Ein echter Hingucker: Feuerglanz und gute Tropfen bringen Menschen zusammen. Foto: Gottfried Stoppel
Feuerschein und Remstalwein machen den Winterweinweg in Kernen, in den Weinbergen um die Yburg, zu einem Ausflugsziel für Menschen aus der ganzen Region. Wir haben uns dort umgehört.
Ein Feuerwurm durch den Weinberg, lodernde Flammen und wummernde Musik: Was am Wochenende in den Weinbergen rund um die Yburg, oberhalb von Kernen, vor sich ging, machte fast den Eindruck eines altheidnischen Rituals. Tatsächlich war es wieder Zeit für den Winterwegweg. Auf Initiative des örtlichen Bunds der Selbstständigen lockten zwischen den Reben gutes Essen, ein großes Weinangebot und eine stimmungsvolle Beleuchtung.
Das Event fand nicht zum ersten Mal statt: Bereits 2018 feierte der Winterweinweg seine Premiere – auch damals schon mit ganz ähnlichem Konzept, das von der herrlichen Aussicht rund um die Yburg, der Illumination und natürlich vom Wein und dem Essen lebt. In diesem Jahr waren es neun Weingüter und vier Gastronomen aus der Gegend, die an insgesamt vier verschiedenen sogenannten „Genusspunkten“ ihre Speisen und Tropfen anboten.
Winterweinweg 2026: Vier Restaurants und neun Weingüter
Die Besucher laufen zu den vier Stationen. Foto: Gottfried Stoppel
An jeder Station hatten die Besucher zudem die Qual der Weinwahl: Neben jeweils einem Restaurant sorgten dort mindestens zwei Weingüter dafür, dass kein Gaumen trocken blieb. Eigentlich sind die Winzer Konkurrenten, doch hier arbeiteten sie Hand in Hand – etwa am Pavillon der drei Weingüter Beurer, Konzmann und Medinger.
Juniorchef Adrian Beurer stand gut gelaunt hinter dem Tresen. „Wir haben an dieser Station eine Kasse, in die alle drei Weingüter reinschaffen“, erklärte er. „Natürlich sind wir Mitbewerber – aber die eigentliche Konkurrenz sind doch die Billigweine.“ Drei Euro gäben die Deutschen im Durchschnitt für eine Flasche Wein aus – das würde an der Genussstation Nummer drei nicht einmal für ein Achtele reichen. „Jede gute Flasche Wein, die verkauft wird, ist für uns Weingüter ein Gewinn“, meinte Beurer.
Angesichts der Kälte erlebten Glühwein und Punsch beim Winterweinweg ein echtes Revival. „Für uns überraschend, greifen viele aber auch trotz der Temperaturen zu einem Weißwein.“ Aber wer weiß – vielleicht halten sich die Kaltweinfreunde ja durchs Laufen warm. Nicht wenige verbanden den ohnehin laufträchtigen Besuch beim Winterweinweg mit einem Ausflug zur nahen Kugelbahn. Unter den Besuchern waren auch etliche Familien mit Kindern – und auf den Getränkekarten stand immer auch etwas alkoholfreies wie Trauben-Lavendel-Schorle.
Eine Gruppe aus Stuttgart ist selbst beleuchtet unterwegs
Auf die Ohren gab es beim Event auch etwas: Die Backnanger Lohkäs-Trampler waren unterwegs – die Guggenmusiker gehören zum Backnanger Karnevals-Club und marschierten mit Pauken und Trompeten zwischen den Genussstationen hin und her. „Narri-Narro“, hallte es durch den Weinberg, einige Besucher wippten zur Musik geradezu exzessiv mit den Knien.
Weite Teile des Wegs durch die Weinberge waren von kleinen Ölfackeln gesäumt – was nicht nur hübsch aussah, sondern auch bei der Orientierung half. Stellenweise war es dennoch ganz schön dunkel; gut, dass es zum Zurechtfinden noch Feuerkörbe, den Besucherstrom, die weithin hörbare Guggenmusik und den Lichterschein der Genussstationen gab. Eine Gruppe Besucher zeigte sich besonders findig und war mit dekorativ-bunten LED-Stirnbändern unterwegs.
„Wir feiern hier einen Geburtstag“, sagte eine von ihnen, die gut gelaunte Anja aus Stuttgart. Sie war schon dreimal beim Weinweg: „Ich mag die Atmosphäre hier – und, dass das Ganze im Freien stattfindet.“ Ein weiteres Detail, das sie zum Schmunzeln brachte: „Sogar manche der Dixie-Toiletten sind ganz romantisch mit einer Kerze beleuchtet.“ Sie hatte sich einen Riesling gegönnt, ihre Begleiterin Steffi trug einen Rosé spazieren. „Gar nicht so einfach, einen zu finden, der mir schmeckt. Manche Rosés sind pappsüß“, konstatierte Steffi.
Woher kommt der Name der Yburg? Manche wissen Bescheid
Die beleuchtete Yburg in Kernen. Foto: Gottfried Stoppel
Das beleuchtete Wahrzeichen Kernens, die Yburg, wurde zum beliebten Selfiespot. „Die Ypsilon-Burg“, meinten manche Besucher andächtig – und outeten sich damit gleich einmal als Neig’schmeckte. Andere wussten Bescheid: „Man spricht es I-Burg aus“, sagte Oliver aus Winnenden, „soweit ich weiß, kommt der Name von der Eibe.“ Ihm und seiner Begleiterin Sonja gefiel das Event: „Auch die Wegmarkierung mit diesen Lichtern macht richtig was her.“
Wer das winterliche Event am Samstag und Sonntag verpasst hat, muss sich nicht grämen: In den vergangenen Jahren gab es rund um Pfingsten immer auch eine Frühsommervariante – und angesichts des Besucherstroms vom Wochenende ist anzunehmen, dass der Kulinarische Weinweg auch 2026 wieder an Pfingsten stattfindet.