Gastro in Leonberg Behörde macht Café Musu dicht – „Wir können es überhaupt nicht fassen“

, aktualisiert am 05.06.2025 - 14:06 Uhr
Das war kurz vor der Musu-Eröffnung: Michelle Musu (inzwischen Langner, Mitte) und Davide Musu sowie Café-Leiterin Leony Martinek Foto: Geronimo Schmidt

Wegen hygienischer und baulicher Mängel ist das Ende der Café Deli Bar Musu besiegelt. Damit ist der Traum vom Influencer-Treff in Leonberg ausgeträumt – nach nur einem halben Jahr.

Es scheint der Wurm drin zu sein im alten Gebälk des historischen Fachwerkhauses am Marktplatz 5, vielen Leonbergern noch immer als Krone bekannt. Nach einigen Pächterwechseln in den vergangenen Jahren hat nun auch das Musu, eine moderne Café Deli Bar, wieder geschlossen. Michelle und Davide Musu hatten ihr „Herzensprojekt“, wie sie es nannten, erst im Dezember 2024 eröffnet. Sie wollten damit auch einen Beitrag leisten, die Altstadt zu bereichern. Dabei bauten sie aber vor allem auf das Stuttgarter Publikum und die Influencer-Szene. Mit ihrer Aussage, sie seien nicht in erster Linie auf Laufkundschaft auf dem Marktplatz angewiesen, hatten sie schon im Vorfeld nicht wenige Leonberger verärgert.

 

Nach einem halben Jahr ist dieser Traum ausgeträumt. Das Café ist geschlossen. Für immer. Auf einem handschriftlich verfassten Zettel an der gläsernen Eingangstür stand zu lesen: „Das Musu muss ab heute schließen! Wir können es gerade überhaupt nicht fassen. Ich kann auch nicht mehr dazu sagen, außer, dass ich enttäuscht bin. Danke an alle Gäste und die schöne Zeit.“ Unterschrieben ist der Hinweis mit einem Herzchen.

Mängel bei mehrfachen Kontrollen

Die Erklärung, weshalb das Musu nach so kurzer Zeit zumachen musste, liefert die Stadtverwaltung auf Nachfrage. Die Geschäftsführer hätten das Musu zunächst mit einer vorläufigen Gaststättenerlaubnis betrieben. Während dieser Zeit sei der Betrieb mehrfach durch das Veterinäramt, das unter anderem auch für die Lebensmittelüberwachung zuständig ist, kontrolliert worden. „Dabei wurden immer wieder gravierende hygienische und bauliche Mängel sowie unsachgemäße Lagerung von Lebensmitteln festgestellt. Trotz mehrfacher Hinweise und vorübergehender Schließung des Betriebes haben die Betreiber die Mängel nicht ordnungsgemäß behoben. Auch weitere Auflagen innerhalb der vorläufigen Gaststättenerlaubnis wurden von den Betreibern nicht eingehalten“, sagt Leila Fendrich, die Pressesprecherin der Stadt Leonberg.

Insofern hätte das Musu auch keine endgültige Gaststättenerlaubnis bekommen. „Den Betreibern wurde Gelegenheit gegeben, sich vor der Ablehnung ihres Antrages zu äußern, eine Rückmeldung der Betreiber erfolgte nicht“, sagt Fendrich. Obwohl den Betreibern bekannt gewesen sei, dass die vorläufige Gaststättenerlaubnis auslaufe und es zu einer Ablehnung ihres Antrages kommen würde, hätten sie das Musu ohne eine gültige Erlaubnis weitergeführt. „Aus diesem Grund wurde der Betrieb am Freitag, 30. Mai, vom Ordnungsamt geschlossen“, erläutert Fendrich. Die Stadt trage Verantwortung dafür, dass gastronomische Betriebe sicher und ordentlich geführt werden. „Zum Schutz der Gäste und im Interesse aller, die sich an die geltenden Regeln halten. Hygiene, Lebensmittelsicherheit und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben sind dabei unerlässlich“, sagt die Pressesprecherin.

Kritik an Auflagen der Stadt

Michelle Musu, die nach der Trennung von ihrem Mann wieder Langner heißt, will sich zur Schließung ihres Cafés persönlich nicht äußern. Den Versuch eines Telefongesprächs beendet sie kommentarlos. Allerdings hatte sie sich in der vergangenen Woche direkt nach der Schließung des Musu auf ihrem Instagram-Account in temporären Storys, die nach 24 Stunden wieder verschwinden, an ihre Follower gewandt. „Wir müssen aus verschiedenen Gründen schließen“, sagte Michelle Langner darin. Ein Grund sei, „dass uns die Stadt leider einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, und das ist super ärgerlich“. Es seien so viele Auflagen hinzugekommen, da würde sie künftig zu viel reinstecken müssen. Eine Neueröffnung schließe sie definitiv aus. „Die Stadt sitzt am längeren Hebel, ich habe keine Lust, in den Kampf zu ziehen, mein oberstes Ziel ist immer Freiheit und Glück. Ich muss schauen, wie ich das jetzt abwickele.“

Ein handschriftlich verfasster Zettel an der Eingangstür informierte, dass das Musu schließen muss. Foto: Simon Granville

Als der Leonberger Physikprofessor Jens Kircher im Jahr 2020 das Fachwerkhaus Krone von den bisherigen Besitzern Bettina und Peter Knöpfle erwarb, wollte er deren Gastronomie-Tradition über mehrere Geschosse fortsetzen. Doch sowohl das vegetarische Restaurant Grüne Michel als auch das M5 konnten sich nicht halten. Und jetzt das Aus des Musu.

„Ich benötige einen Profi, der seinen Beruf aus Passion ausübt. Jemand, der das Wirt-Dasein mal ausprobieren möchte, ist nicht geeignet“, hat Kircher beim Kauf vor fünf Jahren gesagt. Drei Etagen hat das mehrere hundert Jahre alte Fachwerkhaus. „Dafür braucht es viel gutes Personal.“ Was jetzt mit der Krone passiert? Für ein Statement war Jens Kircher telefonisch nicht zu erreichen.

Tradition am Marktplatz

Übernahme
Hundert Jahre war die Krone im Besitz der Familie von Bettina Knöpfle. Die gelernte Hotelfachfrau und ihr Mann Peter, leidenschaftlicher Koch auch der gehobenen Küche, hatten das historische Gebäude 1999 übernommen und liebevoll renoviert. Seither hieß es das „Knöpfle“.

Feinste Küche
Im Erdgeschoss richteten sie ein Bistro ein, im ersten Stock ein Restaurant. Den zweiten Stock bauten sie zum Kulinarium mit offener Küche, drei Meter hohen Decken und einem langem Holztisch aus. Zweimal im Monat kochte Peter Knöpfle hier gemeinsam mit Gästen. Im Jahr 2014 zogen die Knöpfles aus gesundheitlichen Gründen in den Schwarzwald und eröffneten dort ein kleines Hotel.

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