleitet

Flaniermeile am Neckar

Damit die Nürtingerinnen und Nürtinger samt ihren Gästen das Neckarufer genießen können, wurde ein Teil der dortigen Alleenstraße gesperrt. Zwanglose Sitzgelegenheiten, großzügige Bestuhlungen an mehreren Bars, Pizzerien und Foodtrucks runden das vielfältige Angebot ab. Ein kleiner Stadtstrand mit Sonnenstühlen und Spielgeräten für Kinder ist ebenfalls entstanden und lädt schon tagsüber zum Besuch ein. Mit Musik, Perfomances und verschiedenen saisonalen Märkten ist am Stadtbalkon und den Gassen der nahen Altstadt häufig etwas geboten.

Sogar in der kalten Jahreszeit wird der Stadtbalkon zum Treffpunkt, seitdem zwei Gastro-Gewächshäuser das Angebot komplettieren. Und nach einer erfolgreichen Testphase, die einen Sommer lang dauerte, entschied der Gemeinderat bei nur einer Enthaltung die dauerhafte ganzjährige Sperrung des Straßenabschnitts. Der motorisierte Verkehr hat sich tatsächlich ohne größere Probleme auf die übrigen Straßen verlagert, während Fußgänger und Radfahrer am Stadtbalkon das Bild bestimmen.

Ein paar Meter weiter bietet eine Bar an der Zeppelinstaffel am Fuße der Stadtkirche neben der üblichen Bestuhlung auch unkonventionelle Sitzgelegenheiten auf Sitzsäcken an, die sich dem gepflasterten Hang anpassen. Sie ergänzen die Bänke, die die Stadt dort installieren ließ, um eine Verbindung zwischen Stadtbalkon und Altstadt zu schaffen. Auf dem Weg zwischen den Quartieren laden sie zum Ausruhen und Schauen auf das charmante Altstadtviertel ein.

Das Hölderlinhaus hat das Zeug zum Magneten

Die Gastronomie lebt

Die Fluktuation ist in manchen Läden am historischen Schlossberg nach wie vor recht groß, doch immer wieder gelingt es, neue Geschäftsideen in der Altstadt anzusiedeln und Leerstände mit Popup-Stores wie jetzt dem neuen Wanderladen der Jugendwerkstatt in der Schlossstraße zu beheben.

Eine tragende Rolle bei der Aufwertung nehmen die Einzelhändler und die Gastronomen ein. Ihre Läden und Lokale von der Weinstube über die Eisdiele bis zur Craftbeer-Bar sorgen für mehr Menschen auf dem Kopfsteinpflaster. Und da diese Bemühungen auch nach den Erfahrungen der Pandemie keine Selbstläufer sind, schieben immer wieder Akteure wie der Freundeskreis Nürtinger Altstadt, der sich seit 2020 trifft, und der Verein Citymarketing im engen Schulterschluss mit der Verwaltung neue Ideen an und treiben Bewährtes weiter vorwärts.

Wenn es nach den Visionen des Oberbürgermeisters geht, wird auch die Neckarsteige eines Tages wieder an Attraktivität gewinnen. Immerhin sorgt das erneuerte Hölderlinhaus samt neuer Hölderlindauerausstellung, Volkshochschule sowie Musik- und Jugendkunstschule dort für mehr Frequenz.

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