Gasthof-Brand in Pleidelsheim Der Schock in Pleidelsheim sitzt tief – „Die Flammen waren 20 Meter hoch“

Vom Gasthof Ochsen ist nur noch ein Schutthaufen übriggeblieben. Das Risiko für ein Wiederaufflammen war der Gemeinde zu groß geworden. Foto: Oliver von Schaewen

Wie ist die Stimmung in Pleidelsheim nach dem verheerenden Brand? Die Bürger auf der Straße beklagen den Verlust. An dem Gebäude hängen viele Erinnerungen.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Es ist Montagvormittag gegen 11 Uhr. In der Ortsmitte von Pleidelsheim gehen Menschen ihren Einkäufen nach und erledigen Dinge des Alltags. Aber immer wieder bleiben Passanten stehen. Sie blicken auf eine Stelle, an der mit dem Gasthof Ochsen noch am Samstag ein Wahrzeichen der Gemeinde stand. Viele zücken ihre Handys und fotografieren die Brandstelle. Wo einst prächtiges Fachwerk stand, liegen nur noch Trümmer.

 

Von dem historischen Gebäude aus dem Jahr 1614 ist nach dem verheerenden Brand in der Nacht auf Sonntag nichts mehr übrig geblieben. Noch steht ein Abrissbagger auf dem Grundstück. Verkohlte Balken, Schutt und immer noch ein leichter Brandgeruch erinnern daran, was hier geschehen ist.

Um kurz vor 4 Uhr wurde die Feuerwehr gerufen, rund 150 Feuerwehrleute und Helfer waren im Einsatz, um den Brand zu bekämpfen. Acht eingeschlossene Bewohner mussten mit Leitern gerettet werden – schwerwiegend verletzt wurde niemand. Das Gebäude war jedoch nicht mehr zu retten, am Nachmittag musste es komplett abgerissen werden.

Auch das Gebäude nebenan ist nicht mehr bewohnbar. Foto: Oliver von Schaewen

Eine 65-jährige Pleidelsheimerin kann den Verlust kaum fassen. „So ein Haus gibt es hier nicht wieder“, sagt sie leise und blickt vom NKD-Markt aus traurig auf das Grundstück. Der Ochsen, in der Kurve gelegen, prägte über Jahrhunderte das Ortsbild. Für viele war er mehr als nur ein Gebäude. Auch für die Frau: „Es war Tradition, es gehörte hierhin.“

Ein 60-jähriger Mann bleibt stehen und betrachtet nachdenklich die Trümmer. „Ich bin als Kind mit meinen Eltern aus Italien hierhergekommen“, erzählt er. Anfang der 1970er Jahre habe sich im Gebäude noch eine Metzgerei befunden. „Da waren damals nur Bauernhöfe, noch keine Geschäfte.“ Der Ochsen sei schon damals ein stattliches Haus gewesen.

Hotelier: Einige Gäste standen im Schlafanzug da

Der Brand war am frühen Sonntagmorgen gegen 4 Uhr ausgebrochen. Als die Feuerwehr eintraf, stand das Gebäude bereits in Vollbrand. „Die Flammen waren bestimmt 20 Meter hoch“, erinnert sich Civan Yildizbas, Eigentümer des Hotels am Schillerplatz, das gleich nebenan steht.

Am Montag sitzt Yildizbas an der Rezeption und versucht noch immer, die Eindrücke der Nacht zu verarbeiten. „Die Bilder verfolgen einen“, sagt er. Menschen seien mitten in der Nacht aus den Betten gerissen worden, einige nur im Schlafanzug. Sie seien zunächst versorgt und anschließend weggebracht worden, unter anderem in ein Hotel nach Ludwigsburg. Auch seine eigenen Gäste seien betroffen gewesen – sie mussten zur Sicherheit ihre Zimmer verlassen.

„Was die geschafft haben, ist einfach nur Bombe.“

Civan Yildizbas, Eigentümer des Hotels am Schillerplatz

Am Tag danach findet der Hotelier vor allem anerkennende Worte für die Helfer, die unter anderem verhinderten, dass das Feuer auf sein Hotel übergriff. „Was die geschafft haben, ist einfach nur Bombe“, sagt Civan Yildizbas und freut sich, dass seine Gäste am Montag schon wieder zurückkehren können. Neben der Feuerwehr hätten auch das Deutsche Rote Kreuz und zahlreiche weitere Kräfte geholfen. Die Pleidelsheimer Feuerwehrleute waren fast 18 Stunden im Einsatz. Laut Kommandant Timo Günther war der Brand am Sonntag gegen 19.20 Uhr gelöscht, aber Glutnester drohten immer wieder aufzuflammen.

Die Bürgermeisterin Sabrina Lee spricht den Einsatzkräften ihren Dank aus. Von vier Uhr morgens bis gegen 22 Uhr am Abend hätten sie am Brandort ausgeharrt. Besonders schwer fiel ihr eine Entscheidung, die schließlich unumgänglich wurde: Der Gasthof musste wegen der Glutnester in dem verwinkelten Gebäude abgerissen werden.

„Mein Herz blutet“, sagt sie. Der Gasthof habe unter Denkmalschutz gestanden – ihr sei bewusst gewesen, dass viele Menschen im Ort Erinnerungen mit dem historischen Gasthof verbinden. Lange habe sie mit dem Kommandanten gezögert – „es führte aber kein Weg daran vorbei“.

Bürgermeisterin lobt „herausragende“ Hilfsbereitschaft im Ort

Am Montag organisierte die Bürgermeisterin Unterkünfte für die 21 Menschen, die aufgrund des Brandes nun kein Obdach haben. Neben dem abgerissenen Gasthof ist auch das benachbarte Gebäude am Schillerplatz 1 unbewohnbar. Zwölf Personen aus diesem Haus und neun aus den Wohnungen im Gasthof hat Sabrina Lee inzwischen untergebracht, zum Teil bei Freunden, andere in Hotels, unter anderem gleich nebenan im Hotel am Schillerplatz. „Die Hilfsbereitschaft im Ort ist herausragend“, lobt Lee. Viele Bürger hätten spontan Hilfe angeboten.

Auch Kleidung und das Nötigste für den Alltag seien dank der Bestände des Roten Kreuzes sowie der Unterstützung der Gemeinde ausreichend vorhanden, berichtet Sabrina Lee. Unter den Betroffenen seien auch Familien mit Kindern. Sie habe das Angebot der Kirche für eine Notfallseelsorge angenommen. „Zum Glück ist niemand schwer verletzt worden.“

Unklar ist noch die Brandursache. Die Ermittlungen laufen. Einzeln geäußerte Vermutungen, wonach sich das Feuer vom Gebäude Schillerplatz 1 aus auf den Gasthof ausgebreitet habe, wollten weder die Bürgermeisterin noch der Feuerwehrkommandant kommentieren. Die Gutachter der Polizei sollten im Laufe des Montags tätig werden.

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