Ende einer Ära in Leonberg-Gebersheim: Die Wirtsleute Oliver Schmidt und seine Frau Beate Soller-Schmidt hören bald auf. Foto: Simon Granville
Für das Sportheim in Leonberg-Gebersheim wird ein neuer Pächter gesucht. Der Wirt Oliver Schmidt und seine Ehefrau wollen im nächsten Frühjahr aufhören.
Es schwingt ein bisschen Wehmut mit, wenn Oliver Schmidt erzählt. Nicht nur von Prominenten. Auch davon, dass seine Eltern ihn schon als Säugling im Kinderwagen in der Küche des Gebersheimer Sportheims dabei hatten. Oder dass er später seine Kindergartenfreunde mit zur Wirtschaft am Waldrand nahm, um Pommes zu essen. Und dass er schließlich selbst die Verantwortung für die Gaststätte übernahm. Allein letzteres ist auch schon wieder 20 Jahre her. Doch die Ära Schmidt endet bald an jenem Ort mit der klangvollen Adresse „An der Hohlen Eiche 9“. Es wird ein neuer Pächter gesucht, der im April 2027 starten kann.
Sportheim-Wirt: „Zeit, das Leben etwas mehr zu genießen“
Oliver Schmidt ist inzwischen 63 Jahre alt. Seine gleichaltrige Gattin Beate Soller-Schmidt kam 2001 mit in den Gastro-Betrieb, in dem er selbst schon seit 1986 mitwirkte. Zuvor war sie 20 Jahre lang Arzthelferin gewesen. Das Paar ist zusammen, seit beide 17 sind. „Und wir sind quasi auch jetzt noch 24 Stunden beieinander“, sagt Oliver Schmidt und lacht. Das klappe auch nach all der Zeit noch immer wunderbar. Doch jetzt sei es an der Zeit, das Leben noch etwas mehr zu genießen.
Das Sportheim in den 1960er-Jahren: Inzwischen hat sich vieles verändert an der Hohlen Eiche. Foto: SV Gebersheim
Anfangs war es gar nicht sicher gewesen, dass die beiden die Schmidt-Epoche in Gebersheim fortführen. „Ich hatte zwei Lehrverträge. Einen bei der Leonberger Bausparkasse“, erinnert sich der Wirt, „aber ich hatte mich auch im Mövenpick in Stuttgart beworben.“ Den zweiten Vertrag legte er schließlich den Eltern vor – Vater Lothar hatte das Sportheim 1972 eigenverantwortlich wiederum von seinen Eltern übernommen. „Sie waren überrascht, aber glücklich.“
Das war 1979. Zweieinhalb Jahre verbrachte Oliver Schmidt schließlich zur Koch-Ausbildung in der Schweiz. Nach England durfte er anschließend nicht, weil der Wehrdienst anstand. Den absolvierte er in Böblingen, und in seiner Freizeit designte er für Mutter und Vater Speisekarten. „Und da gab’s dann auch kein Zurück mehr.“ Daran konnten selbst Angebote von den Bahamas, Mauritius und später sogar aus der Formel-1-Szene nichts ändern.
Sportheim Gebersheim als gastronomische Institution – nicht nur in Leonberg
Das Sportheim ist eine gastronomische Institution im Teilort im Westen Leonbergs. „Hier ist schon das ganze Dorf zusammengekommen“, sagt Oliver Schmidt, „und das nicht als Gäste.“ Soll heißen, dass im Laufe der vielen Jahre zahlreiche Gebersheimerinnen und Gebersheimer in der Gaststätte ausgeholfen haben. Die Kundschaft kam, auch neben allerlei High Society, derweil beileibe nicht nur aus dem Flecken selbst. Das Sportheim hatte und hat eine Strahlkraft weit über Gebersheim und Leonberg hinaus. Taufen, Geburtstage, Konfirmationen, Hochzeiten und auch Leichenschmäuse gab es in der Gaststätte hundert-, wenn nicht tausendfach. „Generationen kommen hier her“, fasst Schmidt zusammen.
Den Bekanntheitsgrad gesteigert und aufrechterhalten haben die Schmidts mit Qualität – und mit ständig neuer Ambition. Zum Beispiel hat Oliver Schmidt das „El Greco“ erfunden, ein mit Hirtenkäse gefülltes Schweineschnitzel, serviert mit Pommes und Zaziki. Unterschiedliche Themenwochen, der inzwischen legendäre Fischmarkt, vieles hat sich zur Freude alter und neuer Gäste etabliert.
Und wenn jetzt die Fußball-Weltmeisterschaft naht, könnten sich die Wirtsleute eine entsprechende Speisekarte vorstellen. „Je nach Nationen“, präzisiert er. Es wird aller Voraussicht nach eine der letzten Spezial-Aktionen unter der bisherigen Führung sein.
Viele Jahre verbandelt: Die Wirtsleute Schmidt (beide rechts) und der SV Gebersheim, hier in Person des Vorsitzenden Arne Müller (stehend) und seinem Vorgänger Jürgen Gairing (links) Foto: Simon Granville
„Wir haben bewusst frühzeitig mit der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin begonnen“, sagt Arne Müller, Vorsitzender des SV Gebersheim. Erste Anfragen und Gespräche habe es bereits gegeben, fügt Jürgen Gairing hinzu. Er stand dem SV von 2005 bis 2016 vor, ist also Müllers Vorgänger. Gairing und Oliver Schmidt verbindet sogar eine gemeinsame sportliche Vergangenheit: In der Gebersheimer Fußball-A-Jugend kickten sie zusammen.
Es darf im Sportheim Gebersheim gutbürgerlich weitergehen
Gairing und Müller sind sich einig: Bessere Pächter wie die Schmidts könne man sich nicht wünschen. Dennoch soll es weitergehen mit der Gaststätte, die im Innenbereich 140 und auf der großzügigen Terrasse 150 Gäste fassen kann. Und gerne soll es im Sportheim gutbürgerlich weitergehen. Die Suche läuft.
Und die Schmidts? „Ich zähle ja schon ein bisschen die Tage“, sagt Beate Soller-Schmidt und lacht. Ihr Gatte fügt an: „Ich freue ich. Wenn es so weiterläuft, dann hatte ich ein erfülltes Geschäftsleben und habe von den Gästen viel Dankbarkeit erfahren.“ An Plänen mangelt es nicht: Fahrrad fahren, Freundschaften pflegen, vielleicht Tennis spielen, auch mal das eine oder andere Fest besuchen ohne den Gedanken, am nächsten Tag wieder die Wirtschaft schmeißen zu müssen. Für sich selbst kann Oliver Schmidt zudem sagen: „Ich werde dem SV auch weiterhin erhalten bleiben.“
Das Sportheim Gebersheim
Erster Wirt Der erste Wirt des Gebersheimer Sportheims war Karl Röckle. Er übernahm die damals neuen Räumlichkeiten im Jahr 1955.
Wirtsfamilie Schmidt Karl Schmidt und seine Frau Irma übernahmen das Sportheim am 1. April 1964. Sohn Lothar – er hatte seine Ausbildung zum Küchenmeister laut Vereinschronik „in verschiedenen renommierten Häusern in Süddeutschland absolviert“ – stieg mit ein. Er übernahm 1972. 1986 kam schließlich Oliver Schmidt dazu. Er führt das Sportheim seit 2006.