Gastro in Leonberg Café Musu – nach nur wenigen Monaten kommt das abrupte Ende

Das Schild „Musu“ hängt noch über der Eingangstür – doch das Café gibt es nicht mehr. Foto: Simon Granville

Geschichten des Jahres: Mit großen Ambitionen startete das Influencer-Café auf dem Leonberger Marktplatz Ende 2024. Im Mai 2025 wurde es vom Ordnungsamt geschlossen. Das hatte Gründe.

Das Schild „Musu“ hängt noch über der Eingangstür, im Inneren stapeln sich Tische und sonstige Einrichtungsgegenstände. Mit großen Ambitionen war es gestartet, nach wenigen Monaten war es bereits Geschichte: Das Influencer-Café Musu auf dem Leonberger Marktplatz 5 hat ein halbes Jahr lang bis Mai 2025 für Aufmerksamkeit gesorgt – und überraschte dann mit einem abruptem Ende. Das einstige Ehepaar Michelle und Davide Musu hatte seinen „Place to be“ im historischen Fachwerkhaus, vielen Leonbergern noch als „Krone“ oder „Knöpfle“ bekannt, Anfang Dezember 2024 eröffnet. Mit dem Ziel, Leonberg als neuen Treffpunkt der Influencer-Szene zu etablieren und vor allem Gäste aus Stuttgart in die hiesige Altstadt zu locken. Was dem heimischen Publikum nicht ganz so gut gefiel.

 

Essen für Social-Media: Matcha Latte, Smoothies und Bowls

Statt Butterbrezel und Filterkaffee setzte das Musu konsequent auf Food-Trends und Social-Media-Tauglichkeit. Auf der Karte standen Matcha Latte, Smoothies, Bowls, Pancakes mit Lavasoße, Sauerteigbrote, Shakshuka oder andere kreative Frühstücksvariationen. Gerichte, „auf die man die Kamera hält“, wie die Betreiberin Michelle Musu selbst sagte. Beworben wurde das Konzept vor allem über soziale Netzwerke: Die Unternehmerin verfügte zum Start über 62 000 Follower auf Instagram und 50 000 auf Tiktok, Influencerinnen wurden schon vor der Eröffnung zu einem exklusiven VIP-Event eingeladen.

Kontrollen im Musu: Der Betrieb gerät früh ins Wanken

Doch hinter der schillernden Fassade geriet der Betrieb früh ins Wanken. Das Café lief lediglich mit einer vorläufigen Gaststättenerlaubnis. Bei mehreren Kontrollen durch das Veterinäramt stellte die Stadt gravierende Mängel sowie eine unsachgemäße Lagerung von Lebensmitteln fest. Trotz wiederholter Beanstandungen, Auflagen und zwischenzeitlicher Schließungen seien die Mängel nach Angaben der Stadt nicht ausreichend behoben worden. Eine endgültige Gaststättenerlaubnis erhielt das Musu daher nicht.

Obwohl den Betreibern das Auslaufen der Genehmigung bekannt war, wurde der Betrieb weitergeführt – bis das Ordnungsamt am 30. Mai 2025 die Reißleine zog und das Café schloss. Das endgültige Aus wurde mit einem handschriftlichen Zettel an der Glastür bekannt gemacht: Man könne es „überhaupt nicht fassen“, hieß es dort, unterschrieben mit einem Herzchen.

Öffentlich wollte sich Michelle Musu, die nach der Trennung von ihrem Mann wieder Langner heißt, nicht äußern. In Instagram-Storys machte sie jedoch die aus ihrer Sicht umfangreichen Auflagen der Stadt für das Scheitern verantwortlich und schloss eine Wiedereröffnung aus. Damit platzte der Traum vom Influencer-Treffpunkt in Leonberg – nach nicht einmal einem halben Jahr.

Noch keine konkreten Pläne für das denkmalgeschützte Haus

Und was passiert nun mit dem denkmalgeschützten Haus auf dem Marktplatz? Der Pachtvertrag mit Michelle Langner habe noch immer Bestand, sagt „Krone“-Besitzer Jens Kircher. „Wir sind im ständigen Austausch“, so der Leonberger Physikprofessor. Doch sei es nicht so, „dass es furchtbar einfach wäre, drei Gastro-Ebenen an einen Interessenten zu vermieten“. Er könne sich durchaus auch vorstellen, das historische Gebäude künftig in Teilen zu verpachten.

Im Jahr 2020 hatte Jens Kircher das Fachwerkhaus von den bisherigen Besitzern Bettina und Peter Knöpfle erworben, er wollte deren Gastronomie-Tradition über mehrere Geschosse fortsetzen. Doch sowohl das vegetarische Restaurant Grüne Michel als auch das M5 und später ein Grieche konnten sich nicht halten. Das Musu reihte sich zuletzt in diese Liste mit ein. „Aktuell ist es für niemand ein toller Zustand, dass dieses Haus in zentraler Lage so leer rumsteht.“ Leonberg, meint Kircher, sei eine reiche Stadt, umso weniger könne er verstehen, „dass das gastronomische Angebot so bescheiden und der Stadt nicht angemessen ist“.

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